junggenug

Das Leben ändern – auch wenn man keine 20 mehr ist


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Plan B – Komfortzone und Glaubenssätze

Ja, also die Komfortzone, denke ich.

Das ist so eine Sache. Da will man nicht raus. Man hat Angst sie zu verlassen, denke ich weiter.

Von der kleinen weißen Eule, die neben meinem Monitor sitzt, kommt immer noch keine Reaktion. Vielleicht habe ich mir nur eingebildet, dass sie sprechen kann?

„Du hast gesagt, dass ich nichts in deinem Kopf verloren habe!“, tönt es nun doch endlich aus ihrer Richtung.

„Hast du aber jetzt doch!“, werfe ich ihr eingeschnappt vor.

„Naja, wenn du mit solchen Allgemeinplätzen kommst! Wie willst du denn deine Teilnehmer überzeugen, wenn du solches Zeug laberst“, wirft sie mir vor.

„Ich labere nicht, ich stimme mich aufs Thema ein“, verteidige ich mich.

„Verrate lieber, wie man es schafft, die Grenzen der Komfortzone zu überwinden. Schließlich gibt es immer einen Plan B.“

Habe ich das jetzt richtig gehört und sie kichert? Da sitzt diese Deko-Eule auf meinem Schreibtisch und macht mir Vorschriften, wie ich mein nächstes Seminar aufbauen soll. Und als wenn das noch nicht genug wäre, treibt sie auch noch Wortspielereien mit ihrem Namen. Wer hat schon einmal davon gehört, dass eine Eule Plan B heißt? Das ist doch bescheuert!

„Ist es nicht!“ Ihre Stimme klingt etwas beleidigt. „Ich bin Plan B, mit dessen Hilfe du endlich aus dem Mustopf kommst. Alleine schaffst du es ja nicht!“

Bevor ich antworten kann, fährt sie fort. „Du liest und lernst. Und lernst und liest. Das reicht nicht! Du musst dein Wissen auch anwenden!“

„Willst du Wandel, dann handel!“, deklamiert der weiße Wichtigtuer weiter.

Und das Schlimme ist, die kleine Figur hat auch noch Recht. Ich werfe ihr ziemlich scheele Blicke zu. Handeln, machen, tun, realisieren, durchführen – alles so Worte, die etwas mit Veränderung zu tun haben. Weiß ich ja!

„Genau, das ist dein Problem“, hakt sie hier wieder ein. Wahrscheinlich hat sie total vergessen, dass sie sich aus meinen Gedanken heraushalten soll.

„Sobald du denkst, dass du es ja eh schon weißt, suggeriert dir dein Unterbewusstsein, dass dieses Wissen dich nicht weiterbringt und es also auch keinen wirklichen Nutzen hat.“ Die Eule macht eine rhetorische Pause, bevor sie mit eindringlicher Stimme weiter spricht: „Das Wissen allein nützt nichts. Du musst es auch Anwenden. Sonst hast du all diese Bücher umsonst gelesen, die Seminare umsonst besucht und du wirst am Ende nichts an deinem Leben ändern. Ohne Handlung ist das Gelernte nichts wert. Du musst es umsetzen. Das bedeutet, dass du etwas anders machen musst, als bisher. Damit musst du deine Komfortzone verlassen.“

Ich denke gerade, dass sie wirklich Recht hat, da wird sie wieder witzig. „Um deine derzeitige Situation in eine bessere zu verwandeln, brauchst du einen Plan B. Du brauchst mich.“

Warum brauche ich sie? Eigentlich bin ich doch dabei ein Script für ein Seminar zu entwicken. Niemand hat geagt, dass ich mit meinem momentanen Leben nicht zu frieden bin. Vielleicht etwas mehr Freizeit. Und das finanzielle Polster könnte auch etwas dicker sein. Und dann wären da noch … Als ich merke, wohin meine Gedanken driften, rufe ichmich schnell zur Ordnung. Schließlich kann die Eule Genaken lesen und ich will nicht, dass wir hier konkret über mich reden. Sie soll auf keinen Fall den Eindruck bekommen, dass ich einen Plan B brauche. Ihr »du brauchst mich« kann sie für sich behalten.

