junggenug

Das Leben ändern – auch wenn man keine 20 mehr ist


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Ergreife die Gelegenheit (wann wenn nicht jetzt)

In der letzten Woche hat mich dann auch noch Iris angerufen. Sie ist ebenfalls eine Freundin und arbeitet in einer Eventagentur. Dort ist sie Sekretärin und manchmal sogar Mädchen für alles. Bisher hatte ich eigentlich den Eindruck, dass sie ganz zufrieden mit ihrem Job ist. Und darum ging es zum Anfang unseres Gespräches auch gar nicht. Iris war total empört, weil ich ach so gemein zu Ramona gewesen bin. Schließlich hätte ich doch etwas Mitleid mit ihrer Situation zeigen können.

Mein Argument, dass Mitleid niemanden helfen würde, das ließ sie nicht gelten. Das war übrigens für eine ganze Zeit der letzte Satz, den ich während des Telefonats in ihren Redefluss einbringen konnte.

Überhaupt, könne ich so einen Situation nicht einschätzen. Ich hätte es ja einfach. Schließlich würde mir kein Chef im Nacken sitzen. Wer selbstständig ist, so wie ich, der könne gar nicht ermessen, wie anstrengend es sein kann, wenn man sich immer unterordnen und auf die Kollegen Rücksicht nehmen müsste. Ich könne da überhaupt nicht mitreden, weil ich es ja so gut habe.

Da musste ich dann doch etwas schlucken, denn die Selbstständigkeit als Ein-Frau-Unternehmen ist wahrlich kein Zuckerschlecken. Ich hab keine Ahnung mehr, wie oft ich mich in den letzten Jahren neu erfinden musste, um über die Runden zu kommen. Obwohl ich tief Luft holte um die Sache mal richtig zu stellen, kam ich einfach nicht dazu.

Ohne Punkt und Komma erklärt mir Iris, dass ich es ja so schön hätte. Schließlich könne ich mir meine Arbeit aussuchen. Und was mir keinen Spaß machen würde, das bräuchte ich auch nicht zu tun. Ich konnte mein Argument, dass ich wenn ich nichts arbeite, auch kein Geld verdiene, ebenfalls nicht loswerden.

Stattdessen erklärte mir Iris immer noch weiter, wie gut ich es hätte. Sie zum Beispiel, würde lieber malen, als sich hinter ihrem Schreibtisch den ganzen Tag mit irgendwelchen Leuten herumzuärgern. Sie liebt es, sich Geschichten in Bildern vorzustellen. Wann immer sie etwas liest, dann sieht sie vor ihrem inneren Auge, was für ein Bild sie dazu malen könne. Irgendwann möchte sie mal die Zeichnungen zu einem richtigen Buch entwerfen. Das wäre ihr Traum. Doch stattdessen geht sie jeden Tag ins Büro und verrichtet Dinge, die nichts, aber auch gar nichts, mit Kreativität zu tun haben. Das wäre alles so frustrierend.

Und während sie seufzend innehält ergreife ich die Gelegenheit, um auch mal wieder etwas zu sagen. „Das trifft sich gut. Ich habe nämlich die Idee eines meiner eBooks als Druckausgabe herauszubringen. Du könntest es ja illustrieren. Ohne Bilder ist so ein Märchenbuch doch irgendwie unvollständig.“

Iris stutzt und schweigt dann. „Was ist?“ bohre ich. Ihre Antwort kommt erst zögernd und dann immer schneller: „Weiß du … eigentlich habe ich ja gar keine Zeit. Auf Arbeit ist gerade so viel los. Ich bin am Abend immer total kaputt. Und dann habe ich mich noch zu diesem Sport-Kurs angemeldet. Ich muss unbedingt etwas für meine Fitness tun. Jetzt passt es mir gerade gar nicht. Und so kurz vor Weihnachten …“ Sie seufzt: „Später gern. Also wenn Du noch etwas warten würdest, dann könnte ich vielleicht im Frühjahr.“

„Ist schon o.k.“ brumme ich. Ihre Frage, ob ich nun vielleicht sauer bin, verneine ich. Tatsächlich bin ich nicht sauer, denn ich hatte mir schon so etwas gedacht. Im Frühjahr, so vermute ich in Gedanken, da wird sie dann in den Garten gehen wollen. Im Sommer fährt sie an den See und im Herbst in die Pilze. Damit hat sich das Thema für mich erledigt.

