junggenug

Das Leben ändern – auch wenn man keine 20 mehr ist

Schreib mal wieder einen Brief

Ein Kommentar

Sind wir doch mal ehrlich: Jedes Mal wenn wir den Briefkasten aufmachen und nach der Post sehen, dann sitzt ganz hinten in unserem Herzen so ein kleines bisschen Enttäuschung. Es sind wieder mal nur Rechnungen oder Werbepost was da in Briefform im Kasten liegt. Nachrichten von Freunden und der Familie kommen inzwischen meist mit den elektronischen Medien. Email, Facebook, WhatsApp, SMS … das geht schnell und unkompliziert. Aber im Grunde genommen fehlt diesen Nachrichten etwas. Auch wenn sie mit zig Smileys geschmückt sind. Irgendwie mangelt es ihnen doch an Wärme. So ein Brief, so ein richtiger Brief ist doch etwas anderes. Papier, was man in den Händen halten kann. Vielleicht mit schönem Muster oder von besonderer Qualität. Ich habe lange Zeit einen Block handgeschöpftes Briefpapier in einem Fach mit meinen Lieblingsräucherstäbchen aufbewahrt. Wenn ich es dann herausgenommen habe, dann roch es richtig intensiv danach. Zum Schreiben wurde ein Füller oder ein Kugelschreiber, der besonders schön war, benutzt. Und am Ende hab ich dann noch mit einem kleinen Stanzer Muster ins Papier gelocht. (Eigentlich gehörte der mal in ein Kinderset mit Weihnachtsmotiven. Weil ich aber Tannenbäume und Sterne das ganze Jahr über mag, hab ich sie immer verwendet, wenn mir danach war.)

Jetzt habe ich auch lange keinen Brief mehr geschrieben.

Obwohl, das stimmt nicht. Mein letztes Schreiben ging an eine mir unbekannte Frau, deren Mann verstorben war. Irgendwie war mir so eine vorgedruckte Kondolenzkarte für einen Sportkameraden, der mich oft zum Lachen gebracht hat, zu unpersönlich. Ich wollte etwas Trost spenden und wirklich aufrichtige Anteilnahme zeigen. Vorgefertigte Beileidsschreiben sind nüchtern und sachlich. Ihnen fehlt es an Wärme und Herzblut.

Das gilt auch für die schnell ausgefüllten Glückwunschkarten. Die sind auf Zweckmäßigkeit getrimmt und recht phantasielos. Sie sagen: „Ich habe an dich gedacht – und meine Pflicht getan.“ Meine Freundin Reni gibt sich oft ganz große Mühe und bastelt stundenlang an einer Karte für mich. Vielleicht sollte ich mich wirklich mal mit einem langen Brief bei ihr dafür bedanken.

Was hat das aber alles mit Dir zu tun?

Wenn Du auch gerne Briefe bekommst und Du niemanden hast, der Dir schreibt, dann schreib Dir doch selbst einmal.

Dafür wählst du einen Tag, an dem es Dir besonders gut ergangen ist. Schreib an Dich „Liebe …, heute war einer der schönsten Tage seit langem. Ich habe …“. Und dann erzählst Du Dir was passiert ist. Mach einen richtigen Brief draus und stecke ihn in einen Umschlag. Den klebst Du zu und legst ihn in ein Kästchen. Wenn du nun meinst, dass Du eine schöne Erinnerung nötig hast, dann kannst Du ihn herausnehmen und lesen. Du kannst ihn natürlich auch erst in Deinen Briefkasten werfen und ihn dann wie einen richtigen Brief zwischen der Post entdecken. Wenn Du es ganz authentisch willst, dann schick ihn dir einfach selber.

Richtig Spaß macht die Sache übrigens, wenn zwischen Schreiben und Lesen eine ganze Menge Zeit vergangen ist. Du wirst dann erstaunt sehen, dass Dir in der Hektik des Alltags einige schöne Erinnerungen glatt verloren gegangen wären.

Die Ganze funktioniert natürlich auch, wenn Du mal Kummer hast und Dir das alles von der Seele schreiben willst. Allerdings solltest Du dann mit dem Öffnen des Briefes schon eine ganze Zeit warten. Hier wirst Du dann oft den Spruch bestätigt finden: „Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird.“ Die Probleme von damals werden Dir nach geraumer Zeit vielleicht sogar klein und nichtig vorkommen. Es ist halt immer die Perspektive, die für die Größe verantwortlich ist. Mit etwas Abstand betrachtet, sieht manches ganz anders aus.

Und wenn Du beim Schreiben an Dich selbst wieder Spaß am Schreiben allgemein gefunden hast, dann überleg doch mal, wer sich vielleicht über einige Zeilen von Dir freuen würde. Eine Freundin aus Kindertagen? Jemand den Du lange nicht mehr gesehen hast? Meist sind es die älteren Verwandten, die sich eventuell sogar hinsetzen und antworten. Das gibt dann eine richtige Überraschung, wenn ein „wirklicher“ Brief im Kasten ist.

Und selbst wenn Du keine Antwort bekommst: Du kannst dir sicher sein, dass Du auf alle Fälle jemanden ein unerwartetes Geschenk gemacht hast. Und das ist doch auch schon was.

BriefBildquellenangabe:                Rainer Sturm / pixelio.de

Bildquellenangabe: Rainer Sturm  / pixelio.de
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Ein Kommentar zu “Schreib mal wieder einen Brief

  1. Gute, wenn nicht sogar geniale Idee – beste Grüße Ilona

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