Ich will mich aber jetzt nicht streiten, sondern übergehe diese Bemerkung einfach. Stattdessen frage ich sie, ob sie mir einen Rat geben kann, was ich jetzt als nächstes in mein Script aufnehmen sollte.

Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen. „Da gibt es zwei Dinge, die du deinen Teilnehmern erklären solltest. Einmal natürlich wie sie es schaffen, die Komfortzone zu verlassen. Zum anderen, warum sie denn eigentlich in dieser Sache stecken, in der sie stecken.“

Nun überlegt sie doch kurz: “Du solltest nicht noch unbedingt weiter erklären, was diese Komfortzone ist, sondern mit welchen Gedanken und Vorstellungen man es sich darin bequem gemacht hat.“

„Meinst du die Glaubenssätze?“, frage ich verunsichert.

„Genau!“

Bevor ich nachdenken kann, spricht sie schon weiter: „Was denkst du über dich? Bist du ein Pechvogel oder kannst du alles erreichen? Verdienst du ein tolles Leben oder glaubst du, dass dir das nicht zusteht? Was denkst du über Reichtum und Erfolg? Wie sind die Leute in deiner Umgebung drauf? Sind die alle so wie du? Und wollend die vielleicht, dass du so bleibst, wie du bist?“

Ich würde das jetzt wirklich gern überdenken, aber ich bekomme keine Pause dafür. „Du kennst doch sicher den Satz: »Das Leben eines Menschen ist das, was seine Gedanken ausmachen« von Marc Aurel? Und wie ich dich einschätze hast du auch bei Wikipedia nachgesehen, wann der alte Römer lebte und was er sonst noch so gemacht hat.“

„Stimmt“, brumme ich.

„Du kennst diesen Satz?“

„Ja.“

„Du weißt, was er bedeutet?“

„Na klar weiß ich es!“

„Dummkopf!“ kommt als Entgegnung.

„Warum beleidigst du mich?“, frage ich verstimmt.

„Ich beleidige dich nicht, ich provoziere“, lautet die Antwort. „Wir hatten ja schon festgestellt, dass der Satz »weiß ich doch schon« nicht gerade sehr hilfreich ist. Wenn du weißt, dass dein Denken dein Leben ausmacht, warum denkst du dann nicht etwas besseres?“

???

Die Eule seufzt: „Vielleicht sollten wir wirklich anders anfangen. Bevor wir die Komfortzone verlassen, müssen wir darüber reden, wie du über das Leben denkst. Was glaubst du, wie es ist? Wie es funktioniert? Welche Gesetzmäßigkeiten es gibt? Und warum du in dieser Situation bist, in der du jetzt bist?“

Wir schweigen beide, dann fährt sie fort: „Wir suchen zuerst einmal nach den Glaubenssätzen, die dein Leben bestimmen. Und dann schauen wir nach, woher die stammen. Vielleicht sind die gar nicht alle von dir? Vielleicht hast du sie einfach so übernommen? Von deinen Eltern, deinen Lehrern, aus missverstandenen Konstellationen? Vielleicht hat man dir manche Sachen eingeredet, um dich klein zu halten?“

Jetzt muss ich grinsen. Schließlich bin ich hier der erklärte Anhänger von Verschwörungstheorien. Ich habe so manchmal die Vorstellung, dass man uns ganz schön manipuliert. Bei diesem Gedanken werde ich wieder ernst. Was wenn die Eule Recht hat? Ich schüttele den Kopf. Wer hat denn was davon, wenn ich nicht der tollste Hecht im Karpfenteich werde? Die anderen Karpfen? Vielleicht? Norbert, mein innerer Schweinhund, der mich am liebsten in meiner Komfortzone einmauern würde? Na der auf alle Fälle.

Ich sollte also wirklich zuerst einmal herausfinden, was ich denke und warum.