Was hat das aber mit Dir zu tun?

Überleg mal.

Was wünscht sich Iris? Sie will die Bilder in einem richtigen Buch gestalten.

Und was biete ich ihr an? Sie soll mein Märchenbuch illustrieren. (Hey, es steht hier nicht zur Debatte, ob das ein richtiges Buch werden könnte). Selbstredend bin ich nicht die Autorin von „Harry Potter“ oder habe auch kein Epos wie „Herr der Ringe“ geschrieben. Aber es wäre für Iris ein erster Schritt in die Richtung „Ich erfülle meinen Traum“.

Ich kann nicht, heißt immer auch ein bisschen, ich will nicht!

Wie oft hast Du eigentlich schon eine Gelegenheit verstreichen lassen?

Denke mal darüber nach.

  • Was ist Dein Ziel?
  • Welcher noch so kleine Schritt führt in diese Richtung?
  • Mit welchen Argumenten hast Du Dich davor gedrückt?
  • Wie fühlst Du Dich, wenn Du daran denkst, was daraus hätte entstehen können?

Falls mal wieder ein passendes Angebot kommt, dann kann Dir nur raten: Ergreife die Gelegenheit (wann wenn nicht jetzt)!

 

P.S. Keine Sorge ich habe einen Illustrator für mein Märchenbuch.

 

gehtnicht

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Was ist der Plan?

Meine Freundin Ramona ist sauer. Auf ihren Chef, das Leben und auf mich. Ich habe es nämlich gewagt, die Fragen aller Fragen zu stellen. Die lautet: Was ist dein Plan? Genaugenommen, was ist dein Ziel?

Aber fangen wir von vornan. Ramona arbeitet in einer angesehenen Galerie in einer großen deutschen Stadt. Da hat vor kurzem das Management gewechselt. Nun kennen wir alle das Sprichwort: Neue Besen kehren gut. Ramonas neuer Chefbesen wollte alles andres machen. Und so wurde sie von ihrem heißgeliebten Arbeitsplatz auf eine ungeliebte Stelle versetzt. Das war natürlich so geschickt eingefädelt, dass sie keine Chance hatte dieser „Beförderung aufs Abstellgleis“ zu entgehen. Darum also ist Ramona verständlicher Weise sauer auf ihren Chef.

Wie sein nun in ihrem neuen Hinterzimmer sitzt, da plagen sie die unterschiedlichsten Gedanken. Sie hatte sich alles so schön ausgedacht. Wie sie ihre (bisherige) Stelle bis zur Rente ausfüllt. Wie sie Anerkennung, Zustimmung und Wertschätzung für ihre Arbeit bekommt. Schließlich hatte sie sich neben ihrer anspruchsvollen Tätigkeit auf eigene Kosten weitergebildet. Hatte Zusatzaufgaben übernommen und sich in ein Spezialgebiet eingearbeitet. Das war jetzt in ihren Augen alles für die Katz. Sie ist über fünfzig, fühlt sich zu alt und vermisst die Anerkennung, die sie sich wünscht. Ihre Argumente reichen von „alles war umsonst“ bis hin zu „mein Leben ist sinnlos geworden.“ Sie hatte sich anfänglich auch gegen ihre Versetzung gewehrt, aber das hatte ja schlussendlich nichts genutzt. Nun stellt sie fest, dass sie keine Kraft mehr hat und alles zu Ende ist. Sie wird den Rest ihres Lebens in diesem kleinen Kabäuschen verbringen müssen. Darum ist meine Freundin sauer auf das Leben.

