junggenug

Das Leben ändern – auch wenn man keine 20 mehr ist


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Plan B und das Gesetz des Rhythmus

Heute ist die Eule seltsam unaufgeregt. Sie zappelt nicht. Schwankt auch nicht hin und her. Ich finde das komisch und vermute, dass da wieder einmal etwas dahinter steckt.
Also frage ich sie: „Warum bist du heute so ruhig?“

Plan B klappert mit den Augen. „Weil mir so ist.“

Ich will gerade maulen, dass das keine Antwort sei, die mich zufriedenstellt, da fängt sie an zu singen. „Jegliches hat seine Zeit, Steine sammeln, Steine zerstreu’n, Bäume pflanzen, Bäume abhau’n, Leben und Sterben und Streit.“ Woher kennt sie einen Liedtext von den Puhdys? Natürlich mag ich den Song „Wenn ein Mensch lebt“. Ich konnte ihn sogar mal vollständig mitgröhlen, als ich auf dem einen oder anderen Konzert dieser Gruppe war. Manno, ist das lange her!

Ich will gerade in die Erinnerungen an meine Jugendzeit abtauchen, als ich merke, dass die kleine weiße Plastefigur unruhig mit einem ihrer Eulenfüße auf den Schreibtisch klopft. Ihre Füße hatte ich mir noch nie so genau angesehen, obwohl sie schon seit einigen Wochen auf meinem Schreibtisch steht. Sie haben drei Zehen. Ist das in echt auch so? Ich muss das jetzt unbedingt wissen und ignoriere ihre Ungeduld. Tatsächlich – es stimmt. Auf einer Greifvogelseite finde ich die Abbildung eines Eulenfußes mit drei Zehen und daneben steht: „Kurzbeschreibung: Todeskrallen für Maus, Spatz & Co“. Das klingt ja dramatisch! Wird aber wohl so sein. Schließlich sind echte Eulen ja richtig gute Jäger.

„Bist du jetzt fertig?“, unterbricht Plan B meine Überlegungen.

„Ja. Bin ich.“ Sie hat ja Recht. Es ist nicht gerade sehr produktiv, den Tag mit dem Sinnieren über Eulenfüße zu verbringen. So viel ist an denen ja auch nicht dran. Ich muss kichern, als mir dieser Satz einfällt. Sogleich schiele ich zu meiner kleinen weißen Begleiterin hinüber. Immerhin kann sie meine Gedanken lesen. Obwohl sie es nicht soll, tut sie es ja immer wieder. Doch diesmal kommt keine Reaktion von ihr.

Ich wiederhole meine Frage von vorhin. „Du bist so in dich gekehrt?“

Die Eule nickt. „So ist das im Leben. Mal ist man aufgedreht und zapplig, ein anders mal ruht man in sich. Das geht dir doch auch nicht anders. Kein Mensch kann ständig oben auf sein, immer voll Power geben, ohne dass er Ruhephasen einlegt.“
Ich nicke und sie fährt fort. „Alles bewegt sich. Es geht immer hin und her. Ebbe und Flut. Tag und Nacht. Die Jahreszeiten wechseln. Nichts steht ewig still. Selbst die Berge werden angehoben und abgetragen. So ist das halt.“

Ich ahne etwas. „Ist das ein weiteres Gesetz?“

Mein Gegenüber strahlt. Soweit man das von einer kleinen Kunststofffigur behaupten kann. „Es ist da Gesetzt des Rhythmus.“

Sie macht eine rhetorische Pause, während ich warte.

„Gute Zeiten wechseln sich mit schlechten Zeiten ab.“ Jetzt scheint sie richtig zu grinsen. „Insofern ist der Titel dieser endlosen Seifenoper im Fernsehen total gut gewählt.“

„Was bedeutet das aber für mich?“, frage ich. Das Letzte worauf ich Lust hätte, wäre über eine Seifenoper zu diskutieren.