Von dem kleinen weißen Quälgeist neben meinem Monitor kommt kein Ton. Ich bin also tatsächlich auf der richtigen Fährte.

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Bildquellenangabe: RainerSturm  / pixelio.de

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Plan B – raus aus der Komfortzone (Teil 1)

Meine heutige Überschrift sollte eigentlich heißen: »Warum in dem Wort Komfortzone die Aufforderung „Komm fort“ steckt(en sollte)«

Die Komfortzone an sich ist ja etwas Schönes. Da ist es warm, bequem und kuschlig. Schließlich kommt Komfort Wikipedia hat dafür natürlich wieder die passende Erklärung:

„Komfort (vom englischen comfort für „Bequemlichkeit“ oder „Behaglichkeit“) ist die Bequemlichkeit, die auf der Präsenz von bestimmten Maschinen, Gegenständen oder Anlagen beruht. Eine Einrichtung ist auf Grund ihrer Möglichkeiten und ihrer Ausstattung mit Gegenständen komfortabel, wenn sie dem Menschen Arbeit verringert und ihm Behaglichkeit bietet.“

Und die Komfortzone wird dann gleich noch besser von der Online-Enzyklopädie für Psychologie und Pädagogik erklärt: „Die Komfortzone ist ein populärwissenschaftlicher Begriff und wird als jener durch Gewohnheiten bestimmte Bereich definiert, in dem sich Menschen einfach gut fühlen. Die persönliche Komfortzone ist also der Bereich, in dem sich Menschen sicher fühlen, sich wohlfühlen, wobei damit das Umfeld gemeint ist, das man kennt und gewohnt ist. Die Komfortzone endet dort, wo Überwindung oder Anstrengung beginnen und es nicht mehr bequem ist.“

In der Komfortzone fühlen wir uns also sicher und gut aufgehoben.

Was ist aber, wenn ich mich in meinem Leben gar nicht so sicher und behütet fühle? Habe ich dann keine Komfortzone?

„Doch, hast du“, ertönt eine Stimme.

Ich schaue mich um. Eigentlich sitze ich ganz allein in meinem Büro und schreibe so vor mich hin. Ich habe mir schon vor langer Zeit angewöhnt, dabei laut zu sprechen. So auch heute.

Wahrscheinlich habe ich Halluzinationen.

Vielleicht habe ich in der letzten Zeit zu viel gearbeitet. Jetzt sitze ich hier um aus meiner letzten Weiterbildung, eine Art Script zu machen, nach dem ich einen Kurs anleiten möchte. Ich wollte das als so eine Art Selbstgespräch aufbauen, damit ich nicht so von oben herab komme. Schließlich bin ich auch noch kein Millionär geworden.

„Recht hast du. Bist du nämlich nicht. Noch lange nicht!“ ertönt die Stimme wieder.

Ich bin irritiert. Hier ist niemand. Mein Blick irrt wieder durch den Raum. Und außerdem habe ich diesmal nicht laut gesprochen. Es hätte mir also kein Einziger antworten können, weil ich ja nichts gesagt habe.

Ich lausche. Nichts geschieht.

In Kapitel 1 habe ich über die rote Ampel geschrieben, die uns daran hindert, neue Wege zu beschreiten. Da war noch alles in Ordnung. Keine Stimme, kein Kommentar.

Und warum jetzt?

„Weil ich es nicht mehr aushalte!“ Ich zucke zusammen, das war jetzt nicht nett. Und außerdem weiß ich immer noch nicht, wer hier auf meine unausgesprochenen Fragen antwortet.

„Dann mach doch die Augen auf!“ ertönt es wieder ziemlich unwirsch. „Ich sitze genau vor dir!“

Vor mir ist der Monitor, denke ich wütend.

„Weiter links“, kommt das Kommando. Folgsam blicke ich in diese Richtung. Da sitzt nur eine kleine weiße Eule aus Kunststoff. Sie trägt einen Schal und schlägt die Hände, Verzeihung die Flügel über dem Kopf zusammen.

