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Das Leben ändern – auch wenn man keine 20 mehr ist


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Plan B – von Schuld und Rückschlägen

Eigentlich sollte ich einen Textauftrag abarbeiten. Aber ich fühle mich wieder einmal beobachtet. Das kleine Ding auf meinem Schreibtisch starrt mich wie schon so oft aufdringlich an. Ich kann so nicht arbeiten!

Also gebe ich auf und frage gleich, was sie denn heute wieder von mir will.

Zufrieden, weil sie ihr Ziel erreicht hat, wackelt sie mit dem Kopf und fragt mit zuckersüßer Stimme: „Und?“ – Pause – „Wie geht es dir?“

„Wie soll es mir gehen? Gut natürlich. Ich bin gesund, habe genug Aufträge und mein Konto ist nicht leer.“

„Das meine ich nicht!“

Natürlich weiß ich, dass sie das nicht gemeint hat. Sie will wissen, wie das mit dem Verankern der positiven Glaubenssätze so funktioniert. „Ich arbeite daran“, ist meine ausweichende Antwort.

„Aha.“

Diese Besserwisserei geht mir schon lange auf die Nerven. Wie kann man nur so viel in ein einziges Wort legen. Obwohl AHA ist ja nicht mal ein Wort. Es ist ja nur ein… Wie nennt man sowas eigentlich?

Bevor ich mich näher mit dieser Problematik befassen kann, hakt sie schon nach: „Lenk nicht vom Thema ab. Sage mir, wie viele Perlen in deinem zweiten Glas sind. Unser letztes Gespräch ist ja schon eine Woche her. Also müssten es sieben sein, wenn du konsequent warst.“

„Es sind nicht sieben,“ maule ich.

„Wie viel?“ Plan B, die alte Nerv-Eule will es natürlich genau wissen.

Das ist mir jetzt doch peinlich. „Eine“, antworte ich leise und fasse es nicht, dass ich mich vor einer weißen Kunststofffigur schäme.

Keine Reaktion.

Trotzdem fange ich an mich zu verteidigen: „Ich musste drei Mal neu anfangen, weil ich immer keine Zeit hatte, die ganze Liste herunterzubeten.“

„Ach du Arme“, spottet sie.

„Kannst du glauben“, versichere ich ihr. „Das ist nicht meine Schuld. Ich wollte ja, aber die äußeren Umstände waren gegen mich.“

„Vollkommen klar! Du hast so viel zu tun, dass du nicht einmal 3 Minuten Zeit findest, um an deiner Zukunft zu arbeiten“, kommt es ziemlich höhnisch zurück.

Wenn sie das so sagt, dann komme ich mir ziemlich doof vor. Aber ich mag noch nicht kleinbeigeben. „Es war ja wirklich nicht meine Schuld. Da war …“

Sie unterbricht mich, indem sie den Schnabel ganz weit aufsperrt und würgt, ganz so also wollte sie sich übergeben. Sie wird doch nicht auf meinen Schreibtisch? Können Kunststoffeulen eigentlich kotzen?

„Können wir nicht“, lautet prompt die Antwort. „Aber das würde ich gerade gerne machen.“

Sie plustert sich auf und schüttelt sich theatralisch: „Wer ist schuld? Aber bedenke, bevor du etwas erwiderst – wem du die Schuld gibt’s, dem gibst du die Macht.“

Natürlich kenne ich diesen Satz. Und selbstverständlich hat sie Recht. Ich hätte die drei Minuten immer irgendwie erübrigen können, um mir meine neuen positiven Glaubenssätze einzutrichtern. Ich bin halt einfach nicht konsequent genug. Nie halte ich etwas bis zum Ende durch! Das ist mir schon so oft passiert, dass ich voller Enthusiasmus angefangen habe und dann…“

„Halt, halt, halt!“, schreit sie entrüstet dazwischen. „Merkst du nicht, was du da gerade machst?“

„Was mache ich denn?“ Ich habe keine Ahnung, warum sie sich so aufregt.

„Du betest dir gerade mal wieder negative Glaubenssätze herunter. Damit machst du ja alles wieder kaputt, was wir gerade aufbauen wollen.“ Dann setzt sie noch ein empörtes „Dummkopf“ hintendran.

Hat sie mich jetzt gerade beleidigt? Doch bevor ich mich aufrege, fällt mir ein, dass sie ja Recht hat. Ich bin tatsächlich wieder in mein altes negatives Verhaltensmuster gefallen. Ach du Sch …, denke ich noch.

„Ich sehe schon, wir haben noch viel Arbeit vor uns. Du hast wahrscheinlich keinen blassen Schimmer wie Leben funktioniert und welche Gesetzmäßigkeiten man beachten muss, wenn man etwas erreichen will.“

Das Leben läuft nach Gesetzmäßigkeiten ab, frage ich mich. Und warum weiß ich davon nichts? Da kann ich mich ja abstrampeln, wie ich will und bekomme nichts auf die Reihe, wenn ich keine Ahnung, habe wie was zusammenhängt.

„Sei nicht traurig“, tröstet mich die Eule. „Dafür hast du ja mich. Ich erkläre dir, wie die Welt funktioniert.“

Obwohl ich nicht weiß, ob mir diese Lösung gefällt, nicke ich ergeben. Außerdem nehme ich mir vor, dass ich in dieser Woche meine Perlen keinesfalls zurückschütten werde. Und wenn ich kurz vor Mitternacht noch einmal aufstehen muss. Vielleicht macht es auch Sinn, sich einen festen Termin am Tag für diese Übung zu reservieren? Dann müsste das doch zu packen sein.

„Bingo“, tönt es zur Bestätigung. Und ich bin tatsächlich froh, dass ich endlich einmal eine Anerkennung von Plan B bekommen habe.

2016-08-12 16.21.29

 

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