junggenug

Du kannst es immer noch ….


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Warum es ok ist, wenn man ab und zu mal gern allein ist

Ich bin die ganze Woche über mit Menschen zusammen. Und weil ich als Trainerin im Sportverein agiere, bin ich sozusagen der Vorturner. Der Pausenclown, die „Immer-gut-Draufsein-Frau“. Das macht meistens Spaß, ist aber manchmal auch verdammt anstrengend. Darum bin ich auch mal gern allein. Ich finde das völlig normal und dachte, das wäre doch auch mal ein nettes Thema für einen Beitrag. Um zu sehen „was die Welt dazu sagt“ gebe ich bei google, als Frage „warum man manchmal auch gern allein sein will“ ein. Die anzeigten Antworten schaffen es, dass ich erstaunt die Augenbrauen hochziehe. Anscheinend ist es nicht normal, dass man ab und zu mal gern allein ist. Ich bekomme hauptsächlich Artikel von psychologischen Foren angezeigt, in denen Leute sich über das Alleinsein beklagen. Ich bin ab und zu gern allein. Muss ich mir jetzt Sorgen um meinen seelischen Zustand machen?

Zum Glück finde ich dann noch einen Beitrag einer Frauenzeitschrift, der mir diese Ängste nimmt.

Eine der Zwischenüberschriften lautet: Alleinsein ist keine Notlösung, sondern ein Akt der Selbstbestimmung. Es macht stark!

Das bedeutet: Ich bin nicht allein, weil ich es muss, sondern weil ich mich dafür entschieden habe. Meine Isolation ist selbstgewählt und ein Teil meiner persönlichen „Lebenspflege“. Allein oder nur mit Hund, (aber der zählt nicht, weil er „anders kommuniziert“) in den Wald zu gehen, ist Erholung. Ich kann mich auf meine eigenen Gedanken und Gefühle konzentrieren. Kann schneller und langsamer werden, ohne es begründen zu müssen. Kann stehenbleiben, mich hinsetzen oder mich auf den Bauch legen, um einen Käfer zu betrachten. Ich bestimme den Weg, das Tempo und die Dauer. Ich bestimme selbst. Und bestimme auch, wann ich wieder „in die Welt zurückkehre“.

Nächste Überschrift: Alleinsein ist kein Zustand des Mangels, sondern die Möglichkeit, sich zu entspannen.

Weil man den ganzen Tag beim Zusammensein mit anderen Leuten konfrontiert wird, bekommt man unzählige Informationen. Positive, negative und auch überflüssige. Irgendwann möchte man gern auch mal „nichts hören.“ Das schließt natürlich auch die Medien-Abstinenz mit ein. Wer seinen Urlaub im Ausland verbracht hat, wo er die Sprache kaum oder gar nicht versteht, der kann den heilsamen Effekt, mal nichts von der Welt mitzubekommen, sicher bestätigen. Alleinsein muss jedoch keine absolute Stille bedeuten: Waldesrauschen, Vogelstimmen, Käfergebrumm – all das sind Töne, die wir nicht mit direkten Informationen verbinden. Unser Gehirn braucht nichts zu verarbeiten, kann entspannen. Die Gedanken können kommen und gehen. Wie entspannend!

Etwas später folgt: Bewusst alleine sein kann glücklich machen!

Macht es, brumme ich vor mich hin, als ich an diese Stelle des Artikels komme. Dazu brauche ich keine Diplom-Psychologin, die sich zu diesem Thema äußert. Trotzdem finde ich es spannend, dass diese Ursula Werner ein Buch über „die Kunst des Alleinseins“ geschrieben hat. Und das gibt es sogar schon in einer neuen Auflage. Wahrscheinlich bin ich doch nicht so allein mit meiner Vorliebe für das Alleinsein.

