junggenug

Das Leben ändern – auch wenn man keine 20 mehr ist


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Plan B und das Gesetz der immerwährenden Umwandlung

Diesmal bin ich es, die die Eule fordernd ansieht. Als sie nicht reagiert, melde ich mich von allein. „Du wolltest mir die Gesetzmäßigkeiten des Lebens erklären“, beschwere ich mich.

Sie brummt: „Ja, doch. Lass mich nachdenken“.

Schau an, denke ich, der kluge Vogel muss überlegen.

Beleidigt klappt sie den Schnabel auf: „Ich muss es ja schließlich so rüber bringen, dass du es auch verstehst. Wenn ich sage, dass das erste Gesetz, das Gesetz der immerwährenden Umwandlung heißt, weißt du noch lange nicht, was ich meine.“

Natürlich, jetzt bin ich wieder der Dummkopf.

„Und was heißt das nun?“, frage ich verstimmt.

„Dass sich immer alles umwandelt“, kommt die patzige Antwort.

„Klasse definiert“, höhne ich. „Du bist wie einer meiner Mathelehrer, der mir mal Fakultät mit Fakultät erklärt hat.“

„Haste wohl nicht begriffen?“, giftet sie zurück. „Mathe ist wohl nicht dein Ding? Kein Wunder, dass du immer noch so einen miesen Kontostand hast.“

Jetzt bin ich bedient und will gehen.

„Halt“, ruft sie da auf einmal mit ganz normaler Stimme. „Genau das war es doch!“

„Verstehe ich nicht.“

Der kleine weiße Kunststoffvogel macht ein wichtiges Gesicht. „Energie tendiert dazu, eine materielle Form anzunehmen.“

„Und was hat das mit unserer Diskussion über Mathe zu tun?“

„Die war doch ziemlich negativ, oder?“

„Ja“, brumme ich. „Aber ..?“

„Warte“, unterbricht sie mich. „Dieses Gespräch war die pure negative Energie. Darin stimmst du mir doch zu?“

Ich nicke.

„Und wie hast du dich gefühlt?“, fragt sie weiter.

„Ganz schön mies“, gebe ich zu.

„Da hast du es“ spricht sie, während sie eifrig mit dem Kopf nickt.

???

„Denk nach“, fordert die Eule.

Ich überlege. Das Gespräch war die Energie, die hat sich in eine Art materielle Form umgewandelt, also in mein Gefühl. Ergo war das Negative, was ich zuerst nur gedacht habe, am Ende das, was real für mich wurde. Ob sie das meint?

„Bingo!“, tönt es von ihrem Platz.

„Ja, aber du hast mich wütend gemacht. Zählt das eigentlich?“

Die Antwort lässt nicht auf sich warten. „Es ist doch egal, wer dich wütend, traurig oder was auch immer macht. Das machst du doch ganz oft genug auch selber. Du sagst dir, dass du das nicht kannst, dass du nicht gut genug bist, dass du das nicht verdienst. Und lauter solche Sachen. Daraus entsteht ein Gefühl, mit dem du dann in die Welt gehst und, was noch viel schlimmer ist, mit dem du dich in der Welt bewegst.“

Ich schweige lieber erst einmal und lasse sie weiter reden.

„Die Gedanken und Bilder, die du in deinem Kopf trägst, werden in den meisten Fällen zu deiner Realität.“

Ich nicke verhalten.

„Deine Gedanken, die in unserem speziellen Fall, hinter den Worten waren, die du gesagt hast, sind Energie. Sie wandeln sich, da hast du mir zugestimmt, in Emotionen um. Und diese Emotionen beeinflussen deine Entscheidungen und damit dein Leben.“

Übertreibt sie jetzt nicht ein bisschen?

„Deine Gedanken haben dich wütend gemacht. Diese Emotion hat beinahe dafür gesorgt, dass du unser Gespräch abgebrochen hättest. Dann hättest du nie etwas vom Gesetz der immerwährenden Umwandlung erfahren. Und auch die anderen Gesetze würden dir unbekannt bleiben, wenn du deinem Frust, der durch deine Gedanken entstanden ist, nachgegeben hättest.“

Das klingt ziemlich kompliziert, aber wenn ich so richtig darüber nachdenke, dann hat dieses kleine weiße Dingsbums wohl wieder einmal Recht.

„Wieso nennst du mich in Gedanken „kleines weißes Dingsbums“? Ich habe dich immer noch nicht überzeugt, dass ich dir viel wichtigere Sachen beibringen kann, als du in all den Jahren in der Schule gelernt hast.“

„Doch, doch“, versichere ich schnell.

„Dann höre auf, so komisch über mich zu denken“, fordert sie. „Erst wenn ich an deinen Emotionen erkenne, dass du mir wirklich glaubst, wird sich dein Leben ändern.“

Immer hat sie das letzte Wort.

swarovski

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Plan B – von Schuld und Rückschlägen

Eigentlich sollte ich einen Textauftrag abarbeiten. Aber ich fühle mich wieder einmal beobachtet. Das kleine Ding auf meinem Schreibtisch starrt mich wie schon so oft aufdringlich an. Ich kann so nicht arbeiten!

Also gebe ich auf und frage gleich, was sie denn heute wieder von mir will.