„Na bitte“ tönt es etwas freundlicher. „Nun hast du mich ja endlich gefunden!“

Das geht mir nun doch ein bisschen zu weit. Doch bevor ich gedanklich weiter schimpfen kann, fährt sie fort. „Wolltest du nicht etwas über die Komfortzone schreiben?“

„Was geht dich das an?“, brubble ich vor mich hin. Jetzt unterhalte ich mich sogar schon mit einer Dekofigur! Ich habe eindeutig zu viel gearbeitet.

„Arbeiten tust du, ja. Aber das Ergebnis lässt doch zu wünschen übrig“, bekomme ich als Antwort.

„Was fällt dir eigentlich ein? Wer gibt dir das Recht dich hier in meine Sachen einzumischen. Und wer bist du?“ herrsche ich die weiße Eule an.

Sofort greife ich mir an den Kopf. Das darf jetzt nicht wahr sein. Sowas gibt es doch gar nicht. Wahrscheinlich träume ich.

„Nein du träumst nicht.“ Antwortet das Ding, was auf meinem Schreibtisch sitzt.

„Und nenn mich nicht Ding!“ fährt es fort. „Mein Name ist Plan B. Ich habe mitbekommen, was du vorhast und will dir helfen.“

Ich warte auf weitere Erklärungen. Aber die kommen nicht.

Also frage ich: „Und wie willst du mir helfen?“

Es folgt eine lange Pause. Die ist so lang, dass ich schon glaube, mir alles eingebildet zu haben.

„Ich finde die Idee ja schon mal  nicht schlecht, aus deinem gelernten Wissen ein Seminar für andere zu machen. Bloß meinst du, dass du dafür die richtige Frau bist?“

Jetzt bin ich aber ein bisschen beleidigt. „Was soll das heißen? Ich habe schon zig Seminare zu ganz unterschiedlichen Themen gegeben. Ich kann sowas!“

Schweigen.

„Nur weil ich kein Millionär bin, wie die vielen Typen die im Internet ihre Tipps anbieten, darf ich meine Erfahrungen nicht weitergeben?“

„Und wohin haben dich deine Erfahrungen gebracht?“ kommt es prompt zurück.

„Das ist gemein“, rufe ich aus. „Ich habe schon etliche Bücher geschrieben, verdiene meinen Lebensunterhalt mit verschiedenen Sachen und bin seit über 15 Jahren selbstständig.“

„So, so“, ertönt es. Als ich schon denke, dass das alles ist, folgt noch: „Verschiedene Sachen. Klingt wie Bauchladen.“

„Ich bin halt Scanner. Die haben vielseitige Interessen.“ Antworte ich so hochmütig, wie ich nur kann.

Wieder Schweigen.

Nun bin ich aber neugierig. „Warum und wie willst du mir eigentlich helfen?“

„ Weil du mich nervst“ kommt es unfreundlich zurück. „Du hast hier so viel Wissen angehäuft und das liegt hier so brach herum, weil du es nicht alleine schaffst, es zu ordnen und anzuwenden.“

Dann folgt die Retourkutsche in Hochmut: „Eulen sind das Symbol für Weisheit, wie du vielleicht weist. Es geht mir gegen den Strich, dass du hier so viel an Wissen gesammelt hast und es nicht anwendest. Glaubst du ich, habe nicht gemerkt, wie du die Meisten der Informationen nur überfliegst und dir dabei, denkst, dass du das ja alles schon weißt?“

Das kann ja heiter werden, denke ich. Die Eule kann Gedanken lesen. Ich glaube, ich stelle sie einfach woanders hin.

„Wehe!“ kreischt sie auf. Und dann kommt es etwas leiser, fast bittend. „Mach das nicht. Ich könnte dir eine echt große Hilfe sein.“ Und noch leiser folgt: „Mir ist so langweilig “

Jetzt tut sie mir auch beinahe ein bisschen leid.