Natürlich gibt es auch zu dieser Problematik einige kluge Sprüche. Die (für mich) passendsten habe ich hier mal zusammengetragen:

Überlege wohl, bevor du dich der Einsamkeit ergibst, ob du auch für dich selbst ein heilsamer Umgang bist. Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach

Wenn du Einsamkeit nicht ertragen kannst, dann langweilst du vielleicht auch andere. Oscar Wilde

Ganz er selbst sein darf jeder nur solange er allein ist: wer also nicht die Einsamkeit liebt, der liebt auch nicht die Freiheit: denn nur wenn man allein ist, ist man frei. Arthur Schopenhauer

Einsamkeit ist das Los aller hervorragender Geister: sie werden solche bisweilen beseufzen, aber stets sie als das kleinere von zwei Übeln erwählen. Arthur Schopenhauer

Einsamkeit ist das Los aller hervorragender Geister: sie werden solche bisweilen beseufzen, aber stets sie als das kleinere von zwei Übeln erwählen. Arthur Schopenhauer

Der Adler fliegt allein, der Rabe scharenweise, Gesellschaft braucht der Tor und Einsamkeit der Weise. Friedrich Rückert

mano

 


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Warum immer alles zwei Seiten hat

Meine Großmutter hatte ein ganzes Arsenal an Lebensweisheiten. Eine davon war: Auf zwei Hochzeiten kannst du nicht tanzen. Natürlich versucht man sich als junger Mensch immer irgendwie gegen die Erfahrungen, die von man den Älteren quasi aufs Butterbrot geschmiert bekommt, anzugehen. Schließlich könnte man ja immerhin beide Feste nacheinander besuchen oder irgendeinen anderen seltsamen Kompromiss finden. Dass das im Leben eben nicht geht, das merken wir dann doch meist recht schmerzvoll. Entweder verletzen wir mit unseren Entscheidungen jemanden unbewusst oder wir zahlen mit dem Verlust unseres inneren Gleichgewichts.

Wer versucht immer und jederzeit alles unter einen Hut zu bringen, der scheitert über kurz oder lang daran. Manchmal erhalten wir für unsere Bemühungen Vorwürfe und ernten Unverständnis. Das ist genaugenommen noch das angenehmere Ergebnis. Oft bezahlt man seinen Übereifer sogar mit gesundheitlichen Problemen, die aus dem vorangegangenen Stress resultieren. Natürlich gab es auch für diese Situation einen passenden Spruch: „Allen Menschen recht getan, ist eine Kunst die niemand kann.“

Aber selbst wenn wir uns für etwas entscheiden, dann sollten wir uns darüber klar werden, dass wir damit nicht nur einer Sache zustimmen, sondern auch eine andere Möglichkeit ablehnen.

Das lässt sich ganz leicht untermauern, wenn man sich mit asiatischen Lebensweisheiten beschäftigt. Die sind meist etwas subtiler als unsere Großmutter-Sprüche, beinhalten aber eben solche Wahrheiten.

„Alles was ist, birgt auch gleichzeitig einen Gegensatz in sich“ ist so eine Aussage, die man vielleicht erst einmal einer näheren Betrachtung unterziehen muss, um sie zu akzeptieren. Etwas was uns traurig macht, kann uns auch glücklich machen? Wie soll denn das gehen?

Um das zu erfassen, sollte man das Leben im Zusammenhang betrachten. Wenn uns eine Situation nicht behagt und wir uns darin ein Unwohlseinl verspüren, haben wir die Möglichkeit das hinzunehmen und unser „Seelenheil“ in der Resignation zu suchen. Oder wir raffen uns auf, ändern die Umstände und fühlen uns besser. Es ist alles drin, wir müssen es nur erkennen. Wann immer wir zu etwas JA sagen, dann bedeutet es auch gleichzeitig ein NEIN zu einer anderen Konstellation.