Zufrieden, weil sie ihr Ziel erreicht hat, wackelt sie mit dem Kopf und fragt mit zuckersüßer Stimme: „Und?“ – Pause – „Wie geht es dir?“

„Wie soll es mir gehen? Gut natürlich. Ich bin gesund, habe genug Aufträge und mein Konto ist nicht leer.“

„Das meine ich nicht!“

Natürlich weiß ich, dass sie das nicht gemeint hat. Sie will wissen, wie das mit dem Verankern der positiven Glaubenssätze so funktioniert. „Ich arbeite daran“, ist meine ausweichende Antwort.

„Aha.“

Diese Besserwisserei geht mir schon lange auf die Nerven. Wie kann man nur so viel in ein einziges Wort legen. Obwohl AHA ist ja nicht mal ein Wort. Es ist ja nur ein… Wie nennt man sowas eigentlich?

Bevor ich mich näher mit dieser Problematik befassen kann, hakt sie schon nach: „Lenk nicht vom Thema ab. Sage mir, wie viele Perlen in deinem zweiten Glas sind. Unser letztes Gespräch ist ja schon eine Woche her. Also müssten es sieben sein, wenn du konsequent warst.“

„Es sind nicht sieben,“ maule ich.

„Wie viel?“ Plan B, die alte Nerv-Eule will es natürlich genau wissen.

Das ist mir jetzt doch peinlich. „Eine“, antworte ich leise und fasse es nicht, dass ich mich vor einer weißen Kunststofffigur schäme.

Keine Reaktion.

Trotzdem fange ich an mich zu verteidigen: „Ich musste drei Mal neu anfangen, weil ich immer keine Zeit hatte, die ganze Liste herunterzubeten.“

„Ach du Arme“, spottet sie.

„Kannst du glauben“, versichere ich ihr. „Das ist nicht meine Schuld. Ich wollte ja, aber die äußeren Umstände waren gegen mich.“

„Vollkommen klar! Du hast so viel zu tun, dass du nicht einmal 3 Minuten Zeit findest, um an deiner Zukunft zu arbeiten“, kommt es ziemlich höhnisch zurück.

Wenn sie das so sagt, dann komme ich mir ziemlich doof vor. Aber ich mag noch nicht kleinbeigeben. „Es war ja wirklich nicht meine Schuld. Da war …“

Sie unterbricht mich, indem sie den Schnabel ganz weit aufsperrt und würgt, ganz so also wollte sie sich übergeben. Sie wird doch nicht auf meinen Schreibtisch? Können Kunststoffeulen eigentlich kotzen?

„Können wir nicht“, lautet prompt die Antwort. „Aber das würde ich gerade gerne machen.“

Sie plustert sich auf und schüttelt sich theatralisch: „Wer ist schuld? Aber bedenke, bevor du etwas erwiderst – wem du die Schuld gibt’s, dem gibst du die Macht.“

Natürlich kenne ich diesen Satz. Und selbstverständlich hat sie Recht. Ich hätte die drei Minuten immer irgendwie erübrigen können, um mir meine neuen positiven Glaubenssätze einzutrichtern. Ich bin halt einfach nicht konsequent genug. Nie halte ich etwas bis zum Ende durch! Das ist mir schon so oft passiert, dass ich voller Enthusiasmus angefangen habe und dann…“

„Halt, halt, halt!“, schreit sie entrüstet dazwischen. „Merkst du nicht, was du da gerade machst?“

„Was mache ich denn?“ Ich habe keine Ahnung, warum sie sich so aufregt.

„Du betest dir gerade mal wieder negative Glaubenssätze herunter. Damit machst du ja alles wieder kaputt, was wir gerade aufbauen wollen.“ Dann setzt sie noch ein empörtes „Dummkopf“ hintendran.

Hat sie mich jetzt gerade beleidigt? Doch bevor ich mich aufrege, fällt mir ein, dass sie ja Recht hat. Ich bin tatsächlich wieder in mein altes negatives Verhaltensmuster gefallen. Ach du Sch …, denke ich noch.

„Ich sehe schon, wir haben noch viel Arbeit vor uns. Du hast wahrscheinlich keinen blassen Schimmer wie Leben funktioniert und welche Gesetzmäßigkeiten man beachten muss, wenn man etwas erreichen will.“

Das Leben läuft nach Gesetzmäßigkeiten ab, frage ich mich. Und warum weiß ich davon nichts? Da kann ich mich ja abstrampeln, wie ich will und bekomme nichts auf die Reihe, wenn ich keine Ahnung, habe wie was zusammenhängt.

„Sei nicht traurig“, tröstet mich die Eule. „Dafür hast du ja mich. Ich erkläre dir, wie die Welt funktioniert.“

Obwohl ich nicht weiß, ob mir diese Lösung gefällt, nicke ich ergeben. Außerdem nehme ich mir vor, dass ich in dieser Woche meine Perlen keinesfalls zurückschütten werde. Und wenn ich kurz vor Mitternacht noch einmal aufstehen muss. Vielleicht macht es auch Sinn, sich einen festen Termin am Tag für diese Übung zu reservieren? Dann müsste das doch zu packen sein.

„Bingo“, tönt es zur Bestätigung. Und ich bin tatsächlich froh, dass ich endlich einmal eine Anerkennung von Plan B bekommen habe.

2016-08-12 16.21.29