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Das Leben ändern – auch wenn man keine 20 mehr ist


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Plan B und das Bewusstsein

„Hör auf, dir Sorgen zu machen!“ Plan B schaut mich vorwurfsvoll an.

„Du hast gut reden“, erwidere ich. „Du bist eine Plastikfigur, stehst auf meinem Schreibtisch herum und musst dir keine Gedanken über Miete, Strom und andere Kosten machen. Du brauchst ja nicht mal was zum Essen“, maule ich weiter.

Die Eule verdreht die Augen. „Wie oft habe ich schon mit dir über negative Gedanken geredet?“

„Ja, aber ..“

„Halt jetzt den Schnabel!“, unterbricht sie mich.

Ich habe keinen Schnabel, will ich widersprechen, aber ich lasse es, denn es wäre ja doch bloß Haarspalterei. Stattdessen schaue ich sie erwartungsvoll an.

Sie seufzt, plustert sich einmal kurz auf und beginnt mit wichtiger Miene. (Ich weiß aus Erfahrung, dass das jetzt ein längerer Vortrag wird.) „Menschen sind kompliziert. Sie funktionieren auf verschiedenen Ebenen. Für unsere Betrachtungen sind das Bewusstsein und das Unterbewusstsein interessant. Über das Bewusstsein agiert man mit der äußeren Welt. Dort werden die Informationen verarbeitet die durch Sehen, Hören, Fühlen und Schmecken über die Sinne eingehen. Dort werden logische Zusammenhänge erstellt, Gedanken gewälzt und es ist Sitz des freien Willens. Es ist ebenfalls für die Entscheidungen verantwortlich. Aus den eingehenden Informationen können Ideen entstehen, Gedenken kreiert und Ziele entwickelt werden. Das Bewusstsein ist verantwortlich dafür, ob du etwas akzeptierst oder ablehnst. Man kann es, zum Glück, nicht von außen zwingen, über etwas nachzudenken oder eine bestimmte Idee anzunehmen.“

Jetzt habe ich sie! „Und was ist mit Gehirnwäsche und Manipulation?“

„Das gehört in den Bereich des Unterbewusstseins. Hier sollte dein Bewusstsein einspringen, die Alarmglocken läuten und fragen, warum du so und so reagierst. Dazu gehört etwas Übung, aber man kann solche Techniken erkennen. Besonders leicht ist es bei kleinen Kindern, die heulen, wenn sie etwas nicht bekommen. Da sagt dein Verstand dann schon, dass das nichts als Erpressung ist. Gibst du nach, dann ist es deine bewusste Entscheidung.“

„Bewusst?“, zweifle ich.

„Na klar“, grinst die Eule. „Du hast in Sekundenschnelle entschieden, dass dir das Gebrüll unangenehmer ist, als auf deinem Standpunkt zu beharren.“

„Hmm“, brumme ich.

„Solche Entscheidungen liegen tatsächlich bei dir. Zumindest, wenn du sie nicht sofort an das Unterbewusstsein weiterreichst. Dann machst du Sachen, bei denen du dich im Nachhinein selber fragst, was dich geritten hat“, meint sie. „Aber das ist ein weites Feld und bringt uns jetzt etwas vom Thema ab. Auf alle Fälle glaubst du doch wohl nicht daran, dass du einen tollen Tag bekommst, wenn du dir einen bestimmten Brotaufstrich am Morgen auf das Brötchen schmierst.“

„Werbung ist Quatsch“, stimme ich zu.

„Das siehst du so, weil dein Bewusstsein sich entschlossen hat, diese Informationen als Reklame einzustufen. Es ist sozusagen der Filter oder der Wächter vor dem Unterbewusstsein. Sonst würdest du sofort losrennen und das Zeug kaufen.“

Ich nicke.

„Alle Gedanken, die im Bewusstsein entstehen, bestimmen deine Emotionen und Gefühle. Daraus entstehen deine Handlungen. Und die sind verantwortlich für den Erfolg, den du im Leben hast.“

„Das hast du schon so oft gesagt. Und warum genau soll ich mir nun keine Sorgen machen, wenn mein Konto fast leer ist?“

Sie verdreht schon wieder die Augen. „Wenn du befürchtest, dass du finanzielle Probleme bekommst, wie fühlst du dich dann?“

„Mies“, antworte ich wie aus der Pistole geschossen.

„Was denkst du?“, hakt sie nach.

„Was wohl?“, brause ich auf. „Warum mir sowas immer passiert? Ich strample mich hier ab und am Ende kommt nix raus! Es reicht gerade mal so, aber große Sprünge kann ich nicht machen.“

„Was macht diese Vorstellung mit dir?“, fragt sie ungerührt.

„Am liebsten würde ich gar nichts mehr machen! Es hat doch sowieso keinen Zweck.“

„Welche Handlungen entstehen aus diesen Gedanken und Gefühlen?“

Was will sie denn jetzt schon wieder? „Na, nichts“, maule ich.

Die Eule strahlt. „Genau!“

???

„Wenn du dich als Opfer fühlst, das nichts machen kann, dann wirst du dich auch so verhalten. Das Ergebnis ist, das alles so bleibt, wie es ist. Dein Unterbewusstsein hat über den Bewusstseins-Filter die Information bekommen, dass es keinen Handlungsbedarf gibt. Seine einzige Aufgabe besteht momentan darin, miese Gefühle auszuschütten. Und wenn du Pech hast, dann verstärken die deine trüben Gedanken noch.“

Verflixt. „Und was soll ich dagegen tun?“

„Anders denken.“ Sie zieht diesen Satz lang, als wäre ich schwer von Begriff.

„Bist du auch manchmal“, kommt es prompt von ihr.

„Jetzt steh auf, nimm den Hund und gehe eine Runde spazieren“, sagt sie im Befehlston. „Dabei gibst du deinem Bewusstsein die Aufgabe nachzudenken, welche Möglichkeiten es gibt, deinen Kontostand aufzubessern.“

Ich finde, das ist gar keine schlechte Idee.

„Und ich denke inzwischen nach, wie ich dir das mit dem Unterbewusstsein nochmal deutlich mache“, meint sie, schließt die Augen und erstarrt zu einer unbeweglichen Dekofigur.

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