Ein weiterer Aspekt der Zwei-Seiten-Betrachtungen ist, dass alles was im Moment schön und gut ist, auch den Kern des Gegenteils in sich trägt. Wir freuen uns über die Geburt unseres Kindes und richten unser ganzes Sein darauf, ihm eine glückliche Zukunft zu ermöglichen. Aber in diesem Augenblick steht schon fest, dass es uns eines Tages verlassen wird, um sein eigenes Leben zu leben. Das Glück der Geburt birgt schon den Keim des traurigen Abschieds in sich.
Der Tod eines lieben Menschen scheint nicht ein Stückchen Trost an sich zu enthalten. Und doch trifft man immer wieder auf Hinterbliebene, die nach einer Zeit des Trauerns einen neuen Anfang wagen. Sie legen sich ein Hobby zu, gehen auf Reisen oder tun etwas, woran sie vorher nicht gedacht hätte. Hier versteckt sich im Verlust eine Chance. Zugegeben, das ist ein recht krasses Beispiel. Und wer gerade in einer solchen Situation steckt, der will dergleichen Worte garantiert nicht hören.

Betrachtet man das Leben jedoch mit einem gewissen Abstand, dann kann man sich dieser Erkenntnis nicht verschließen. Wir alle mussten schon irgendwann die Erfahrung machen, dass wir uns über etwas, das nicht geklappt hat, geärgert haben. Einige Zeit später stellt sich dann aber heraus, dass es genau richtig war, weil wir sonst mächtig auf die Nase gefallen wären. Dummerweise geht es auch andersherum. Was sich zuerst als ein Glücksfall präsentiert, erweist sich im Nachhinein als ein echter Fehlgriff.

Der nächste schlaue Spruch stammt leider nicht von Oma, sondern hing an der Wand einer Organisation, für die ich einmal gearbeitet habe: „Jedes Ding hat zwei Seiten. Eine helle und eine dunkle. Und wenn du keine helle Seite findest, dann nimm eine dunkle und putze sie solange, bis sie glänzt.“ Mein Zusatz dazu lautet: Manchmal reicht auch nur abwarten.

Also bleib schön gelassen, was immer dir auch passieren sollte. Meist ist es nicht so, wie es auf den ersten Blick scheint. Und denke auch ab und zu an meinen Lieblingsspruch von Pico Yver: “Es sind nicht die Erlebnisse die uns formen, sondern wie wir sie interpretieren.

Kloster2


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12 Wege zum Entspannen

Im Moment geht es in meinem Leben recht hektisch zu. Ich habe eine ganze Menge privater Trubel, der zwar nicht negativ ist, aber gerade zum Dauerstress ausartet.

So ist es kein Wunder, dass ich am liebsten auf Norbert, meinen inneren Schweinehund, hören würde. Der möchte nämlich mit einem Glas Wein und einen Liebesroman ins Bett. Die anstehenden Arbeiten könne ich ja morgen noch erledigen. Und außerdem brauche ich mich doch nicht so stoisch an die Vorgabe zu halten, dass am Donnerstag auf junggenug ein neuer Artikel erscheinen muss. Schließlich habe ich mir dieses Ziel selber gesetzt. Und da könnte ich das auch aushebeln.

Irgendwie hat er ja auch Recht. Wenn ich ehrlich bin, dann bin ich fast geneigt, seinen Vorschlägen nachzugeben. Allerdings ist da noch der Gedanke, dass ich mich am Abend richtig mies fühlen werde, weil ich meine eigenen Regeln gebrochen habe.
Da gefällt mir die Idee, aus der Not eine Tugend zu machen, doch viel besser.

Ich sammle also kurzerhand mal 12 Methoden, um mich zu entspannen:

