junggenug

Das Leben ändern – auch wenn man keine 20 mehr ist

Plan B – Positive Glaubenssätze verankern

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Die Eule beobachtet mich. Ich fühle direkt, wie sie mich ansieht. Eine ganze Weile tue ich so, als ob ich es nicht bemerken würde. Dann halte ich es nicht mehr aus.

„Was ist?“, knurre ich.

„Hast du deine positiven Glaubenssätze aufgeschrieben?“

„Habe ich!“

„Und hast du sie dir laut vorgelesen?“

„Ja!“

„Jeden Tag?“ Nach einer kurzen Pause setzt sie hinzu: „Mindestens früh und abends?“

„Hab ich vergessen. Ich hab einfach so viel zu tun, da denke ich nicht immer daran“, kommt es trotzig von mir zurück.

„Du warst doch im Frühjahr auf diesem Seminar? Was hätte man dir dort bei dieser Antwort gesagt?“

Ich verdrehe die Augen: „Dass ich Geschichten erzähle“.

Das kleine weiße Ding zieht ein komisches Gesicht. Soweit Eulen aus Kunststoff eben ein Gesicht ziehen können. Eventuell bilde ich mir das alles nur ein. „Genau. Du erfindest Ausflüchte. Dann ist es dir vielleicht gar nicht wichtig, dein Leben zu verändern?“

„Doch“, sage ich prompt. Und dann noch: „Aber“.

„Aber was?“

„Naja, ich komme mir total bescheuert vor, wenn ich mir das laut vorlese. Und außerdem ist es auch richtig schwer, eine Gewohnheit daraus zu machen“, gebe ich zu.

„Dass die falschen Glaubenssätze, die du in zig Jahren angesammelt hast, nicht so einfach aus deinem Kopf verschwinden, das hatten wir ja schon. Egal ob du dir blöd vorkommst, oder nicht, da musst du jetzt durch.“ Sie wackelt ein bisschen mit dem Kopf. „Zeig mir mal dein Blatt, auf dem du die neuen Glaubenssätze aufgeschrieben hast.“

Ich hole ein ziemlich zerknittertes Papier hervor.

Sie sieht mich strafend an. „Na so macht das ja sowieso keinen Spaß.“

Was hat sie denn nun schon wieder, maule ich im Stillen und schaue auf meine Vorlage. Zugegeben, besonders schön sieht sie nicht aus. Ich habe da mehrmals was durchgestrichen und mir auch nicht viel Mühe mit der Schrift gegeben. Aber es sollte ja ohnehin nur zum Ablesen sein, schmolle ich vor mich hin.

„Das machst du jetzt schön noch einmal! Und mit schön, meine ich auch schön! Schönes Papier, schöne Schrift und auf die Rückseite noch einige schöne Bilder, die dir das Leben zeigen, das du einmal leben willst. So als Vision.“ Dann setzt sie noch dazu: „Das nennt man Visionsbord, auf Deutsch Traumtafel. Das wirst du dir auch noch jeden Tag ansehen.“

Bevor ich die Augen verdrehe, spricht sie weiter: „Niemand hat gesagt, dass Veränderungen leicht sind. Ich kann mich nur wiederholen. Du musst raus aus deiner Komfortzone und neue, andere Sachen machen. Andere Sachen denken. Und wenn du dir dabei komisch vorkommst, dann ist das ein Zeichen von deinem Unterbewusstsein, das nicht will, dass du etwas änderst. Es versucht, dich vor neuen Erfahrungen zu schützen.“

Weiß ich doch, denke ich bei mir.

„Ha!“, hakt sie sofort ein. „Weiß ich doch – dieser Satz ist tödlich.“

Das verstehe ich jetzt nicht.

Ich komme jedoch nicht dazu nachzufragen, da sprudelt sie schon die Erklärung heraus. „Wenn du es weißt und dich nicht daran hältst, dann heißt es doch nur, dass du es in Wirklichkeit nicht glaubst. Dein Wissen hat keine Auswirkung auf dein Leben, also wird es nichts verändern. Damit bleibt alles wie es ist. Wissen allein hilft gar nichts, du musst handeln. Das was du lernst musst du umsetzen, sonst ist es nutzlos.“

Die Eule plustert sich auf: „Das ist wie positiv denken und negativ handeln. Absolut tödlich für jede Veränderung.“

Ich muss zugeben, dass sie wieder einmal Recht hat. Also werde ich meine neuen, positiven Glaubenssätze auf schönem Papier mit schöner Schrift verewigen. Und ich werde mir auch so ein Visionsbord basteln, damit ich mir immer vor Augen halte, wo ich einmal hin will.

Aber wie schaffe ich es nur, dass ich mir das auch jeden Tag zu Gemüte führe?

„Um eine neue Gewohnheit zu etablieren, braucht es 21 Tage“, ertönt ihre Stimme.

Ich gebe es auf, mich zu beschweren, dass sie schon wieder meine Gedanken liest. Stattdessen frage ich sie, wie ich das angehen soll.

„Gehe in den Keller und hole zwei gleichgroße Schraubgläser, in die du gut mit der Hand hineinfassen kannst.“

Was wird denn das jetzt?

„Die stellst du an eine Stelle, an der du garantiert jeden Tag vorbei kommst. In das rechte Glas füllst du 21 Knöpfe, Perlen, Kieselsteine, Haselnüsse, Erbsen, Bohnen … was auch immer. Mindestens jedoch einundzwanzig Stück. Jeden Tag, an dem du deine Aufgabe erledigt hast, nimmst du eines der Teile von rechts und legst es in das linke Glas.“

Das leuchtet mir ein. „Und wenn ich es mal einen Tag vergesse, dann mache ich es am nächsten Tag doppelt. Stimmt’s?“ frage ich hoffnungsvoll.

„Falsch“, lautet die Antwort. „Wenn du es einen Tag vergisst, dann schüttest du den ganzen Inhalt des linken Glases zurück.“

„Auch am zwanzigsten Tag noch?“, will ich entgeistert wissen.

Die kleine weiße Eule mit Namen Plan B nickt.

Das wird hart, denke ich noch und mache mich trotzdem an die Arbeit.

7

Bildquellenangabe: Timo Klostermeier  / pixelio.de

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