junggenug

Das Leben ändern – auch wenn man keine 20 mehr ist

Plan B – Negative Glaubenssätze auffinden

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Ich sitze am Schreibtisch und bearbeite einen Auftrag. Dabei kann ich regelrecht fühlen, wie mich dieser kleine Kunststoffvogle anstarrt. Nach einer Weile halte ich es nicht mehr aus und knurre: „Was ist?“

„Das weißt du ganz genau!“ kommt die patzige Antwort.

Natürlich weiß ich das, aber so schnelle gebe ich nicht klein bei. „Ich habe zu tun!“ Nach einem Schnaufer setze ich hinzu: „Ich muss ja schließlich Geld verdienen!“
Sofort merke ich, dass das ein fataler Fehler war. Jetzt hat sie mich!

„Genau das ist das Thema“, hakt das kleine weiße Ding ein. „Was denkst du über das Geldverdienen? Über das reich werden oder sein? Wie sind deine Glaubenssätze dazu?“
Bevor ich antworten kann, geht es schon weiter: „Und welche hindern dich daran wirklich reich zu werden?“

Die Arbeit, die ich mir ursprünglich vorgenommen habe, die kann ich wohl vergessen. Wie ich die Eule kenne, lässt sie nicht mehr locker. Dabei hatte ich schon gehofft, die Gespräche mit ihr wären einer temporären Überarbeitungsphase zu verdanken und bloße Einbildung. Weit gefehlt: Plan B, wie sie sich selber bezeichnet, spricht immer noch zu mir.

Während ich nach einer Antwort suche, plinkert sie mit ihren großen Augen. Es fehlt mir nur noch, dass sie auch noch anfängt, hin und her zu laufen, denke ich.

„Schreiten.“

Ich schaue irritiert. „Eulen schreiten. Wir laufen nicht einfach so hin und her.“

„Ich habe dir gesagt, du sollst raus aus meinem Kopf!“ Jetzt werde ich wütend. „Wie soll ich denn nachdenken, wenn ich ständig das Gefühl habe, dass du meine Gedanken liest!“ Im Stillen setze ich hinzu: „Und wie soll ich feststellen, welche Glaubenssätze mich hindern und welche nicht?“

Sie ignoriert meinen Ausbruch und fährt ganz sachlich weiter fort: „Genau das ist die Frage. Zuerst einmal muss man herausfinden, welche Gedanken respektive Glaubenssätze hinderlich sind. Sonst weiß man ja nicht was man ändern soll.“
Natürlich hat sie wieder einmal Recht. Und sie drängelt. „Was denkst du über Geld? Und über den Wert deiner Arbeit.“

Naja, ich denke so einiges, was sicher nicht ganz hilfreich ist, wenn man wirklich reich werden will, gestehe ich mir ein. Da sind so Dinge, wie mit dem ohnehin schon niedrigen Preis runter gehen, weil man glaubt, dass der andere auch nicht so viel hat. Sich nicht richtig getrauen auch mal laut zu sagen, dass man für das Geld nicht arbeitet, weil man ja immer im Hinterkopf ha, dass man ja sonst gar nichts bekommt.

Ich ziehe inzwischen ein komisches Gesicht. Es ist mir irgendwie peinlich, die ganze Sache hier so auszubreiten. „Du weißt schon, dass das ein öffentlich einsehbarer Blogartikel ist?“, frage ich sie.

Erstaunlicherweise versteht sie mich und macht mir den Vorschlag all meine Gedanken zu diesem Thema für mich allein zu sortieren. Natürlich lässt die passende Arbeitsanweisung nicht auf sich warten.

„Du nimmst dir ein Blatt, mindestens A 4. Dort schreibst du oben als Überschrift „Was ich über Geld denke“. Darunter kommt eine Tabelle. Links eine große Spalte, die mehr als die Hälfte der Seite einnimmt. Da kommt der Glaubenssatz hin. Daneben kommen zwei kleinere Spalten. „Ist das hilfreich zum Reichwerden?“ Einmal JA und einmal NEIN. Und das füllst du aus. Das machst du dann auch noch auf einem anderen Blatt, das die Überschrift „Wie denke ich über meine Arbeit?“ bekommt. Für dich als Selbstständige ist das ganz wichtig. Später kommen wir dann noch zu solchen Themen wie Gesundheit, Freundschaft, Beziehung und so weiter.“ Sie schaut mich an, als ob sie wieder einmal Widerstand erwartet.

Ihr Vorschlag erscheint mir jedoch machbar. Also nicke ich und beginne gleich zu überlegen.

„Halt, warte!“ ruft sie und unterbricht mich. Einfach hat man es mit dieser Eule nicht. Da will man schon mal machen, was sie sagt und dann lässt sie mich nicht.
„Lass uns erst zusammen ein Beispiel ausprobieren, damit ich sehe, dass du es verstanden hast.“

Hält sie mich für blöd? Und außerdem ist mir die ganze Sache mit dem Geld so in der Öffentlichkeit doch, wie erwähnt, etwas peinlich. Es muss ja nicht jeder mitbekommen, was ich manchmal für kruse Gedanken habe. Das war mir vorher gar nicht aufgefallen. Dummerweise ist es ja so, dass mein Unterbewusstsein solchen Mist für bare Münze nimmt. Ich kann es drehen und wenden wie ich will, die Eule hat Recht. Ich muss herausfinden, an welchen Stellen im Leben ich mir selber im Weg stehe. Allerdings will ich das wirklich nicht in einem Blogartikel machen. Das geht mir dann doch zu weit.

Natürlich hat sie wieder meine Gedanken gelesen. „Jetzt mach dir keine Sorgen, das Thema mit dem Geld kannst du für dich allein klären. Ich trau dir schon zu, dass du dich da nicht selber über das Ohr haust. Wir können gern eine andere Sache als Beispiel verwenden.“

„Und was?“

Ich habe das Gefühl, dass sie grinst. Obwohl ich mir gar nicht sicher bin ob Eulen und insbesondere Kunststoffeulen grinsen können. „Wie wäre es mit Romantik?“
Verflixt! Ich erinnere mich; bevor sie auf meinem Schreibtisch zu stehen kam, saß sie etliche Jahre lang im Bücherregal. Natürlich genau auf dem Regalbrett mit den Liebesromanen. Kein Wunder das sie auf Romantik kommt. Aber was soll da schon passieren? Ich werfe ihr einen scheelen Blick zu und nicke.

Sie richtete sich auf und fragt mit Dozentenstimme: „Wieviel Romanik gibt es in deinem Leben“?

Das ist nicht fair! Die Frage hätte doch eigentlich lauten sollen: „Was denkst du über Romantik“?

Jetzt bin ich mir sicher, dass sie grinst! Aber ok. Ich kann wie aus der Pistole geschossen entgegnen. „Ich habe unzählige romantische Bücher und liebe Filme mit Happy End.“

„Falsche Antwort“, kommt es prompt.

„Wieviel Romanik gibt es in deinem Leben? Die Betonung liegt auf deinem Leben.“

„Mein Gott, Eule! Ich bin über fünfzig Jahre alt, habe zwei erwachsene Kinder und lebe schon ewig mit meinem Mann zusammen! Da bleibt die Romantik irgendwann auf der Strecke.“

„Denkst du das, weil das so ist? Oder ist das so, weil du das denkst?“

Verflixt! Da hat sie mich mal wieder kalt erwischt.

Ich glaube, ich sollte mal alle Bereiche meines Lebens hinterfragen. Zumindest werde ich mal mit denen anfangen, wo ich ahne, dass mir da was fehlt.

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