  • Da wäre als erstes einmal Qigong. Das praktiziere ich schon viele Jahre und es hilft mir immer wieder, mit mir ins Reine zu kommen. Die Übungen sind langsam, sanft und beruhigen ungemein.
  • Atemübungen sind auch eine tolle Sache. Tief einatmen, Halten und dann ausatmen. Ganz langsam ausatmen. Wenn möglich bis 10 zählen und allen Stress dabei herausblasen.
  • Selbstmassage im Nacken. Mit der rechten Hand am Hinterkopf vom Schädelrand (Übergang von Halswirbelsäule) den Hals sanft nach unten massieren, bis an den „Knubbel“ auf der Wirbelsäule. Das ist der siebente Halswirbel. Das mit der linken Hand wiederholen. Dann mit der rechten Hand den leicht hervorstehenden „drehen“. Man macht eine Bewegung, als würde man einen Deckel zuschrauben. Danach nimmt man die linke Hand und „schraubt“ entgegengesetzt.
  • Eine Runde mit dem Hund. Das entspannt immer. Zumal unsere Strecken stets durch den Wald führen.
  • Einen Baum umarmen. Die Stirn an seine Rinde legen. Mit den Fingern die rauen Unebenheiten ertasten. Es ist fast so, als würde man einen lieben Menschen treffen.
  • Kuscheln. Egal ob mit einem Mann, einer Katze, einem Hund oder womit auch immer. Hauptsache es lässt sich streicheln und macht ein gutes Gefühl.
  • Meditieren. Bequem hinsetzen, Augen zu und auf die Atmung konzentrieren. Nicht denken. Nur atmen. Ein und aus. Ein und aus. (Ist schwer aber mit etwas Übung, schafft man es).
  • Klopfen. Schultern, Brustbereich, Arme, Beine einfach alles, wo man rankommt, mit sanften Klopfbewegungen aktiveren.
  • Eine Tasse Tee trinken. (Und das von mir, die ich bekennende Kaffee-Liebhaberin bin.) Ein schöner, aromatisierter Tee hat aber das gewisse Etwas, das beruhigt und entspannt.
  • Etwas langsam und genüsslich essen. Nicht einfach so nebenher in sich hinein stopfen, weil man keine Zeit hat, sondern jeden Bissen 20 bis 30 Mal (Kein Schreibfehler) kauen. Dabei darauf achten, wie sich der Geschmack verändert, wie es immer süßer und leckerer wird.
  • Ein Gedicht lesen. Für ein ganzes Buch oder vielleicht auch nur ein Kapitel reicht die Zeit womöglich nicht. Gedichte sind jedoch meist kürzer als die kürzeste Kurzgeschichte. Sie sind ideal als Lesefutter zwischendurch. Und natürlich sollte man laut lesen.
  • Ein klitzekleines Nickerchen im Sessel. Sicherheitshalber nicht im Bett, weil ich da eventuell nicht mehr herauskomme und mühelos weiter schlafe. Aber sich mal mit geschlossenen Augen einfach zurücklehnen und pausieren, dass tut auch schon ziemlich gut.

feige


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Norbert, Eva und ich

Mein innerer Schweinehund heißt Norbert. Leider bin ich nicht auf diese geniale Idee gekommen, der persönlichen Bremsvorrichtung einen Namen zu geben. Zugegebener Maßen war das Stefan Frädrich in seinem Buch „das Günter-Prinzip“. Aber wenigstens ist mir ein eigener Begriff für den privaten Spielverderber eingefallen.

Es ist ja auch so schon nicht ganz so einfach mit diesem unleidlichen Kerl. Nehmen wir nur einmal diese Woche. Gut – ich gebe es zu ich habe zurzeit etwas Stress. Nichts Unangenehmes. Weil in der nächsten Woche eine größere Familienfeier ansteht, gibt es da eine ganze Menge zu planen, organisieren und zu bedenken. Das ist schon ein zusätzlicher Berg Arbeit. Aber da sind ja auch noch die kleinen und alltäglichen Aufgaben. Und genau hier schlägt Norbert zu!

Musst du denn wirklich auch jetzt, wo so viel zu verrichten ist, deine regelmäßigen Blogartikel veröffentlichen? Das merkt doch sicher kein Mensch, wenn mal eine Woche kein Beitrag zu gewohnten Zeit erscheint.

Du musst dich jetzt nicht um die tägliche Post kümmern, pack bloß alles beiseite und erledige das, wenn du wieder Zeit hast.

Du brauchst dich jetzt nicht für den Gefallen zu bedanken, den man die gemacht hat. Das kannst du machen, wenn du den Kopf frei hast.

Leg doch die tägliche To-Do-Liste weit weg. Routineaufgaben lassen sich auch später aufarbeiten.

Und so geht das die ganze Zeit.