Sie verdreht die Augen. Wahrscheinlich hält sie mich für begriffsstutzig. „Immer dann, wenn du in einer ungünstigen Situation bist, dann sei dir bewusst, dass es auch wieder bergauf geht.“

„Manchmal denkt man aber, schlimmer kann es nun nicht mehr kommen und es wird trotzdem noch viel besch…“, werfe ich ein.

„Und worauf hast du in so einer Lage den Fokus gerichtet?“, kontert sie. Ohne meine Antwort abzuwarten, folgt die Erklärung. „Du hast daran gedacht, wie schlecht es dir geht, wie verfahren die Karre ist und wie unglücklich du bist.“

Eigentlich wollte ich was entgegnen, aber sie hat mir den Wind aus den Segeln genommen.

„Hättest du dich darauf konzentriert eine Lösung zu finden, statt gedanklich zu jammern, wärst du mit einem bessern Gefühl durchs Leben gegangen.“

„Wenn es aber keine Lösung gibt?“, brumme ich.

„Es gibt eine. Weil sich alles bewegt. Das ist das Gesetz des Rhythmus. Es funktioniert wie bei einem Pendel oder der Schaukel. Um hochzukommen, muss man auch mal unten sein.“

Ich reibe mir nachdenklich den Nacken.

Sie fährt in einem eindringlichen Ton fort. „Wenn du das weißt, dann kannst du dir bewusst machen, dass eine derzeitig unerquickliche Situation nur ein temporärer Zustand ist. Richte deine Gedanken auf den Weg, der vor dir liegt. Es kann nur besser werden, weil sich das Pendel wieder nach oben bewegen muss. Wenn du den Focus deiner Überlegungen auf die Zukunft legst, dann wirst du dich besser fühlen.“

„Aber wenn ich oben bin, dann muss ich ja eh wieder runter“, entgegne ich triumphierend. Jetzt habe ich sie endlich! Und überhaupt, was sind das heute für geschwollen Worte! Temporär. Kann sie nicht zeitweise sagen?

„Blödfrau“, kommt es zurück. „Mach dir nur alle deine Erfolge kaputt in dem du daran denkst, dass nichts von Dauer ist.“

Sie schnauft. „Natürlich ist nichts von Dauer. Es kommt immer darauf an, wie du mit einem Höhepunkt umgehst. Was glaubst du, warum die meisten Lottogewinner nach kurzer Zeit wieder pleite sind. Weil sie nicht an das Gesetz des Rhythmus glauben oder es erst gar nicht kennen.“

Wieder eine Pause. Wahrscheinlich wartet sie auf eine Entgegnung von mir. Aber ich sage nichts. Ich muss das erst einmal verdauen. So fährt sie fort: „Wenn du weißt, welche Gesetze das Leben beherrschen, dann kannst du dich darauf einlassen. Du kannst beispielsweise Vorsorge treffen, für die Zeiten, in denen es nicht bergauf geht. Du kannst deine Gedanken und Ziele auf die neue Bergspitze richten, um den Vorgang nach oben zu unterstützen. Und du wirst dich besser fühlen, weil du weißt, dass alles im Fluss ist. Panta rhei, zu Deutsch ‚alles fließt‘, haben die alten Griechen gesagt. Oder wenn du es nicht ganz so philosophisch haben willst‚ auf Regen folgt Sonnenschein‘.“

Die Eule sieht mich an. „Das Ganze ist übrigens wie immer ein universelles Gesetz. Es kann nicht immer bergauf gehen. Selbst in der Wirtschaft nicht. Dummerweise scheinen das eure Politiker konsequent zu übersehen.“

Sie zwinkert mir mit einem Auge zu und stellt sich an ihren angestammten Platz. „Ich glaub jetzt, hast du erst einmal genug Stoff zum Nachdenken. Das ist viel sinnvoller als nach Eulenfüßen zu googeln.“

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Bildquellenangabe: Sören Nielsen  / pixelio.de

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Plan B und das Gesetz der Polarität

Ich habe zu arbeiten, aber ich kann nicht. Diese Eule macht mich verrückt!

