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Das Leben ändern – auch wenn man keine 20 mehr ist

Was ist der Plan?

Ein Kommentar

Meine Freundin Ramona ist sauer. Auf ihren Chef, das Leben und auf mich. Ich habe es nämlich gewagt, die Fragen aller Fragen zu stellen. Die lautet: Was ist dein Plan? Genaugenommen, was ist dein Ziel?

Aber fangen wir von vornan. Ramona arbeitet in einer angesehenen Galerie in einer großen deutschen Stadt. Da hat vor kurzem das Management gewechselt. Nun kennen wir alle das Sprichwort: Neue Besen kehren gut. Ramonas neuer Chefbesen wollte alles andres machen. Und so wurde sie von ihrem heißgeliebten Arbeitsplatz auf eine ungeliebte Stelle versetzt. Das war natürlich so geschickt eingefädelt, dass sie keine Chance hatte dieser „Beförderung aufs Abstellgleis“ zu entgehen. Darum also ist Ramona verständlicher Weise sauer auf ihren Chef.

Wie sein nun in ihrem neuen Hinterzimmer sitzt, da plagen sie die unterschiedlichsten Gedanken. Sie hatte sich alles so schön ausgedacht. Wie sie ihre (bisherige) Stelle bis zur Rente ausfüllt. Wie sie Anerkennung, Zustimmung und Wertschätzung für ihre Arbeit bekommt. Schließlich hatte sie sich neben ihrer anspruchsvollen Tätigkeit auf eigene Kosten weitergebildet. Hatte Zusatzaufgaben übernommen und sich in ein Spezialgebiet eingearbeitet. Das war jetzt in ihren Augen alles für die Katz. Sie ist über fünfzig, fühlt sich zu alt und vermisst die Anerkennung, die sie sich wünscht. Ihre Argumente reichen von „alles war umsonst“ bis hin zu „mein Leben ist sinnlos geworden.“ Sie hatte sich anfänglich auch gegen ihre Versetzung gewehrt, aber das hatte ja schlussendlich nichts genutzt. Nun stellt sie fest, dass sie keine Kraft mehr hat und alles zu Ende ist. Sie wird den Rest ihres Lebens in diesem kleinen Kabäuschen verbringen müssen. Darum ist meine Freundin sauer auf das Leben.

Und nun komm ich ins Spiel. Ich habe sie gefragt was ihr eigentlicher Plan war, als sie sich weitergebildet hat, sich in ein Spezialgebiet einarbeitete und zusätzliche Zeit und Energie für ihre Karriere aufgewendet hatte. So richtig habe ich keine Antwort darauf bekommen. Stattdessen fing sie wieder damit an, dass es zu spät für einen Neuanfang sei und wie schrecklich ihre ganze Situation ist. Ich bin aber hartnäckig geblieben und wollte es genau wissen. „Als was hast du dich gesehen?“ lautetet meine widerholte Frage in verschiedenen Varianten. Und weil ich so beharrlich und unbequem mit meiner Fragerei war, ist meine Freundin Ramona jetzt sauer auf mich.

Jetzt mal im Ernst: Wäre es hilfreich gewesen, wenn ich gemeinsam mit ihr über die Gemeinheit des Lebens im Allgemeinen und ihres neuen Chefs im Speziellen gejammert hätte? Na bestimmt nicht.

Und was habe ich stattdessen getan? Ich habe sie nach ihrem Lebensplan gefragt. Das ist wahrlich schon eine gemeine Frage, denn sie geht an die Substanz. Wer darauf antworten kann, der hat sozusagen den Sinn seines eigenen Lebens gefunden.

Zugegeben, ich habe meinen Plan (den ich als Kind schon mal ziemlich genau festgelegt hatte) mehr als einmal aus den Augen verloren. Mein Leben hat seltsame Umwege gemacht, manchmal (vor allem als die Kinder klein waren) ist es voll an mir vorbei gerauscht und immer wenn ich dachte ich könnte mich zurücklehnen und ein kleines Päuschen machen, dann kam es anders. Nun bin ich absolut kein Freund von Kurt Tepperweins Buch „Krise als Chance“. Ich habe es mit sehr gemischten Gefühlen gelesen. Aber das war auch in einer Zeit, als ich meine Weichen mal wieder neu stellen musste. Da war ich etwas angespannt und wollte meine eigene Misere längst nicht als Möglichkeit für eine Wende begreifen. Ich kann immer noch längst mit allen seine Ausführungen mitgehen (und habe mein Exemplar bei eBay verkauft). Aber Fakt ist: Wenn uns das Leben nicht ab und zu ein Bein stellt, dann wurschteln wir einfach so vor uns hin. Sicher – es gibt Ausnahmen. Manchmal treffen wir Zeitgenossen, die so sind, wie wir gerne wären. Zielstrebig, ehrgeizig und mit klaren Vorstellungen wie ihr Leben aussehen soll. Diese Menschen müssen aber nicht erst jahrzehntelang Irrwege gehen um sich dann erst die alles entscheidende Frage zu stellen:

Was ist der Plan?

Hinter dieser Frage verbergen sich unzählige weitere Problemstellungen.

  • Wer will ich sein?
  • Wie will ich sein?
  • Was will ich sein?
  • Wo ist mein Platz, den ich perfekt ausfüllen kann?
  • Was habe ich getan, um aus der Welt einen besseren Ort zu machen?
  • ….

Nun frage ich Dich: Was ist der Plan? Was ist Dein Ziel?

Erst wenn Du das formuliert hast, dann können wir weiter sehen.

Und bitte nicht rumeiern. Hier sind nicht solche Sachen gefragt wie: Ich will einen gute Mutter, Partnerin oder Mitarbeiterin sein.

Werde mal ganz konkret: Was willst Du (für Dich) sein?

Meinetwegen kannst Du nun auch sauer auf mich sein, weil ich solche Fragen stelle. Ich rufe jetzt Ramona an und werde sie noch etwas löchern. Vielleicht hat sie inzwischen rausgefunden, wer sie sein möchte. Und dann können wir folgendes festlegen:

  • Das ist der Plan.
  • Das ist der Weg.
  • Und das ist der erste Schritt.

umleitungBildquellenangabe:     Peter von Bechen / pixelio.de

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