Natürlich habe ich im Moment mal gerade mehr zu tun als noch vor vier Wochen. Aber wer sagt mir denn, dass ich in einem halben Monat nicht einen richtig dicken Auftrag bekomme? Soll ich dann alles liegen lassen und noch auf den Berg packen, auf den das bisher Aufgeschobene aufgestapelt ist? Und danach kommt wieder etwas Unerwartetes?

Nein, nein, mein lieber Norbert. So nicht! Wir lassen uns von einer angespannten Arbeitssituation nicht aus der Ruhe bringen. Von wegen, die täglichen Aufgaben vernachlässigen! Wir machen einen Plan, organisieren uns und behalten die Ruhe und die Übersicht.

Wer ist denn wir? (Ha, ha: Die Rechtschreibprüfung in Word schlägt mir vor, doch lieber „Wer bin denn ich“ zu benutzen.)

Wir – das sind die Eva und ich. Die Eva, die habe ich jetzt erfunden. Sie ist das Pendant zum Norbert. Eva ist die Macherin, die sagt: Los geht’s! Sie schubst mich an, wenn ich keine Lust habe und mich hinter Norbert verstecken will. Eva klopft mir aufmunternd auf die Schulter, sobald ich die Ohren hängen lasse. Und Eva denkt sich die Belohnungen aus, die wir bekommen, wenn wir einen dicken Batzen der Aufgaben erledigt haben. Falls ich mal wieder zweifle, ob das, was ich gerade plane, auch Erfolg verspricht, dann ist sie es, die sagt: Probiere es – sonst wirst du es nie erfahren. Sie ist meine anstrengende Freundin, mein innerer Motor, mein Auslöser fürs Tun.

Vollkommen verständlich, dass sie und der Norbert keine Freunde sind. Er liegt faul auf dem Sofa, liest Liebesromane und stopft Nougat in sich hinein. Sie dagegen hüpft durch den Wald, macht tausend interessante Dinge und hat stets eine Idee, wie es weiter geht.
Manchmal geht sie mir auch auf die Nerven, mit ihrer ewigen guten Laune und dem Tatendrang. (Wer will schon immer gut drauf sein?) Dann kuschle ich mich an Norbert und lasse mich von ihm zum Nichtstun überreden. (So war es an diesem Tag auch.) Aber es dauert meist nicht lange, dann steht Eva in der Tür und rollt mit den Augen. Und weil ich weiß, dass sie Recht hat, habe ich mich an den heute fälligen Blogbeitrag gesetzt und ihn doch geschrieben.

Und jetzt kochen wir uns als Belohnung einen schönen Kaffee und setzen uns für finf Minuten in den Garten: Die Eva und ich.

Kloster1


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Sei kein Jammerlappen

Deutschland wird gern als das Land der Meckerer und Jammerer abgestempelt. Das kränkt uns zwar, aber so ganz Unrecht haben die fröhlicheren Nachbarländer wohl doch nicht. Wir lamentieren eigentlich über alles, beispielsweise über das Wetter. Mal ist es zu kalt, dann zu heiß, es regnet zu viel oder zu wenig – und überhaupt könnte der Himmel sein Wasser ja in der Nacht ausschütten. Die Zeiten sind schlecht, die Leute unfreundlich und alles wird immer teurer. Ganz ohne Mühe würde ich mit meiner Aufzählung sicher eine ganze Seite füllen.

Warum jammert man denn im Grunde genommen? Bringt das was?

Irgendwie entlastet es und baut sogar den Stress, den wir mit der unangenehmen Situation haben, kurzzeitig ab.

Wenn wir mit jemand gemeinsam jammern, dann fühlen wir uns verstanden. Zusammen über unverschämte Benzinpreise und korrupte Politiker zu stöhnen lässt ganz schnell ein Gemeinschaftsgefühl entstehen.

Wenn ich jammere, dann schiebe ich die Verantwortung von mir. Ich kann ja nichts tun – ergo brauche ich nichts tun. Die Anderen haben Schuld und ich bin machtlos. Das gilt als eine Art Entschuldigung, um nichts an der Situation zu ändern.

