junggenug

Das Leben ändern – auch wenn man keine 20 mehr ist

Plan B – von der roten Ampel, die im Wege steht

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Manchmal ziehe ich mir eine Tageskarte. Mit bunten Bildchen und einem klugen Spruch darauf. Wenn ich ehrlich bin, dann passt sie meistens zu meiner aktuellen Situation. Genau zu dem Zeitpunkt, als ich mal wieder so einige Tage vom mich hin muste (kommt in diesem Fall von Mustopf, also Pflaumenmus und ähnliche klebrige Sachen) zog ich ein Kärtchen mit folgendem Wortlaut:
Erfolg stellt sich nur ein, wenn wir auf unser Ziel zusteuern.
Oh! Erwischt dachte ich. Seit Tagen keine To-Do-Liste geschrieben und ergo auch nichts abgearbeitet. Alles so ein bisschen auf die lange Bank geschoben und nicht so richtig, was auf die Reihe bekommen. Da habe ich doch im wahrsten Sinne des Wortes mein Ziel aus den Augen verloren.
Und warum?
Naja. Wenn ich ehrlich bin, und das bin ich jetzt mal: Alles was ich bisher gemacht habe, das war noch so innerhalb meiner Komfortzone. Ich habe getan, was ich immer getan habe. Vielleicht etwas intensiver, vielleicht etwas mit mehr Enthusiasmus. Ich habe ja einen Plan. Ich will ja was erreichen!
Alles was ich bisher in Richtung Pläneverwirklichen gemacht habe, waren mir noch bekannte Sachen. Aber jetzt stehe ich tatsächlich am Rand meiner Komfortzone. Ich bin ganz nah an der Kante. Da müsste ich nun drüber. Mit dem nächsten Schritt betrete ich unbekannten Boden. Mir ist als stehe ich vor einer Ampel. Ich würde ja gern weiter gehen. Aber es ist ROT.
Denn. Was ich jetzt tun muss, das habe ich jedoch noch nie getan. Das ist neu für mich. Davon habe ich nicht so richtig Ahnung. Da bin ich skeptisch, ob ich das überhaupt schaffe. DA HABE ICH ANGST DAVOR.
Aha!
Da haben wir das Problem. Mein körpereigenes Sicherheitssystem schlägt Alarm. Ich könnte etwas tun, was noch nie da war. Das könnte gefährlich sein, mein Leben verändern, mich aus dem Gleichgewicht bringen.
Norbert, mein innerer Schweinehund, meint es ja nur gut mit mir. Er will mich im Grunde genommen nur beschützen. Wenn ich in meiner Komfortzone bleibe, dann kann mir nicht so viel passieren. Vielleicht fühle ich mich nicht ganz so wohl in meiner Haut, vielleicht habe ich auch nicht genug Geld oder meine Gesundheit ist nicht so, wie ich sie gern hätte. Aber ich kenne mich aus! Ich weiß wie mein Tag abläuft, bin mir sicher, dass ich mir diesen sündhaft teuren Stressless-Sessel, den ich seit Jahren bewundere, nie kaufen kann, und bin halt mit der Zeit etwas dicker geworden. Was soll’s? Das Leben ist kein Ponyhof.

Und was ist mit meinem Plan?
Ich wollte doch erfolgreich werden, finanziell unabhängig sein und mich in meinem Körper wohlfühlen.

Wenn ich das erreichen will, muss ich wohl oder übel etwas anders tun.
„Immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten“ bezeichnet Einstein als die Definition von Wahnsinn.

Warum fällt es mir nur so schwer, diesen Schritt? Sch.. auf die rote Ampel! Ich will in meinem Leben was ändern! Wenn ich jetzt stehenbleibe, dann bleibt alles, wie es ist! Aber meine Füße kleben am Boden. Ich kann doch jetzt nicht einfach loslaufen. Schließlich ist da dieses Warnsignal. Das kann ich doch nicht ignorieren.

  • Weil ich nicht mehr zwanzig bin.
  • Weil ich Sicherheit brauche.
  • Weil ich scheitern könnte.

Langsam dämmert es mir. Ich bin nicht die Heldin, die ich so gern in meinen Träumen wäre. Ich fürchte mich vor Neuem, vor Unbekannten, vor Ablehnung und vor der Erkenntnis wie oder was ich bin.

Da ist es doch viel einfacher sich in Tagträumen zu verlieren und sich vorzustellen, was alles sein könnte. Wie war dieser blöde Spruch noch? „Erfolg stellt sich nur ein, wenn wir auf unser Ziel zusteuern.“

Die Macher von solchen haben es einfach! Schreiben solche Sachen auf schöne Landschaftsbilder! Dabei hatten die nicht mein Leben. Wenn ich nur daran denke, was alles aus mir hätte werden können, wenn damals nicht …
Ja, genau!

  • Hätten meine Eltern damals nicht …
  • Hätten meine Lehrer mehr ..
  • Wäre das mit dem Studium …
  • Und als ich damals so richtig durchstarten wollte, da hat man …

Gerade als ich in Gedanken dabei bin, alle aufzuzählen, denen ich die Verantwortung dafür gebe, dass ich jetzt und hier so bin, wie ich bin, fällt mein Blick wieder auf den Kartenstapel. Ich beschließe als noch eine dieser blöden Dinger zu ziehen. Denn das mit dem Ziel und dem Erfolg, das gefällt mir heute nicht.
„Wem du die Schuld gibt’s, dem gibst du die Macht.“

Sind das blöde Sprüche! Die Typen wollen mich wohl echt ärgern. Obwohl ich nicht so ganz sicher bin, wem ich mit diesem Vorwurf meine. Das Universum?
Na dann zeigt es mir aber heute echt, wo der Hammer hängt.

Oder kann es sein, dass ich mir die ganze Zeit nur Geschichten erzähle, warum ich so bin, wie ich bin, weil ich nicht so bin, wie ich gern sein möchte?
Das ist aber jetzt doch ein ziemlich komplizierter Gedanke.

Ich werde mich mal ganz vorsichtig an die Sache heranpirschen. Zuerst will ich mal herausfinden, warum mir der Norbert (dieser innere Schweinehund) die rote Ampel in den Weg stellt. Wie ist das also mit der Komfortzone – und warum komme ich da nicht raus?

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Bildquellenangabe:        Wilhelmine Wulff  / pixelio.de

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