„Wie soll das aussehen?“ frage ich und merke, es macht mir inzwischen gar nichts mehr aus mich mit einer Figur, die auf meinem Schreibtisch steht, zu unterhalten.

„Ich könnte Zwischenfragen stellen.“ lautet ihr Vorschlag. „So als würden wir ein Gespräch führen. Du und ich. Wie alte Freude. Oder wie mit einem Mentor.“

„Und du bist der Mentor?“ platze ich heraus.

„Hast du eine bessere Idee? Willst du etwa einer Eule Weisheit beibringen“ fragt sie mit reichlich Sarkasmus im Unterton. Bedeutend friedlicher geht es weiter: „Wenn du den Stil deines vorigen Kapitels, den ich nicht ganz schlecht finde, beibehältst, dann wirst du über kurz oder lang Probleme bekommen. So ein Script als Selbstgespräch abzufassen ist nicht immer ganz einfach. Mit mir erhältst du Input von außen, dessen Herkunft du nicht begründen musst. Ich hinterfrage an deiner Stelle Sachen, die man dir sonst als Selbstzweifel auslegen könnte.“

Das hat was, denke ich mir.

„Siehste!“

„Hör auf meine Gedanken zu lesen!“

„Sorry. Ich werde mich bemühen.“

„Das hoffe ich doch“ knurre ich.

„Gratulation!“

???

„Du hast soeben deine Komfortzone verlassen. Du unterhältst dich mit einer Dekofigur, die die Form einer Eule hat, auf deinem Schreibtisch steht und sich Plan B nennt.“

„Das kann ja heiter werden!“, denke ich schon wieder.

„Maul nicht!“ kommt die Antwort. „Lass uns nun endlich über die Komfortzone sprechen“.

eule klein


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Plan B – von der roten Ampel, die im Wege steht

Manchmal ziehe ich mir eine Tageskarte. Mit bunten Bildchen und einem klugen Spruch darauf. Wenn ich ehrlich bin, dann passt sie meistens zu meiner aktuellen Situation. Genau zu dem Zeitpunkt, als ich mal wieder so einige Tage vom mich hin muste (kommt in diesem Fall von Mustopf, also Pflaumenmus und ähnliche klebrige Sachen) zog ich ein Kärtchen mit folgendem Wortlaut:
Erfolg stellt sich nur ein, wenn wir auf unser Ziel zusteuern.
Oh! Erwischt dachte ich. Seit Tagen keine To-Do-Liste geschrieben und ergo auch nichts abgearbeitet. Alles so ein bisschen auf die lange Bank geschoben und nicht so richtig, was auf die Reihe bekommen. Da habe ich doch im wahrsten Sinne des Wortes mein Ziel aus den Augen verloren.
Und warum?
Naja. Wenn ich ehrlich bin, und das bin ich jetzt mal: Alles was ich bisher gemacht habe, das war noch so innerhalb meiner Komfortzone. Ich habe getan, was ich immer getan habe. Vielleicht etwas intensiver, vielleicht etwas mit mehr Enthusiasmus. Ich habe ja einen Plan. Ich will ja was erreichen!
Alles was ich bisher in Richtung Pläneverwirklichen gemacht habe, waren mir noch bekannte Sachen. Aber jetzt stehe ich tatsächlich am Rand meiner Komfortzone. Ich bin ganz nah an der Kante. Da müsste ich nun drüber. Mit dem nächsten Schritt betrete ich unbekannten Boden. Mir ist als stehe ich vor einer Ampel. Ich würde ja gern weiter gehen. Aber es ist ROT.
Denn. Was ich jetzt tun muss, das habe ich jedoch noch nie getan. Das ist neu für mich. Davon habe ich nicht so richtig Ahnung. Da bin ich skeptisch, ob ich das überhaupt schaffe. DA HABE ICH ANGST DAVOR.
Aha!
Da haben wir das Problem. Mein körpereigenes Sicherheitssystem schlägt Alarm. Ich könnte etwas tun, was noch nie da war. Das könnte gefährlich sein, mein Leben verändern, mich aus dem Gleichgewicht bringen.
Norbert, mein innerer Schweinehund, meint es ja nur gut mit mir. Er will mich im Grunde genommen nur beschützen. Wenn ich in meiner Komfortzone bleibe, dann kann mir nicht so viel passieren. Vielleicht fühle ich mich nicht ganz so wohl in meiner Haut, vielleicht habe ich auch nicht genug Geld oder meine Gesundheit ist nicht so, wie ich sie gern hätte. Aber ich kenne mich aus! Ich weiß wie mein Tag abläuft, bin mir sicher, dass ich mir diesen sündhaft teuren Stressless-Sessel, den ich seit Jahren bewundere, nie kaufen kann, und bin halt mit der Zeit etwas dicker geworden. Was soll’s? Das Leben ist kein Ponyhof.