Wer jammert, dem hört man (zumindest eine Weile) zu. Viele Menschen glauben, dass das die einzige Art ist, wie sie Beachtung finden.

Jammern hat aber mehr als einen Nachteil.

Wenn ich ständig am Jammern bin, dann gehe ich den anderen Leuten auf die Nerven. Niemand will auf die Dauer etwas mit mir zu tun haben. (Mir fällt bei diesem Thema sofort eine ältere Dame ein, die sich ständig beklagt. Als ich sie einmal gefragt habe, warum sie das machen würde, bekam ich zur Antwort, dass es ihr gut täte. Ein Blick auf die anwesenden Frauen zeigte mir, dass diese prompt die Augen verdrehten.)

Wer jammert tut nichts gegen die Situation, die ihn stört. Er fühlt sich als Opfer und hat keinen Antrieb etwas zu verändern. Der Satz „man kann ja eh nichts machen“ ist nichts weiter als eine Kapitulationserklärung. Es gibt Umstände, die kann man sehr wohl ändern, aber dazu muss man etwas unternehmen. Dazu braucht man Kraft und Energie. Die wird aber beim Jammern sinnlos vergeudet.

Es gibt andere Umstände, die kann man nicht ändern. Das brauchen wir uns jetzt nicht schön zu reden. Durch das Jammern verschlimmert sich die Situation aber immer noch. Die Engländer (oder sind es die Amerikaner?) haben einen schönen Spruch für solche Verhältnisse: Leave it, love it or change it. Das kann man salopp so übersetzen: Wenn dir etwas im Leben nicht gefällt, dann verlasse es (geh woanders hin), liebe es (arrangiere dich damit) oder ändere es. Jammern kommt dabei nicht vor. Damit bleibst du genau bei diesen Gegebenheiten und versinkst immer tiefer im Selbstmitleid.

Außerdem ist es eine alte philosophische Weisheit, dass die Dinge, auf die man sich konzentriert auch noch wachsen. Stell dir vor, es ist Freitag der 13. und du bist der festen Überzeugung, dass heute alles schief geht. Also sammelt dein Unterbewusstsein den ganzen Tag „Unglücke“. Das geht von heruntergefallenen Stiften, über zerkrümelte Kekse, rote Ampelphasen bis hin zu irgendwelchen Sachen, die du nicht findest. An einem anderen Tag wären dir solche Sachen überhaupt nicht aufgefallen. Konzentrierst du dich aber darauf, bekommen sie eine echte Bedeutung.

Am Ende bleibt als Fazit bestehen: Ständiges Jammern macht einsam, kostet Kraft und lässt die gegebenen Probleme ins Unermessliche wachsen. Damit gibst du die Hauptrolle in deinem Leben auf und machst dich zum Statisten der Umstände.

Mach doch mal die Probe aufs Exempel und führe eine Strichliste, wie oft du dich beim Jammern erwischst. Und dann versuch es mal eine Woche komplett ohne die Mitleidstour.

Vielleicht hilft dir das hier: (Frei nach einem Gebet des US-amerikanischen Theologen Reinhold Niebuhr)

Gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Und weil wir das schon lange nicht mehr hatten kommt jetzt der bekannte Nachsatz von Pico Yver: “Es sind nicht die Erlebnisse die uns formen, sondern wie wir sie interpretieren.”

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Kurzanleitung

für mehr Zufriedenheit im Alltag

  • Begrüße dich selbst, wenn du nach Hause kommst.

Gestalte den Eingangsbereich deiner Wohnung so, dass du dich darüber freust, wenn du ihn siehst. Wechsle die Fußmatten nach Jahreszeiten oder Ereignissen, stelle Pflanzen auf, mal dir ein Schild, das dich willkommen heißt.

  • Umgibt dich mit Grün

Es findest sich immer Raum für Pflanzen, Kräuter und Blumen. Das kann auf der Fensterbank, auf dem Balkon, dem Hof oder im Garten sein. Auch wenn du glaubst, dass dir alle Pflanzen eingehen, gibt die Hoffnung nicht auf. Probiere so lange, bist du etwas gefunden hast, was zu dir passt.

