junggenug

Das Leben ändern – auch wenn man keine 20 mehr ist

Auf der Suche nach der Stille

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Halt doch mal inne. Wir haben August. Mehr als das halbe Jahr ist schon um. Du brauchst Dich nicht zu wundern, wir alle haben das Gefühl, dass die Zeit immer schneller vergeht. Viel schneller als früher. Da war es eine Ewigkeit von Weihnachten bis zu den Ferien und fast noch länger bis es endlich wieder Geschenk gab. Und heute?

Die Tage, Wochen und Monate rennen nur so vorbei. Wir haben kaum Zeit um anzuhalten, Atem zu holen, Kraft zu tanken. Selbst der langersehnte Urlaub bringt kaum die gewünschte Erholung. Und wenn, dann holen uns die aufgetürmten Wäscheberge oder der Stress im Alltag schnell wieder zurück. Die Tage und selbst die Nächte sind laut und voller Hektik. Die Stille bleibt auf der Strecke. Wir bleiben auf der Strecke.

Aber sind wir mal ehrlich. Wer ist schuld daran? Wer zwingt uns alle 5 Minuten auf unser Handy zu schauen, sofort nach dem Heimkommen das Radio oder den Fernseher anzuschalten? Jetzt komm mir nicht mit dem Argument, dass Du das brauchst.

Ich stell Dir mal ganz provokativ eine Frage: Kannst Du mit Dir selbst alleine sein?

So ganz allein. Ohne andere Menschen, ohne künstliche Geräusche, ohne Ablenkung? So ganz in der Stille?

Kannst Du das noch? Oder hast Du dann das Gefühl gleich zu platzen?

Ich bin Qigong-Trainerin. Genau diese Aussage höre ich oft von Leuten, die im Alltag recht hektisch sind, wenn sie langsame Übungen ausführen sollen. „Ich brauch Power, Action … ich muss mich bewegen“ folgt dann oft noch. Gerade diesen Menschen würde es besonders gut tun, wenn sie ihr Leben etwas zurückfahren würden. Entschleunigen. Stiller werden.

Und wie ist es bei Dir? Kannst Du die Stille noch ertragen. Oder dröhnt sie dir in den Ohren? Wirst Du ganz unruhig, wenn Du „nichts“ hörst?

Mach mal den Test.

Zugegeben in der Stadt ist das nicht immer ganz einfach. Aber es gibt Museen, Kirchen, Bibliotheken – da ist es erfahrungsgemäß oft recht still. Vielleicht gibt es aber einen Park in Deiner Nähe? Auf dem Land ist es einfacher. Geh hinaus – in den Wald oder streife über die Felder. Lass die Musik zu Hause und stell das Handy auf lautlos, wenn du denkst Du brauchst es unbedingt, weil Du ja stürzen und Dir ein Bein brechen könntest. Such Dir also einen Platz und setze dich bequem hin (oder lehne dich an einen Baum) Wirf einen Blick auf deine Uhr und schließe wenn Du kannst die Augen. Höre einfach auf die Stille und tue nicht. Denk nicht mal, obwohl das recht schwer ist. Und wenn Du glaubst, dass Du es nicht mehr aushältst oder, dass 10 Minuten um sind, dann schau auf die Uhr.

Wenn Du mehr als 5 Minuten ausgehalten hast, dann bist Du schon richtig gut. Dafür darfst Du Dir als Steigerung für das nächste Mal eine viertel Stunde vornehmen.

Und wenn Du weniger als 5 Minuten ausgehalten hast? Dann besteht akuter Übungsbedarf.

Du brauchst das nicht?
Doch glaub mir. Du brauchst das.

In der Stille angekommen

In der Stille angekommen
gehe ich in mich,
stehe ich zu meinen
Stärken und Schwächen,
liegen mir mein Leben
und die Liebe
am Herzen.

In der Stille angekommen,
sehe ich mich, dich, euch
und die Welt
mit anderen Augen,
mit den Augen des Herzens.

In der Stille angekommen,
höre ich auf mein Inneres,
spüre ich Geborgenheit,
lerne ich Gelassenheit,
tanke ich Vertrauen.

 © Ernst Ferstl (*1955), österreichischer Lehrer, Dichter und Aphoristiker
Quelle: »Herznah«, 2003

nichts

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