Und was ist mit meinem Plan?
Ich wollte doch erfolgreich werden, finanziell unabhängig sein und mich in meinem Körper wohlfühlen.

Wenn ich das erreichen will, muss ich wohl oder übel etwas anders tun.
„Immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten“ bezeichnet Einstein als die Definition von Wahnsinn.

Warum fällt es mir nur so schwer, diesen Schritt? Sch.. auf die rote Ampel! Ich will in meinem Leben was ändern! Wenn ich jetzt stehenbleibe, dann bleibt alles, wie es ist! Aber meine Füße kleben am Boden. Ich kann doch jetzt nicht einfach loslaufen. Schließlich ist da dieses Warnsignal. Das kann ich doch nicht ignorieren.

  • Weil ich nicht mehr zwanzig bin.
  • Weil ich Sicherheit brauche.
  • Weil ich scheitern könnte.

Langsam dämmert es mir. Ich bin nicht die Heldin, die ich so gern in meinen Träumen wäre. Ich fürchte mich vor Neuem, vor Unbekannten, vor Ablehnung und vor der Erkenntnis wie oder was ich bin.

Da ist es doch viel einfacher sich in Tagträumen zu verlieren und sich vorzustellen, was alles sein könnte. Wie war dieser blöde Spruch noch? „Erfolg stellt sich nur ein, wenn wir auf unser Ziel zusteuern.“

Die Macher von solchen haben es einfach! Schreiben solche Sachen auf schöne Landschaftsbilder! Dabei hatten die nicht mein Leben. Wenn ich nur daran denke, was alles aus mir hätte werden können, wenn damals nicht …
Ja, genau!

  • Hätten meine Eltern damals nicht …
  • Hätten meine Lehrer mehr ..
  • Wäre das mit dem Studium …
  • Und als ich damals so richtig durchstarten wollte, da hat man …

Gerade als ich in Gedanken dabei bin, alle aufzuzählen, denen ich die Verantwortung dafür gebe, dass ich jetzt und hier so bin, wie ich bin, fällt mein Blick wieder auf den Kartenstapel. Ich beschließe als noch eine dieser blöden Dinger zu ziehen. Denn das mit dem Ziel und dem Erfolg, das gefällt mir heute nicht.
„Wem du die Schuld gibt’s, dem gibst du die Macht.“

Sind das blöde Sprüche! Die Typen wollen mich wohl echt ärgern. Obwohl ich nicht so ganz sicher bin, wem ich mit diesem Vorwurf meine. Das Universum?
Na dann zeigt es mir aber heute echt, wo der Hammer hängt.

Oder kann es sein, dass ich mir die ganze Zeit nur Geschichten erzähle, warum ich so bin, wie ich bin, weil ich nicht so bin, wie ich gern sein möchte?
Das ist aber jetzt doch ein ziemlich komplizierter Gedanke.

Ich werde mich mal ganz vorsichtig an die Sache heranpirschen. Zuerst will ich mal herausfinden, warum mir der Norbert (dieser innere Schweinehund) die rote Ampel in den Weg stellt. Wie ist das also mit der Komfortzone – und warum komme ich da nicht raus?

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Bildquellenangabe:        Wilhelmine Wulff  / pixelio.de