  • Sei freundlich zu den Leuten

Grüße und lächle auch Unbekannte an. Sie höflich und aufgeschlossen zu Verkäuferinnen, Kassiererinnen, Gärtnern und Klofrauen. Du wirst erstaunt sein, wie viele positive Reaktionen du bekommst.

  • Konsumiere mit Bedacht

Kaufe wenig und qualitativ hochwertige Dinge. Frage dich, bevor du an die Kasse gehst: Brauche ich das wirklich?

  • Entsorge was du nicht mehr brauchst

Geh immer mal wieder deine Schränke durch und sortiere aus, was du schon ewig nicht mehr angezogen hast, was abgelaufen und überlagert ist. Verbanne die alten Zeitungen in die Papiertonne, leere Flaschen und Gläser in den Glascontainer und verschenke Bücher, die du sowieso nicht mehr lesen wirst.

  • Hinterlasse keine Spuren

Lass nichts einfach so herumliegen. Räume alles, was du benutzt hast wieder, an seinen angestammten Platz.

  • Nimm dir Zeit zum Essen

Auch wenn du allein lebst, kannst du dir den Tisch schön decken und etwas Leckeres auf den Teller bringen. Iss langsam und sorgfältig. Kaue gründlich und genieße den Geschmack.

  • Schaffe dir Rituale

Mach jeden Tag etwas, was deinem Leben Struktur gibt. Neben der morgendlichen Dusche gibt es noch viele andere Sachen, die es wert sind, in dein Leben eingebaut zu werden. Meditation, eine kurze Gymnastik-Sequenz, ein Gedicht lesen, Tagebuch schreiben oder eine feste Zeit an deinem Lieblingsprojekt arbeiten.

  • Gehe neue Weg

Mach nicht immer alles so wie immer. Wähle einen anderen Weg zur Arbeit. Probiere eine neue Sportart. Fahr in eine Stadt, in der du noch nie warst. Esse etwas, was du bisher nicht kanntest.

  • Lege dir ein Ideenbuch an

Nimm ein Heft oder ein Notizbuch und schreibe dort hinein, was du gern machen würdest. Notiere welche Orte du gern besuchen würdest. Schneide Bilder aus den Zeitungen aus, die dich inspirieren.

  • Schreibe ein Glückstagebuch

Halte jeden Tag fest,  was dir Gutes passiert ist. Finde mindestens 8 bis 10 Punkte. Sei dankbar dafür.

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Von Handlungen und Resultaten

Cordula ist sauer. Sie gibt sich wirklich Mühe auf ihrer neuen Arbeitsstelle und kniet sich vollkommen rein. Dabei ist sie wie immer selbstbewusst und von ihrer Mission überzeugt. Oft wirkt sie den anderen gegenüber dominant oder sogar arrogant. Das ist sie eigentlich gar nicht, aber sie kommt so rüber. Damit sie alles mehr als 100%ig erledigen kann, wirft sie ihr ganzes Sein in die Waagschale. Sogar ihr Privatleben hat sie so zusammengestrichen und ausgerichtet, dass ihr Job immer im Fokus steht. Vor kurzem hat sie aus Zeitgründen sogar ihren geliebten Malkurs gekündigt, nur weil sie alle Kraft für die Arbeit braucht. Und trotzdem erkennen ihre Mitmenschen das nicht an.

Es ist nicht nur so, dass ihre Freundinnen entgeistert den Kopf schütteln – nein ihre Kollegen versagen ihr die ihr gebührende Anerkennung. Das war schon im letzten Betrieb so. Und im vorletzten auch. Cordula findet, dass alle ganz schön gemein zu ihr sind und niemand ihren Einsatz zu schätzen weiß.

Kennst du das? Oder kennst du jemanden, dem sowas ständig passiert?

Da sitzt wohl jemand in der „Täglich grüßt das Murmeltier-Falle“. Wenn man, ganz gleich was man macht (und wo) immer das gleiche (oder ein ähnliches) Ergebnis erhält, dann sollte man sein eigenes Tun hinterfragen.