Und nun komm ich ins Spiel. Ich habe sie gefragt was ihr eigentlicher Plan war, als sie sich weitergebildet hat, sich in ein Spezialgebiet einarbeitete und zusätzliche Zeit und Energie für ihre Karriere aufgewendet hatte. So richtig habe ich keine Antwort darauf bekommen. Stattdessen fing sie wieder damit an, dass es zu spät für einen Neuanfang sei und wie schrecklich ihre ganze Situation ist. Ich bin aber hartnäckig geblieben und wollte es genau wissen. „Als was hast du dich gesehen?“ lautetet meine widerholte Frage in verschiedenen Varianten. Und weil ich so beharrlich und unbequem mit meiner Fragerei war, ist meine Freundin Ramona jetzt sauer auf mich.

Jetzt mal im Ernst: Wäre es hilfreich gewesen, wenn ich gemeinsam mit ihr über die Gemeinheit des Lebens im Allgemeinen und ihres neuen Chefs im Speziellen gejammert hätte? Na bestimmt nicht.

Und was habe ich stattdessen getan? Ich habe sie nach ihrem Lebensplan gefragt. Das ist wahrlich schon eine gemeine Frage, denn sie geht an die Substanz. Wer darauf antworten kann, der hat sozusagen den Sinn seines eigenen Lebens gefunden.

Zugegeben, ich habe meinen Plan (den ich als Kind schon mal ziemlich genau festgelegt hatte) mehr als einmal aus den Augen verloren. Mein Leben hat seltsame Umwege gemacht, manchmal (vor allem als die Kinder klein waren) ist es voll an mir vorbei gerauscht und immer wenn ich dachte ich könnte mich zurücklehnen und ein kleines Päuschen machen, dann kam es anders. Nun bin ich absolut kein Freund von Kurt Tepperweins Buch „Krise als Chance“. Ich habe es mit sehr gemischten Gefühlen gelesen. Aber das war auch in einer Zeit, als ich meine Weichen mal wieder neu stellen musste. Da war ich etwas angespannt und wollte meine eigene Misere längst nicht als Möglichkeit für eine Wende begreifen. Ich kann immer noch längst mit allen seine Ausführungen mitgehen (und habe mein Exemplar bei eBay verkauft). Aber Fakt ist: Wenn uns das Leben nicht ab und zu ein Bein stellt, dann wurschteln wir einfach so vor uns hin. Sicher – es gibt Ausnahmen. Manchmal treffen wir Zeitgenossen, die so sind, wie wir gerne wären. Zielstrebig, ehrgeizig und mit klaren Vorstellungen wie ihr Leben aussehen soll. Diese Menschen müssen aber nicht erst jahrzehntelang Irrwege gehen um sich dann erst die alles entscheidende Frage zu stellen:

Was ist der Plan?

Hinter dieser Frage verbergen sich unzählige weitere Problemstellungen.

  • Wer will ich sein?
  • Wie will ich sein?
  • Was will ich sein?
  • Wo ist mein Platz, den ich perfekt ausfüllen kann?
  • Was habe ich getan, um aus der Welt einen besseren Ort zu machen?
  • ….

Nun frage ich Dich: Was ist der Plan? Was ist Dein Ziel?

Erst wenn Du das formuliert hast, dann können wir weiter sehen.

Und bitte nicht rumeiern. Hier sind nicht solche Sachen gefragt wie: Ich will einen gute Mutter, Partnerin oder Mitarbeiterin sein.

Werde mal ganz konkret: Was willst Du (für Dich) sein?

Meinetwegen kannst Du nun auch sauer auf mich sein, weil ich solche Fragen stelle. Ich rufe jetzt Ramona an und werde sie noch etwas löchern. Vielleicht hat sie inzwischen rausgefunden, wer sie sein möchte. Und dann können wir folgendes festlegen:

  • Das ist der Plan.
  • Das ist der Weg.
  • Und das ist der erste Schritt.

umleitungBildquellenangabe:     Peter von Bechen / pixelio.de


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Ein Plädoyer dafür, warum Du doch nett sein solltest

In vielen Ratgebern wird man immer wieder darauf hingewiesen, dass gerade frau nicht immer nett sein sollte. Nette Menschen werden ausgenutzt, heiß es da. Sie werden als harmoniesüchtig bezeichnet. Wer zu nett ist, der macht am Ende immer den Max, muss kleinbeigeben oder ist angeschmiert. Bedeutet das also, dass wir die Ellenbogen ausfahren und rücksichtslos durch Leben marschieren sollen?

