junggenug

Das Leben ändern – auch wenn man keine 20 mehr ist

Plan B – raus aus der Komfortzone (Teil 1)

Hinterlasse einen Kommentar

Meine heutige Überschrift sollte eigentlich heißen: »Warum in dem Wort Komfortzone die Aufforderung „Komm fort“ steckt(en sollte)«

Die Komfortzone an sich ist ja etwas Schönes. Da ist es warm, bequem und kuschlig. Schließlich kommt Komfort Wikipedia hat dafür natürlich wieder die passende Erklärung:

„Komfort (vom englischen comfort für „Bequemlichkeit“ oder „Behaglichkeit“) ist die Bequemlichkeit, die auf der Präsenz von bestimmten Maschinen, Gegenständen oder Anlagen beruht. Eine Einrichtung ist auf Grund ihrer Möglichkeiten und ihrer Ausstattung mit Gegenständen komfortabel, wenn sie dem Menschen Arbeit verringert und ihm Behaglichkeit bietet.“

Und die Komfortzone wird dann gleich noch besser von der Online-Enzyklopädie für Psychologie und Pädagogik erklärt: „Die Komfortzone ist ein populärwissenschaftlicher Begriff und wird als jener durch Gewohnheiten bestimmte Bereich definiert, in dem sich Menschen einfach gut fühlen. Die persönliche Komfortzone ist also der Bereich, in dem sich Menschen sicher fühlen, sich wohlfühlen, wobei damit das Umfeld gemeint ist, das man kennt und gewohnt ist. Die Komfortzone endet dort, wo Überwindung oder Anstrengung beginnen und es nicht mehr bequem ist.“

In der Komfortzone fühlen wir uns also sicher und gut aufgehoben.

Was ist aber, wenn ich mich in meinem Leben gar nicht so sicher und behütet fühle? Habe ich dann keine Komfortzone?

„Doch, hast du“, ertönt eine Stimme.

Ich schaue mich um. Eigentlich sitze ich ganz allein in meinem Büro und schreibe so vor mich hin. Ich habe mir schon vor langer Zeit angewöhnt, dabei laut zu sprechen. So auch heute.

Wahrscheinlich habe ich Halluzinationen.

Vielleicht habe ich in der letzten Zeit zu viel gearbeitet. Jetzt sitze ich hier um aus meiner letzten Weiterbildung, eine Art Script zu machen, nach dem ich einen Kurs anleiten möchte. Ich wollte das als so eine Art Selbstgespräch aufbauen, damit ich nicht so von oben herab komme. Schließlich bin ich auch noch kein Millionär geworden.

„Recht hast du. Bist du nämlich nicht. Noch lange nicht!“ ertönt die Stimme wieder.

Ich bin irritiert. Hier ist niemand. Mein Blick irrt wieder durch den Raum. Und außerdem habe ich diesmal nicht laut gesprochen. Es hätte mir also kein Einziger antworten können, weil ich ja nichts gesagt habe.

Ich lausche. Nichts geschieht.

In Kapitel 1 habe ich über die rote Ampel geschrieben, die uns daran hindert, neue Wege zu beschreiten. Da war noch alles in Ordnung. Keine Stimme, kein Kommentar.

Und warum jetzt?

„Weil ich es nicht mehr aushalte!“ Ich zucke zusammen, das war jetzt nicht nett. Und außerdem weiß ich immer noch nicht, wer hier auf meine unausgesprochenen Fragen antwortet.

„Dann mach doch die Augen auf!“ ertönt es wieder ziemlich unwirsch. „Ich sitze genau vor dir!“

Vor mir ist der Monitor, denke ich wütend.

„Weiter links“, kommt das Kommando. Folgsam blicke ich in diese Richtung. Da sitzt nur eine kleine weiße Eule aus Kunststoff. Sie trägt einen Schal und schlägt die Hände, Verzeihung die Flügel über dem Kopf zusammen.

„Na bitte“ tönt es etwas freundlicher. „Nun hast du mich ja endlich gefunden!“

Das geht mir nun doch ein bisschen zu weit. Doch bevor ich gedanklich weiter schimpfen kann, fährt sie fort. „Wolltest du nicht etwas über die Komfortzone schreiben?“

„Was geht dich das an?“, brubble ich vor mich hin. Jetzt unterhalte ich mich sogar schon mit einer Dekofigur! Ich habe eindeutig zu viel gearbeitet.

„Arbeiten tust du, ja. Aber das Ergebnis lässt doch zu wünschen übrig“, bekomme ich als Antwort.

„Was fällt dir eigentlich ein? Wer gibt dir das Recht dich hier in meine Sachen einzumischen. Und wer bist du?“ herrsche ich die weiße Eule an.

