junggenug

Das Leben ändern – auch wenn man keine 20 mehr ist

Ergreife die Gelegenheit (wann wenn nicht jetzt)

Ein Kommentar

In der letzten Woche hat mich dann auch noch Iris angerufen. Sie ist ebenfalls eine Freundin und arbeitet in einer Eventagentur. Dort ist sie Sekretärin und manchmal sogar Mädchen für alles. Bisher hatte ich eigentlich den Eindruck, dass sie ganz zufrieden mit ihrem Job ist. Und darum ging es zum Anfang unseres Gespräches auch gar nicht. Iris war total empört, weil ich ach so gemein zu Ramona gewesen bin. Schließlich hätte ich doch etwas Mitleid mit ihrer Situation zeigen können.

Mein Argument, dass Mitleid niemanden helfen würde, das ließ sie nicht gelten. Das war übrigens für eine ganze Zeit der letzte Satz, den ich während des Telefonats in ihren Redefluss einbringen konnte.

Überhaupt, könne ich so einen Situation nicht einschätzen. Ich hätte es ja einfach. Schließlich würde mir kein Chef im Nacken sitzen. Wer selbstständig ist, so wie ich, der könne gar nicht ermessen, wie anstrengend es sein kann, wenn man sich immer unterordnen und auf die Kollegen Rücksicht nehmen müsste. Ich könne da überhaupt nicht mitreden, weil ich es ja so gut habe.

Da musste ich dann doch etwas schlucken, denn die Selbstständigkeit als Ein-Frau-Unternehmen ist wahrlich kein Zuckerschlecken. Ich hab keine Ahnung mehr, wie oft ich mich in den letzten Jahren neu erfinden musste, um über die Runden zu kommen. Obwohl ich tief Luft holte um die Sache mal richtig zu stellen, kam ich einfach nicht dazu.

Ohne Punkt und Komma erklärt mir Iris, dass ich es ja so schön hätte. Schließlich könne ich mir meine Arbeit aussuchen. Und was mir keinen Spaß machen würde, das bräuchte ich auch nicht zu tun. Ich konnte mein Argument, dass ich wenn ich nichts arbeite, auch kein Geld verdiene, ebenfalls nicht loswerden.

Stattdessen erklärte mir Iris immer noch weiter, wie gut ich es hätte. Sie zum Beispiel, würde lieber malen, als sich hinter ihrem Schreibtisch den ganzen Tag mit irgendwelchen Leuten herumzuärgern. Sie liebt es, sich Geschichten in Bildern vorzustellen. Wann immer sie etwas liest, dann sieht sie vor ihrem inneren Auge, was für ein Bild sie dazu malen könne. Irgendwann möchte sie mal die Zeichnungen zu einem richtigen Buch entwerfen. Das wäre ihr Traum. Doch stattdessen geht sie jeden Tag ins Büro und verrichtet Dinge, die nichts, aber auch gar nichts, mit Kreativität zu tun haben. Das wäre alles so frustrierend.

Und während sie seufzend innehält ergreife ich die Gelegenheit, um auch mal wieder etwas zu sagen. „Das trifft sich gut. Ich habe nämlich die Idee eines meiner eBooks als Druckausgabe herauszubringen. Du könntest es ja illustrieren. Ohne Bilder ist so ein Märchenbuch doch irgendwie unvollständig.“

Iris stutzt und schweigt dann. „Was ist?“ bohre ich. Ihre Antwort kommt erst zögernd und dann immer schneller: „Weiß du … eigentlich habe ich ja gar keine Zeit. Auf Arbeit ist gerade so viel los. Ich bin am Abend immer total kaputt. Und dann habe ich mich noch zu diesem Sport-Kurs angemeldet. Ich muss unbedingt etwas für meine Fitness tun. Jetzt passt es mir gerade gar nicht. Und so kurz vor Weihnachten …“ Sie seufzt: „Später gern. Also wenn Du noch etwas warten würdest, dann könnte ich vielleicht im Frühjahr.“

„Ist schon o.k.“ brumme ich. Ihre Frage, ob ich nun vielleicht sauer bin, verneine ich. Tatsächlich bin ich nicht sauer, denn ich hatte mir schon so etwas gedacht. Im Frühjahr, so vermute ich in Gedanken, da wird sie dann in den Garten gehen wollen. Im Sommer fährt sie an den See und im Herbst in die Pilze. Damit hat sich das Thema für mich erledigt.

Was hat das aber mit Dir zu tun?

Überleg mal.

Was wünscht sich Iris? Sie will die Bilder in einem richtigen Buch gestalten.

Und was biete ich ihr an? Sie soll mein Märchenbuch illustrieren. (Hey, es steht hier nicht zur Debatte, ob das ein richtiges Buch werden könnte). Selbstredend bin ich nicht die Autorin von „Harry Potter“ oder habe auch kein Epos wie „Herr der Ringe“ geschrieben. Aber es wäre für Iris ein erster Schritt in die Richtung „Ich erfülle meinen Traum“.

Ich kann nicht, heißt immer auch ein bisschen, ich will nicht!

Wie oft hast Du eigentlich schon eine Gelegenheit verstreichen lassen?

Denke mal darüber nach.

  • Was ist Dein Ziel?
  • Welcher noch so kleine Schritt führt in diese Richtung?
  • Mit welchen Argumenten hast Du Dich davor gedrückt?
  • Wie fühlst Du Dich, wenn Du daran denkst, was daraus hätte entstehen können?

Falls mal wieder ein passendes Angebot kommt, dann kann Dir nur raten: Ergreife die Gelegenheit (wann wenn nicht jetzt)!

 

P.S. Keine Sorge ich habe einen Illustrator für mein Märchenbuch.

 

gehtnicht

Advertisements

Ein Kommentar zu “Ergreife die Gelegenheit (wann wenn nicht jetzt)

  1. Oh ja, wer das Angestelltenverhältnis nicht schätzen kann sollte es einmal mit der Ein-Frau-Selbstständigkeit probieren.
    Bis zu dem Zeitpunkt, dass sich die Selbstständige ihre Arbeit -bzw. Aufträge aussuchen kann ist es ein jahrelanger Weg
    oder der Aufgabenbereich ist gleich so angelegt, dass Frau auch Geld verdient ohne selbst tätig zu sein.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s