Ich denke nicht, dass das der richtige Weg ist. Der besteht wie immer aus dem gesunden Maß der Dinge. Als alte Kräuterhexe halte ich es natürlich ganz salopp mit Paracelsus „Es kommt immer auf die Dosis an.“ Daher habe ich so meine Bedenken, wenn es darum geht, dass man heutzutage nicht mehr nett sein sollte.

Bringen uns solche Tipps wie:

  • Ich vermeide keine Konflikte mehr.
  • Wer immer nett ist, hat zu wenig Selbstwertgefühl.
  • Ich spreche sofort aus, wenn mich etwas stört.
  • Ich behalte meine Meinung nicht für mich.

wirklich weiter?

Was bedeutet nett sein eigentlich? Als Synonyme werden bei einer Recherche solche Worte wie lieb, liebenswürdig, angenehm, freundlich, liebenswert und sympathisch angeboten. Das klingt doch alles ganz angenehm. Wann also hat das NETTSEIN seine positive Seite verloren? Immerhin hat dieser Ausdruck laut wiktionary folgende Wurzeln: „Herkunft:   Spätmittelalterlich über das Niederrheinische und Niederländische aus dem französischen net = makellos, klar, fein, …, das seinerseits vom lateinischen nitidus = glänzend, schillernd, stattlich, schmuck herstammt.“

Wieso findet man im Internet eigentlich ständig Artikel mit den Überschriften:

  • Schluss mit Nettsein
  • Nettsein schadet der Karriere
  • Sind Sie zu nett?

Laut „Die Welt“ scheitern sogar die Beziehungen der NETTEN eher, als die der „weniger Netten : „So investieren zu nette Menschen früh und viel in die Beziehung – Zeit, Geld und Aufmerksamkeit. Aus vielen Studien ist bekannt, dass Investieren psychologisch vor allem einen Effekt hat: Es führt dazu, den Wert der Sache oder des Menschen, in den investiert wird, höher einzustufen.“(Zitat)

Irgendwas läuft da falsch!

Vielleicht ist unsere Vorstellung von NETT im Laufe der Zeit irgendwie ins Negative gerutscht.

NETTSEIN heißt nämlich nicht schwach zu sein. Es bedeutet keineswegs:

  • Sich alles gefallen zu lassen
  • Sich niemals zur Wehr zu setzen
  • Sich immer zurückzunehmen
  • Keine eigene Meinung zu vertreten

Stattdessen versuchen wir einmal herauszufinden, was NETTSEIN bedeuten könnte:

  • Jemanden ein Lächeln zu schenken
  • Jemanden spontan zu umarmen
  • Jemanden einfach mal so ein Geschenk zu machen
  • Jemanden zuzuhören
  • Jemanden Worte der Anerkennung zu geben

Das alles kann NETTSEIN bedeuten.

Und das Schöne daran ist, dass man dieses Quentchen Aufmerksamkeit, das man einem anderen Menschen spendet, nicht nur jemanden anders als Geschenk macht, sondern sich selber damit belohnt. Rainer Maria Rilke beschreibt das so: „Alle Kraft, die wir fortgeben, kommt erfahren und verwandelt wieder zu uns zurück.“

„Ein Jegliches hat seine Zeit“ steht in der Bibel (und singen die Puhdys)

Daher will ich es mal so formulieren:

Es gibt eine Zeit zum Stark sein und eine Zeit zum Nettsein. Wir sollten uns Gedanken über den Unterschied machen. Es liegt an uns, wann wir „wie“ sind. Und es ist auch unsere Entscheidung, zu wem wir nett sind. Somit kommt ein weiterer Aspekt zum Nettsein dazu. Zu wem sind wir denn im Allgemeinen nett?

Zu unserer Familie, den Freunden, Kollegen, Nachbarn…

Und zu uns? Wie sind wir zu uns selbst? Sind wir da auch nett? Oder kritisieren wir ständig an uns herum, finden uns langweilig und meinen, dass wir nichts auf die Reihe bekommen?