Heute klappt sie einen Flügel nach hinten und den anderen nach vorn. Dann wechselt sie. Es sieht aus, so als würde sie tanzen. Eigentlich hält sie ihre Schwingen ja sonst meist still. Doch diesmal nicht. Wusch, wusch macht es immer wieder. Vor und zurück, vor und zurück.

Ich will nicht hinsehen, aber das klappt nicht. Also drehe ich betont langsam meinen Kopf zu ihr herum und schaue sie vorwurfsvoll an.

„Was?“, fragt sie mich mit Unschuldsmiene, während es weiter wusch, wusch rauscht.

Ich tue ihr den Gefallen und frage sie: „Was machst du da“?

„Qigong.“

Ich falle gleich vom Stuhl. „Das ist wohl Hochgeschwindigkeits-Qigong! Oder warum wedelst du wie wild mit den Armen?“

Sie hält beleidigt inne: „Als ich es langsam gemacht habe, da hast du nicht hergeschaut! Und außerdem heißt es bei Eulen Flügel!“

Ich brumme: „Sorry, ich wollte eigentlich arbeiten“.

„Aber ich wollte mich unterhalten“, mault sie.

„Das ist aber genau das Gegenteil von dem, was ich will. Ich muss mich konzentrieren und brauche Ruhe.“

Sie trippelt hin und her. „Du bist ganz schön groß“, meint sie dann vollkommen zusammenhangslos.

Ok, denke ich, sie gibt ja sowieso keine Ruhe: „Und du bist ganz schön klein“.

„Groß ist das Gegenteil von klein“, sinniert sie. Dann beginnt sie wieder ihre Flügel zu bewegen. Diesmal aber ganz langsam. „Sieh mal“, zwitschert sie ganz aufgeregt. „Einer ist hinten und einer ist vorn. Ich kann mit meinen Schwingen auch ein Gegenteil machen.“

„Toll“, meine Begeisterung hält sich in Grenzen.

„Hat denn alles ein Gegenteil?“, fragt sie. Irgendwas hat sie vor. Ich weiß nicht was, aber den Ausdruck in ihren Augen kenne ich inzwischen. Es ist vielleicht besser, wenn ich auf der Hut bin!

Bevor ich etwas erwidern kann, schlägt sie ein Spiel vor. Sie nennt es Gegenteilsuche. In Gedanken verabschiede ich mich von der Idee, dass ich heute noch zum Arbeiten komme und nicke resigniert.

Sie beginnt: „Nacht.“ Ich: „Tag“. Die Eule: „Schwarz“. Meine Antwort: „Weiß“. Und so geht das eine halbe Ewigkeit hin und her. Irgendwann sagt sie „Yin“. Und ich entgegne: „Yang“.

Die kleine weiße Kunststoffeule seufzt erleichtert: „Ich glaube, jetzt hast du es begriffen.“

„Was?“, frage ich verständnislos.

Sie schaut mich konsterniert an: „Na das Gesetz der Polarität“.

„Ach“, lautet mein leicht verstimmter Kommentar: „Das war schon wieder eine neue Lektion?“

Plan B legt noch ein bisschen mehr Beleidigtsein in ihren Blick. „Glaubst du etwa, ich halte dich mit Nichtigkeiten von der Arbeit ab?“

Ich lenke ein. „So war das nicht gemeint. Entschuldige. Aber sei so gut und erklär mir das noch ein bisschen genauer.“

„So wie ein Lehrer seiner Schülerin?“, fragt sie mit einem komischen Unterton nach.

Ich nicke und überlege, was sie nun schon wieder vorhaben könnte. Wenn sie so spricht, dann führt sie was im Schilde.

Sie trippelt ein wenig hin und her, setzt eine wichtige Mine auf und verkündet: „Sagen wir mal so: Ich habe das Wissen.“

Mir bleibt ja nichts anderes übrig, als wieder zu nicken.

