junggenug

Das Leben ändern – auch wenn man keine 20 mehr ist

Loslassen oder wem Du die Schuld gibst, dem gibst Du die Macht

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Ich liebe Lagerfeuer im Freien und die Stimmung, die entsteht, wenn man an ihnen sitzt. Da kann es draußen auch schon mal etwas kälter sein, die Flammen wärmen und lassen uns enger zusammen rücken. Unweigerlich beginnen wir dann, ganz wie unsere Vorfahren, Geschichten zu erzählen. Manchmal sind sie lustig, manchmal traurig. Oft handeln sie von eigenen Erlebnissen oder Erfahrungen.

Dabei ist mir eines aufgefallen. Diejenigen Menschen, die recht ausgeglichen und zufrieden durch die Welt gehen, die können selbst aus rauen Denkzetteln, die ihnen das Leben verpasst hat, noch eine lustige oder wenigstens lehrreiche Story machen. Andere dagegen, klagen über Verletzungen und Missgeschicke, die schon Jahre vorbei sind. Sie sind noch immer gekränkt und beleidigt, obwohl sich die damals Beteiligten sicher nicht mehr erinnern können. Dieses Gefühl scheint so stark zu sein, dass es ihnen das hier und jetzt vergällt.

Vielleicht ist Dir auch so ein einschneidendes Erlebnis passiert. Möglicherweise sogar etwas derart unangenehmes, dass es Einfluss auf Deine Seele und Dein Vertrauen genommen hat. Ich kann das natürlich nicht einschätzen. Und es steht mir auch nicht zu, Dir vorzuschreiben, dass Du es vergessen oder verzeihen sollst. Ich möchte Dir nur eines ans Herz legen: Prüfe ob Du diese Verletzungen tagtäglich hervorholst und beachtest. Kann es sein, dass Du Argumente verwendest, die klingen wie: Ich will das nicht, weil damals …?

Wenn Du das tust, dann nimmst Du Dir ganz allein ein Stück Deiner persönlichen Freiheit. Diejenigen, die Dich damals gekränkt haben, die tun das also in Deiner Vorstellung noch immer. (Vielleicht haben diese das sogar inzwischen total vergessen oder es war eventuell nicht einmal ihre Absicht, Dir weh zu tun. Im Falle eines Falles, sind sie sich nicht einmal ihrer Schuld bewusst.) Du aber trägst diese Last, ganz gleich ob sie real oder eingebildet ist, immer noch mit dir herum.

Am „Schlimmsten“ ist es, wenn es sich dabei um Leute handelt, die Du nicht magst. Denen gegenüber bist Du (gib es zu – mir geht es nicht anders) am Kritischsten. Und natürlich auch am Nachtragendsten. Nachtragen heißt ja nichts anderes als, dass Du jemanden etwas was er abgelegt hat, hinter her trägst. (Unsere Sprache ist toll, sie erklärt vieles von allein. Man muss sich die Wörter nur auf der Zunge zergehen lassen.)

Du belastest Dich also (wissentlich) mit einer Sache, deren andere sich entledigt haben. Lass es los, mach dich frei davon, wirf es weg! Meinetwegen begrabe es. Es ist ja so, dass Du, wenn Du jemanden die Schuld für etwas gibst, was Dich hindert im Leben weiter zu kommen, ihm Einfluss erlaubst. Wem Du die Schuld gibst, dem gibst Du die Macht.

Du kannst nicht froh sein, weil damals … irgendwer irgendwas, gesagt, getan oder was auch immer hat. Ist das nicht absurd? Diese Situation greift heute noch in dein Leben ein. Der oder die haben so einen langen Arm, dass sie Dich heute noch beeinflussen. Lass das nicht zu, lass los.

Und weil ich eine Freundin asiatischer Weisheiten bin, gibt es heute noch eine kleine Geschichte zum Thema:

Zwei Mönche, ein alter und ein junger, wandern durch die chinesische Tiefebene. Da kommen sie an einen Fluss. Dort steht eine junge Frau, die sich nicht allein durch die Furt traut. Kurzentschlossen nimmt der ältere Mönch sie auf den Rücken und trägt sie durchs Wasser. Am Ufer setzt er sie ab, alle verabschieden sich und gehen ihrer Wege. Kurz bevor es Abend wird, erreichen die Mönche ihr Ziel. Bevor sie ins Kloster eintreten hält der Jüngere den Älteren zurück um ihn zu fragen. „Mich beschäftigt schon den ganzen Tag eine Sache. Warum hast Du die Frau über den Fluss getragen. Wir haben doch vor kurzem ein Gelübde abgelegt, keine Frau anzuschauen. Und Du hast sie sogar berührt.“ Der Alte grinst in sich hinein und antwortet: „Ich habe sie am andern Ufer angesetzt. Du trägst sie immer noch mit dir herum.“

Denn “Es sind nicht die Erlebnisse die uns formen, sondern wie wir sie interpretieren.” (Pico Iyer)

Fluss

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