Wie würde jemand reagieren, wenn wir ihn mit den Vorwürfen konfrontieren, die wir uns oft selber machen? Der wäre sicher sauer auf uns!

Bevor wir also zum Rest der Welt nett sind, sollten wir erst einmal nett zu uns sein. Das hat eine ganze Menge Vorteile:

  • Es fühlt sich echt gut an, sich selbst einmal wohlwollende Aufmerksamkeit zu schenken.
  • Wir steigern unser Selbstwertgefühl.
  • Wir machen uns selber Mut.
  • Wir gewinnen Kraft und Energie, die wir sonst für negative Reflexionen verwendet hätten.
  • Wir können zu anderen nett sein, weil wir wissen was wir Wert sind und keine Angst haben müssen, dass man das NETTSEIN als Schwäche auslegen könnte

So können wir getrost auch dem Rest der Welt zeigen, dass wir eigentlich ganz NETT sind. Denn „Es sind nicht die Erlebnisse die uns formen, sondern wie wir sie interpretieren.“ (Pico Iyer)

nett


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Fünf Gründe um Ballast abzuwerfen

Ein altes Indianersprichwort lautet angeblich: „Wenn Du merkst, dass Du ein totes Pferd reitest, dann steige ab.“

Ich habe keine Ahnung, ob das wirklich ein Indianersprichwort ist oder ob sich das nur ein schlauer Mensch ausgedacht hat um die ganze Sache noch wirkungsvoller zu unterstreichen. Egal wie es ist, der Typ (oder die TypIn – man weiß es ja nicht) hatte recht.

Sind wir doch mal ehrlich: Wie oft hängen wir an Dingen, Gewohnheiten oder Freundschaften, die schon längst keinen Sinn mehr machen? Wir schleppen Zeugs im materiellen und auch im emotionalen Sinne mit uns herum, dass schon längst „gestorben“ ist. Da kommt so einiges zusammen.

Reden wir zuerst einmal von Dingen.
Mir hat mal ein kluger Mensch gesagt: Setze dich vor Deinen geschlossenen Schrank und schreibe auf, was alles drin ist. Wenn die Liste fertig ist, dann öffne die Türen und werfe das raus, was nicht auf dem Zettel steht. Das brauchst Du nämlich nicht!

Zugegeben, diese Methode ist etwas radikal. Und ich habe sie auch nicht angewendet. Aber allein schon der Gedanke ist spannend.

Zumindest sollte man ein- bis zweimal im Jahr seine Schränke durchforsten und all die Sachen, die man im letzten Jahr nicht gebraucht hat aussortieren. Wenn Du Dich nicht gleich trennen kannst, dann packe sie in eine Kiste und schreib das Datum der Aufräumaktion darauf. Hast Du diese Kiste auch im nächsten Jahr nicht geöffnet, dann kannst Du sie wirklich entsorgen. (Auf das Thema komme ich sicher später irgendwann noch einmal genauer zurück.)

Jetzt sind die Gewohnheiten dran.
Damit meine ich diesmal nicht solche Vorhaben wie weniger Essen, mehr Sport und endlich mit dem Rauchen aufzuhören. Mir geht es heute um Handlungen, die man macht, „weil man sie schon immer so macht“. In welchen Vereinen und Organisationen bist Du „nur drin“ ohne Dich wirklich zu engagieren? Wo bist Du nur zahlendes Mitglied? Im Fitnessclub? In irgendeinem Online-Portal? Du machst da nur so mit, ohne es wirklich zu nutzen? Weg damit! Du fährst immer an dieselbe Stelle in den Urlaub. (Weil du dich da auskennst.) Wag mal was Neues und fahr wo anders hin! Selbst den altbekannten Weg zur Arbeit, zu Deiner Freundin oder ins Lieblings-Café kann man verlassen und einmal ganz woanders langgehen. Du kaufst immer in denselben Geschäften ein? Geh mal woanders hin. Schau dir andere Angebote an. Du wirst erstaunt sein, was es außerhalb Deiner üblichen Kreise alles so zu entdecken gibt. Auch eingefahrene Gewohnheiten sind nämlich eine Art Ballast. Sie hindern Dich daran neue Erfahrungen zu machen.

