junggenug

Das Leben ändern – auch wenn man keine 20 mehr ist

Sei kein Jammerlappen

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Deutschland wird gern als das Land der Meckerer und Jammerer abgestempelt. Das kränkt uns zwar, aber so ganz Unrecht haben die fröhlicheren Nachbarländer wohl doch nicht. Wir lamentieren eigentlich über alles, beispielsweise über das Wetter. Mal ist es zu kalt, dann zu heiß, es regnet zu viel oder zu wenig – und überhaupt könnte der Himmel sein Wasser ja in der Nacht ausschütten. Die Zeiten sind schlecht, die Leute unfreundlich und alles wird immer teurer. Ganz ohne Mühe würde ich mit meiner Aufzählung sicher eine ganze Seite füllen.

Warum jammert man denn im Grunde genommen? Bringt das was?

Irgendwie entlastet es und baut sogar den Stress, den wir mit der unangenehmen Situation haben, kurzzeitig ab.

Wenn wir mit jemand gemeinsam jammern, dann fühlen wir uns verstanden. Zusammen über unverschämte Benzinpreise und korrupte Politiker zu stöhnen lässt ganz schnell ein Gemeinschaftsgefühl entstehen.

Wenn ich jammere, dann schiebe ich die Verantwortung von mir. Ich kann ja nichts tun – ergo brauche ich nichts tun. Die Anderen haben Schuld und ich bin machtlos. Das gilt als eine Art Entschuldigung, um nichts an der Situation zu ändern.

Wer jammert, dem hört man (zumindest eine Weile) zu. Viele Menschen glauben, dass das die einzige Art ist, wie sie Beachtung finden.

Jammern hat aber mehr als einen Nachteil.

Wenn ich ständig am Jammern bin, dann gehe ich den anderen Leuten auf die Nerven. Niemand will auf die Dauer etwas mit mir zu tun haben. (Mir fällt bei diesem Thema sofort eine ältere Dame ein, die sich ständig beklagt. Als ich sie einmal gefragt habe, warum sie das machen würde, bekam ich zur Antwort, dass es ihr gut täte. Ein Blick auf die anwesenden Frauen zeigte mir, dass diese prompt die Augen verdrehten.)

Wer jammert tut nichts gegen die Situation, die ihn stört. Er fühlt sich als Opfer und hat keinen Antrieb etwas zu verändern. Der Satz „man kann ja eh nichts machen“ ist nichts weiter als eine Kapitulationserklärung. Es gibt Umstände, die kann man sehr wohl ändern, aber dazu muss man etwas unternehmen. Dazu braucht man Kraft und Energie. Die wird aber beim Jammern sinnlos vergeudet.

Es gibt andere Umstände, die kann man nicht ändern. Das brauchen wir uns jetzt nicht schön zu reden. Durch das Jammern verschlimmert sich die Situation aber immer noch. Die Engländer (oder sind es die Amerikaner?) haben einen schönen Spruch für solche Verhältnisse: Leave it, love it or change it. Das kann man salopp so übersetzen: Wenn dir etwas im Leben nicht gefällt, dann verlasse es (geh woanders hin), liebe es (arrangiere dich damit) oder ändere es. Jammern kommt dabei nicht vor. Damit bleibst du genau bei diesen Gegebenheiten und versinkst immer tiefer im Selbstmitleid.

Außerdem ist es eine alte philosophische Weisheit, dass die Dinge, auf die man sich konzentriert auch noch wachsen. Stell dir vor, es ist Freitag der 13. und du bist der festen Überzeugung, dass heute alles schief geht. Also sammelt dein Unterbewusstsein den ganzen Tag „Unglücke“. Das geht von heruntergefallenen Stiften, über zerkrümelte Kekse, rote Ampelphasen bis hin zu irgendwelchen Sachen, die du nicht findest. An einem anderen Tag wären dir solche Sachen überhaupt nicht aufgefallen. Konzentrierst du dich aber darauf, bekommen sie eine echte Bedeutung.

Am Ende bleibt als Fazit bestehen: Ständiges Jammern macht einsam, kostet Kraft und lässt die gegebenen Probleme ins Unermessliche wachsen. Damit gibst du die Hauptrolle in deinem Leben auf und machst dich zum Statisten der Umstände.

Mach doch mal die Probe aufs Exempel und führe eine Strichliste, wie oft du dich beim Jammern erwischst. Und dann versuch es mal eine Woche komplett ohne die Mitleidstour.

Vielleicht hilft dir das hier: (Frei nach einem Gebet des US-amerikanischen Theologen Reinhold Niebuhr)

Gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Und weil wir das schon lange nicht mehr hatten kommt jetzt der bekannte Nachsatz von Pico Yver: “Es sind nicht die Erlebnisse die uns formen, sondern wie wir sie interpretieren.”

cornus5

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