Sofort greife ich mir an den Kopf. Das darf jetzt nicht wahr sein. Sowas gibt es doch gar nicht. Wahrscheinlich träume ich.

„Nein du träumst nicht.“ Antwortet das Ding, was auf meinem Schreibtisch sitzt.

„Und nenn mich nicht Ding!“ fährt es fort. „Mein Name ist Plan B. Ich habe mitbekommen, was du vorhast und will dir helfen.“

Ich warte auf weitere Erklärungen. Aber die kommen nicht.

Also frage ich: „Und wie willst du mir helfen?“

Es folgt eine lange Pause. Die ist so lang, dass ich schon glaube, mir alles eingebildet zu haben.

„Ich finde die Idee ja schon mal  nicht schlecht, aus deinem gelernten Wissen ein Seminar für andere zu machen. Bloß meinst du, dass du dafür die richtige Frau bist?“

Jetzt bin ich aber ein bisschen beleidigt. „Was soll das heißen? Ich habe schon zig Seminare zu ganz unterschiedlichen Themen gegeben. Ich kann sowas!“

Schweigen.

„Nur weil ich kein Millionär bin, wie die vielen Typen die im Internet ihre Tipps anbieten, darf ich meine Erfahrungen nicht weitergeben?“

„Und wohin haben dich deine Erfahrungen gebracht?“ kommt es prompt zurück.

„Das ist gemein“, rufe ich aus. „Ich habe schon etliche Bücher geschrieben, verdiene meinen Lebensunterhalt mit verschiedenen Sachen und bin seit über 15 Jahren selbstständig.“

„So, so“, ertönt es. Als ich schon denke, dass das alles ist, folgt noch: „Verschiedene Sachen. Klingt wie Bauchladen.“

„Ich bin halt Scanner. Die haben vielseitige Interessen.“ Antworte ich so hochmütig, wie ich nur kann.

Wieder Schweigen.

Nun bin ich aber neugierig. „Warum und wie willst du mir eigentlich helfen?“

„ Weil du mich nervst“ kommt es unfreundlich zurück. „Du hast hier so viel Wissen angehäuft und das liegt hier so brach herum, weil du es nicht alleine schaffst, es zu ordnen und anzuwenden.“

Dann folgt die Retourkutsche in Hochmut: „Eulen sind das Symbol für Weisheit, wie du vielleicht weist. Es geht mir gegen den Strich, dass du hier so viel an Wissen gesammelt hast und es nicht anwendest. Glaubst du ich, habe nicht gemerkt, wie du die Meisten der Informationen nur überfliegst und dir dabei, denkst, dass du das ja alles schon weißt?“

Das kann ja heiter werden, denke ich. Die Eule kann Gedanken lesen. Ich glaube, ich stelle sie einfach woanders hin.

„Wehe!“ kreischt sie auf. Und dann kommt es etwas leiser, fast bittend. „Mach das nicht. Ich könnte dir eine echt große Hilfe sein.“ Und noch leiser folgt: „Mir ist so langweilig “

Jetzt tut sie mir auch beinahe ein bisschen leid.

„Wie soll das aussehen?“ frage ich und merke, es macht mir inzwischen gar nichts mehr aus mich mit einer Figur, die auf meinem Schreibtisch steht, zu unterhalten.

„Ich könnte Zwischenfragen stellen.“ lautet ihr Vorschlag. „So als würden wir ein Gespräch führen. Du und ich. Wie alte Freude. Oder wie mit einem Mentor.“

„Und du bist der Mentor?“ platze ich heraus.

„Hast du eine bessere Idee? Willst du etwa einer Eule Weisheit beibringen“ fragt sie mit reichlich Sarkasmus im Unterton. Bedeutend friedlicher geht es weiter: „Wenn du den Stil deines vorigen Kapitels, den ich nicht ganz schlecht finde, beibehältst, dann wirst du über kurz oder lang Probleme bekommen. So ein Script als Selbstgespräch abzufassen ist nicht immer ganz einfach. Mit mir erhältst du Input von außen, dessen Herkunft du nicht begründen musst. Ich hinterfrage an deiner Stelle Sachen, die man dir sonst als Selbstzweifel auslegen könnte.“

Das hat was, denke ich mir.

„Siehste!“

„Hör auf meine Gedanken zu lesen!“

„Sorry. Ich werde mich bemühen.“

„Das hoffe ich doch“ knurre ich.

„Gratulation!“

???

„Du hast soeben deine Komfortzone verlassen. Du unterhältst dich mit einer Dekofigur, die die Form einer Eule hat, auf deinem Schreibtisch steht und sich Plan B nennt.“

„Das kann ja heiter werden!“, denke ich schon wieder.

„Maul nicht!“ kommt die Antwort. „Lass uns nun endlich über die Komfortzone sprechen“.

eule klein

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s