Nun kommen wir zu den Freundschaften.
Das ist ein Thema, das doch etwas schmerzlich werden könnte. Wenn Du im Kopf die Liste Deiner Freundinnen und Freunde durchgehst, dann fallen Dir vielleicht einige Menschen ein, mit denen Dich nichts weiter als die Gewohnheit verbindet. Man hat sich im Laufe der Jahre auseinandergelebt und sieht sich nur noch zu den Geburtstagen. Und selbst da geht man mit dem Gefühl der Pflichterfüllung hin. Sei mal ehrlich: Ist das Leben nicht zu kostbar, um seine Zeit so zu vergeuden? Da ist es doch wohl besser, man lässt so eine Beziehung langsam ausgleiten.

Ich kann allerdings nicht behaupten, dass das so ganz einfach und selbstverständlich für beide Seiten sein muss. Vor einem Jahr bin ich nämlich auch mal „entfreundet“ worden. Das war für mich eine doch recht schmerzhafte Erfahrung. Mit Abstand betrachtet, war es eigentlich mein Ego, welches in Wirklichkeit gekränkt war. Da wollte jemand nicht mehr meine Freundin sein und hat mich kalt abserviert. Das schmerzt doch irgendwie. Im Nachhinein habe ich natürlich gewonnen. Das schlechte Gewissen, sich nicht genug um diese Freundschaft zu kümmern, und die Pflichttermine sind weggefallen. Wahrscheinlich hätte ich früher oder später auch einen Cut gemacht. Nur war die Andere schneller. Es ist in diesem Falle ähnlich wie am Ende in einer erloschenen Liebesbeziehung. Man hängt sich an der Frage auf: Wer hat hier wen verlassen? Obwohl es beide wollten.

Warum erzähle ich das hier?

Weil ich nicht die Illusion erwecken will, dass Ballast abzuwerfen immer einfach ist.

  • Es kann schmerzhaft sein (egal für wen auch immer).
  • Es erfordert Mut (neue Wege zu gehen)
  • Es erfordert Kraft (sich aufzuraffen um etwas zu ändern)
  • Es erfordert Entscheidungen (was wichtig und unwichtig ist)
  • Es erfordert Entschlossenheit (die Dinge bis zum Ende durchzuziehen – beispielsweise nicht noch mal in die Kisten, mit den vor einem Jahr ausgesonderten Sachen zu schauen.)

Ballast abwerfen hat aber auch viele Vorteile:

  • Es schafft Platz (im Schrank, im Telefonbuch, im Herzen)
  • Es spart Geld (keine Beiträge oder Kosten für Sachen, die wir nicht nutzen)
  • Es spart Zeit (etliche Pflichttermine fallen weg)
  • Es bringt neue Erfahrungen (an anderen Orten, in anderen Situationen)
  • Man fühlt sich leichter und freier (weil es sich anfühlt, als hätte man sich wirklich eine Last von den Schultern gleiten lassen)

Probier es aus!

PferdBildquellenangabe: Rainer Sturm / pixelio.de


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Schreib mal wieder einen Brief

Sind wir doch mal ehrlich: Jedes Mal wenn wir den Briefkasten aufmachen und nach der Post sehen, dann sitzt ganz hinten in unserem Herzen so ein kleines bisschen Enttäuschung. Es sind wieder mal nur Rechnungen oder Werbepost was da in Briefform im Kasten liegt. Nachrichten von Freunden und der Familie kommen inzwischen meist mit den elektronischen Medien. Email, Facebook, WhatsApp, SMS … das geht schnell und unkompliziert. Aber im Grunde genommen fehlt diesen Nachrichten etwas. Auch wenn sie mit zig Smileys geschmückt sind. Irgendwie mangelt es ihnen doch an Wärme. So ein Brief, so ein richtiger Brief ist doch etwas anderes. Papier, was man in den Händen halten kann. Vielleicht mit schönem Muster oder von besonderer Qualität. Ich habe lange Zeit einen Block handgeschöpftes Briefpapier in einem Fach mit meinen Lieblingsräucherstäbchen aufbewahrt. Wenn ich es dann herausgenommen habe, dann roch es richtig intensiv danach. Zum Schreiben wurde ein Füller oder ein Kugelschreiber, der besonders schön war, benutzt. Und am Ende hab ich dann noch mit einem kleinen Stanzer Muster ins Papier gelocht. (Eigentlich gehörte der mal in ein Kinderset mit Weihnachtsmotiven. Weil ich aber Tannenbäume und Sterne das ganze Jahr über mag, hab ich sie immer verwendet, wenn mir danach war.)