Gleiche Ergebnisse sind das Resultat von gleichen Handlungen.

Warum soll das, was in Betrieb 1 und 2 nicht funktioniert hat, denn auf einmal in Firma 3 zu einem positiven Ergebnis führen?

Das wäre ja seltsam.

Schließlich läuft unser Leben, auch wenn wir es nicht anerkennen (oder anerkennen wollen) nach bestimmten Gesetzmäßigkeiten ab.

Albert Einstein soll das ziemlich barsch auf den Punkt gebracht haben: „Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.“

Jetzt will ich die arme Cordula nicht gleich beschimpfen. Sie gibt sich ja wirklich Mühe. Aber das kommt von „sich mühen“ und damit reibt sie sich auf. Und dafür erhält sie noch nicht einmal die ersehnte Anerkennung.

Wie kommt sie nun aber raus aus diesem Teufelskreis?

Zuerst einmal muss sie ihr Verhalten analysieren um herauszufinden, was da eigentlich schief läuft.

Wie macht man das?

(Natürlich am besten schriftlich)

Man nimmt eine Handlung und verknüpft sie mit dem Resultat. Beachte: Mit dem erreichten Ergebnis, nicht mit dem erwünschten! Dabei sollte man klar und ehrlich sein: Ist das, was am Ende herauskommt, auch das was alle wollen und allen zugutekommt? Oder ist es das, was meinen persönlichen Wunschvorstellungen entspricht? Ich finde es toll, aber der Rest der Welt ist wenig begeistert. (Motto: Alle doof, außer ich!) Da muss man genau hinsehen und auch mal bittere Wahrheiten schlucken.

Das ist wie beim Kuchenbacken. Du backst einen wundervollen Rhabarberkuchen mit Pudding und Baiser. Er sieht super aus und du rühmst dich stolz deiner Backkunst. Die anderen hätten aber lieber eine einfache Erdbeertorte mit einem gekauften Boden. Glaubst du, die finden dich und deinen Rhabarberkuchen trotzdem toll? Ich denke nicht.

Es ist also besser vor dem Backen einmal nachzufragen, welcher Kuchen denn gewünscht wird.

Wer von sich selbst und von seinen Fähigkeiten überzeugt ist, der wirkt seinen Kollegen und Mitarbeitern gegenüber häufig überlegen oder sogar anmaßend. Hier sollte man lernen, sich zurückzunehmen. Es hilft, Fragen zu stellen, anstelle Manifestationen abzugeben. Es macht Sinn, Interesse an anderen Menschen und Ideen zu zeigen, anstatt nur sich selbst zu präsentieren.

Wenn man den Wunsch verspürt Teil eines Teams zu sein, dann sollte man sich auch so verhalten.

Sicher gibt es Situationen, in denen man nichts dafür kann, weil die Umstände einfach dagegen sind. Wiederholen sich die Umstände aber, dann sollte man stutzig werden. Liebe Cordula, das Leben haut dir nun schon mehrmals ein und denselben Sachverhalt um die Ohren. Was glaubst du, warum es das macht?

Zweifellos nicht, damit du alles beim Alten lässt.

Also fang an und verändere dich. (Denn die anderen kannst du nicht ändern). Das ist keineswegs einfach und wird auch nicht so schnell gehen.

Roland Kopp-Wichmann schreibt in seinem Persönlichkeits-Blog zum Thema „sich verändern“: „All das ist am Anfang nicht einfach. Das hat vor allem neurobiologische Gründe. Unsere Gewohnheiten im Denken, Fühlen und Handeln sind jahrzehntelang gespurt wie sechsspurige Autobahnen. Hier die Ausfahrt zu nehmen und einen anderen Weg einzuschlagen, ist zwar möglich – aber ungewohnt.“

Allerdings sind Veränderungen die einzige reale Chance, um ein anderes Resultat zu erzielen. (Und ich meine hier nicht, den Job zu wechseln)

Na – welchen Kuchen hättest du denn gern?

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