„Ich bin klug“, tönt es daraufhin ziemlich überheblich von ihr.

Ha! Jetzt weiß ich was sie vorhat! „Jetzt werde mal nicht frech! Wenn du denkst, dass ich in diese Falle tappe, dann hast du dich geschnitten. Du bist klug und ich bin das Gegenteil! Das kannst du aber vergessen.“

Die Eule kichert. „Schade, hätte ja klappen können.“

Dann wird sie ernst: „Also, das Gesetz der Polarisation besagt nichts anderes, als dass von all dem, was wir irgendwie betrachten, bewerten oder wie auch immer ansehen, jeweils ein Gegenteil existiert. Hell und dunkel. Warm und kalt. Innen und außen. Man kann nicht etwas als schön bezeichnen, wenn man nicht eine Vorstellung davon hat, was hässlich ist.“

Ich wackle zustimmend mit dem Kopf. Wenn ich nur wüsste, wie das Wissen um diesen Gesetz mir im Leben weiterhelfen soll. Ich kann mir nicht vorstellen, wozu das gut ist.

Natürlich liest sie mal wieder meine Gedanken. „Das bedeutet, dass ein unangenehmer Aspekt in deinem Leben, irgendwo auch einen positiven Gegenpol hat.“

Ich puste skeptisch: „Wenn mein Konto leer ist, wo ist dann das positive Gegenstück?“

Sie schaut mich einfach nur an. In meinem Kopf rödelt es. Was soll das? Angenommen ich bin pleite, obwohl ich ständig arbeite. Was ist das Gute daran? Was wäre das Gegenteil? Wenn ich weniger arbeite, habe ich dann mehr Geld? Langsam formt sich da so eine Idee in meinem Kopf. Vielleicht habe ich die falschen Fragen gestellt und habe nicht tief genug gegraben.

Die kleine Eule nickt euphorisch.

Ich versuche, meine Überlegungen auszuformulieren. „Wenn ich an etwas Mangel leide, dann muss es irgendwo auch einen Überfluss geben.“ Dann hole ich erst einmal tief Luft.
„Betrachten wir das Ganze einmal vollkommen losgelöst von allen Emotionen. Diese beiden Pole bekommen ihren positiven beziehungsweise negativen Charakter durch meine Bewertung. Wenn ich das eine ablehne, dann sollte ich vielleicht das andere anstreben.“

Jetzt ist es an meinem Gegenüber, erneut zu nicken.

Zögerlich spreche ich weiter: „Kann das Positive an einer misslichen Lage auch darin bestehen, dass ich die Ursache dafür hinterfrage und beschließe daran etwas zu ändern?“

„Natürlich“, tönt sie. „Du musst nur die richtigen Fragen stellen.“

„Hmm“, brumme ich. „Du klingst wie Tepperwein.“

„Wer ist das?“

Ich stehe auf, laufe zum Bücherregal, nehme einen Band heraus und halte ihn der Eule unter den Schnabel. Sie liest laut „Kurt Tepperwein. Krise als Chance“, und fragt: „Hast du das Buch gelesen?“

Eigentlich wollte ich sie mit dem Buch nur verblüffen, aber nun druckse ich etwas herum. „Ich fand es nicht so gut.“

Wenn dieser kleine Kunststoffvogel Augenbrauen hätte, würde er diese jetzt hochziehen: „Dir war die Sache mit der Polarität nicht klar“.

Mir bleibt nichts anderes übrig, als zuzustimmen. Und als ob das noch nicht genug wäre, setzt mein Gegenüber noch einen drauf. „Weißt du, wie es bei uns Eulen heißt?“

Rhetorische Pause.-

„Die Krise des Eies, ist die Chance des Kükens.“

Manno – immer hat sie das letzte Wort!

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Bildquellenangabe: Carina Döring  / pixelio.de