Jetzt habe ich auch lange keinen Brief mehr geschrieben.

Obwohl, das stimmt nicht. Mein letztes Schreiben ging an eine mir unbekannte Frau, deren Mann verstorben war. Irgendwie war mir so eine vorgedruckte Kondolenzkarte für einen Sportkameraden, der mich oft zum Lachen gebracht hat, zu unpersönlich. Ich wollte etwas Trost spenden und wirklich aufrichtige Anteilnahme zeigen. Vorgefertigte Beileidsschreiben sind nüchtern und sachlich. Ihnen fehlt es an Wärme und Herzblut.

Das gilt auch für die schnell ausgefüllten Glückwunschkarten. Die sind auf Zweckmäßigkeit getrimmt und recht phantasielos. Sie sagen: „Ich habe an dich gedacht – und meine Pflicht getan.“ Meine Freundin Reni gibt sich oft ganz große Mühe und bastelt stundenlang an einer Karte für mich. Vielleicht sollte ich mich wirklich mal mit einem langen Brief bei ihr dafür bedanken.

Was hat das aber alles mit Dir zu tun?

Wenn Du auch gerne Briefe bekommst und Du niemanden hast, der Dir schreibt, dann schreib Dir doch selbst einmal.

Dafür wählst du einen Tag, an dem es Dir besonders gut ergangen ist. Schreib an Dich „Liebe …, heute war einer der schönsten Tage seit langem. Ich habe …“. Und dann erzählst Du Dir was passiert ist. Mach einen richtigen Brief draus und stecke ihn in einen Umschlag. Den klebst Du zu und legst ihn in ein Kästchen. Wenn du nun meinst, dass Du eine schöne Erinnerung nötig hast, dann kannst Du ihn herausnehmen und lesen. Du kannst ihn natürlich auch erst in Deinen Briefkasten werfen und ihn dann wie einen richtigen Brief zwischen der Post entdecken. Wenn Du es ganz authentisch willst, dann schick ihn dir einfach selber.

Richtig Spaß macht die Sache übrigens, wenn zwischen Schreiben und Lesen eine ganze Menge Zeit vergangen ist. Du wirst dann erstaunt sehen, dass Dir in der Hektik des Alltags einige schöne Erinnerungen glatt verloren gegangen wären.

Die Ganze funktioniert natürlich auch, wenn Du mal Kummer hast und Dir das alles von der Seele schreiben willst. Allerdings solltest Du dann mit dem Öffnen des Briefes schon eine ganze Zeit warten. Hier wirst Du dann oft den Spruch bestätigt finden: „Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird.“ Die Probleme von damals werden Dir nach geraumer Zeit vielleicht sogar klein und nichtig vorkommen. Es ist halt immer die Perspektive, die für die Größe verantwortlich ist. Mit etwas Abstand betrachtet, sieht manches ganz anders aus.

Und wenn Du beim Schreiben an Dich selbst wieder Spaß am Schreiben allgemein gefunden hast, dann überleg doch mal, wer sich vielleicht über einige Zeilen von Dir freuen würde. Eine Freundin aus Kindertagen? Jemand den Du lange nicht mehr gesehen hast? Meist sind es die älteren Verwandten, die sich eventuell sogar hinsetzen und antworten. Das gibt dann eine richtige Überraschung, wenn ein „wirklicher“ Brief im Kasten ist.

Und selbst wenn Du keine Antwort bekommst: Du kannst dir sicher sein, dass Du auf alle Fälle jemanden ein unerwartetes Geschenk gemacht hast. Und das ist doch auch schon was.

BriefBildquellenangabe:                Rainer Sturm / pixelio.de

Bildquellenangabe: Rainer Sturm  / pixelio.de