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Das Leben ändern – auch wenn man keine 20 mehr ist

Warum immer alles zwei Seiten hat

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Meine Großmutter hatte ein ganzes Arsenal an Lebensweisheiten. Eine davon war: Auf zwei Hochzeiten kannst du nicht tanzen. Natürlich versucht man sich als junger Mensch immer irgendwie gegen die Erfahrungen, die von man den Älteren quasi aufs Butterbrot geschmiert bekommt, anzugehen. Schließlich könnte man ja immerhin beide Feste nacheinander besuchen oder irgendeinen anderen seltsamen Kompromiss finden. Dass das im Leben eben nicht geht, das merken wir dann doch meist recht schmerzvoll. Entweder verletzen wir mit unseren Entscheidungen jemanden unbewusst oder wir zahlen mit dem Verlust unseres inneren Gleichgewichts.

Wer versucht immer und jederzeit alles unter einen Hut zu bringen, der scheitert über kurz oder lang daran. Manchmal erhalten wir für unsere Bemühungen Vorwürfe und ernten Unverständnis. Das ist genaugenommen noch das angenehmere Ergebnis. Oft bezahlt man seinen Übereifer sogar mit gesundheitlichen Problemen, die aus dem vorangegangenen Stress resultieren. Natürlich gab es auch für diese Situation einen passenden Spruch: „Allen Menschen recht getan, ist eine Kunst die niemand kann.“

Aber selbst wenn wir uns für etwas entscheiden, dann sollten wir uns darüber klar werden, dass wir damit nicht nur einer Sache zustimmen, sondern auch eine andere Möglichkeit ablehnen.

Das lässt sich ganz leicht untermauern, wenn man sich mit asiatischen Lebensweisheiten beschäftigt. Die sind meist etwas subtiler als unsere Großmutter-Sprüche, beinhalten aber eben solche Wahrheiten.

„Alles was ist, birgt auch gleichzeitig einen Gegensatz in sich“ ist so eine Aussage, die man vielleicht erst einmal einer näheren Betrachtung unterziehen muss, um sie zu akzeptieren. Etwas was uns traurig macht, kann uns auch glücklich machen? Wie soll denn das gehen?

Um das zu erfassen, sollte man das Leben im Zusammenhang betrachten. Wenn uns eine Situation nicht behagt und wir uns darin ein Unwohlseinl verspüren, haben wir die Möglichkeit das hinzunehmen und unser „Seelenheil“ in der Resignation zu suchen. Oder wir raffen uns auf, ändern die Umstände und fühlen uns besser. Es ist alles drin, wir müssen es nur erkennen. Wann immer wir zu etwas JA sagen, dann bedeutet es auch gleichzeitig ein NEIN zu einer anderen Konstellation.

Ein weiterer Aspekt der Zwei-Seiten-Betrachtungen ist, dass alles was im Moment schön und gut ist, auch den Kern des Gegenteils in sich trägt. Wir freuen uns über die Geburt unseres Kindes und richten unser ganzes Sein darauf, ihm eine glückliche Zukunft zu ermöglichen. Aber in diesem Augenblick steht schon fest, dass es uns eines Tages verlassen wird, um sein eigenes Leben zu leben. Das Glück der Geburt birgt schon den Keim des traurigen Abschieds in sich.
Der Tod eines lieben Menschen scheint nicht ein Stückchen Trost an sich zu enthalten. Und doch trifft man immer wieder auf Hinterbliebene, die nach einer Zeit des Trauerns einen neuen Anfang wagen. Sie legen sich ein Hobby zu, gehen auf Reisen oder tun etwas, woran sie vorher nicht gedacht hätte. Hier versteckt sich im Verlust eine Chance. Zugegeben, das ist ein recht krasses Beispiel. Und wer gerade in einer solchen Situation steckt, der will dergleichen Worte garantiert nicht hören.

Betrachtet man das Leben jedoch mit einem gewissen Abstand, dann kann man sich dieser Erkenntnis nicht verschließen. Wir alle mussten schon irgendwann die Erfahrung machen, dass wir uns über etwas, das nicht geklappt hat, geärgert haben. Einige Zeit später stellt sich dann aber heraus, dass es genau richtig war, weil wir sonst mächtig auf die Nase gefallen wären. Dummerweise geht es auch andersherum. Was sich zuerst als ein Glücksfall präsentiert, erweist sich im Nachhinein als ein echter Fehlgriff.

Der nächste schlaue Spruch stammt leider nicht von Oma, sondern hing an der Wand einer Organisation, für die ich einmal gearbeitet habe: „Jedes Ding hat zwei Seiten. Eine helle und eine dunkle. Und wenn du keine helle Seite findest, dann nimm eine dunkle und putze sie solange, bis sie glänzt.“ Mein Zusatz dazu lautet: Manchmal reicht auch nur abwarten.

Also bleib schön gelassen, was immer dir auch passieren sollte. Meist ist es nicht so, wie es auf den ersten Blick scheint. Und denke auch ab und zu an meinen Lieblingsspruch von Pico Yver: “Es sind nicht die Erlebnisse die uns formen, sondern wie wir sie interpretieren.

Kloster2

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