junggenug

Das Leben ändern – auch wenn man keine 20 mehr ist

Plan B erklärt was das Talent mit Erfolg zu tun hat

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„Talent“, will ich wissen. „Wie sieht es mit dem Talent aus? Ist das nicht entscheidend, ob ich Erfolg habe?“

„Kannst Du tanzen?“, fragt die Eule zurück.

„Nö“, brummle ich. „Dafür habe ich kein Talent.“

„Aber du kannst dich doch bewegen?“ Sie klappt den Schnabel auf und zu, als würde sie lautlos lachen. „Schließlich bist du Qigong-Lehrerin.“

„Das ist doch etwas ganz anderes! Und außerdem mache ich das schon seit fast zwanzig Jahren. Da sollte ich es wohl langsam zu etwas Präsentablem gebracht haben.“

„Ich finde, Qigong ist ein bisschen wie tanzen“, tönt sie prompt zurück.

Ich verdrehe die Augen: „Das ist aber weit hergeholt.“

„Warum kannst du nicht tanzen?“, will diese nervige Plastefigur nun wissen.

Was sie nur immer mit dem Tanzen hat? Ich kann es halt nicht besonders gut, weil ich es nicht oft mache. Als Kind habe ich gern getanzt, ganz egal, was im Radio lief. Besonders mochte ich die Tänze, bei denen mit dem Fuß aufgestampft wurde. Eines Tages habe ich sowas mal vorgeführt. Als ich dann ganz außer Atem fragte, wie ich gewesen sei, lautete die Antwort: Wie ein Trampel. Seither habe ich nie wieder getanzt, ohne mir Sorgen zu machen, dass es blöd aussieht.

„Da hast du aber eine schöne negative Konditionierung“, meint Plan B.

„Was hat das aber mit meiner Frage, nach dem Zusammenhang von Talent und Erfolg, zu tun?“, maule ich.

„Nicht direkt“, wackelt sie mit dem Kopf. Aber wir haben hier zwei sehr interessante Fakten.“

Ich ziehe die Augenbrauen hoch. Na, das kann ja wieder was werden. Doch bevor ich mir darüber weiter Gedanken mache, fährt sie fort:

„Erstens hast du eine negative Konditionierung aus der Kindheit, die dir das Tanzen vermiest. Wenn man dir nicht gesagt hätte, dass du ein Trampel bist, dann hättest du sicher öfter getanzt und Spaß dabei gehabt.“

Sie sieht mich fragend an. Ich nicke. Und sie spricht weiter:

„Für einen Außenstehenden sieht Qigong schon irgendwie aus, wie ein langsamer Tanz.“

Wenn sie unbedingt meint! Also nicke ich ergeben.

„Als du mit Qigong angefangen hast, warst du der Meinung, dass du nicht gut tanzen kannst. Du hast kein Talent dafür, hast du geglaubt. Tanzen ist Bewegung. Qigong ist Bewegung.“

Worauf will sie hinaus?

„Wir bleiben also dabei, dass Tanzen und Qigong beides Bewegungsformen sind. Und wir sind uns einig, dass du für elegante Bewegungen kein Talent hast, denn du bist ja ein Trampel?“

Das ist ja wohl frech! Ich schnaube empört.

„Wenn du sagst, dass du fast zwanzig Jahre Qigong machst, dann heißt das doch irgendwie, dass du zwei Jahrzehnte etwas übst, wofür du eigentlich kein Talent hast.“

„Aber ich bin eine gute Qigong-Lehrerin!“, brause ich auf.

Sie flattert beschwichtigend mit einem Flügel. „Das will ich doch gar nicht in Abrede stellen.“

„Was willst du mir denn dann sagen?“, frage ich verwirrt.

Die Eule blinkert mit den Augen. „Talent ist nur eine Seite des Erfolges. Und die wird maßlos überschätzt.“

„Dann ist es das Üben?“, will ich nun wissen.

„Jein.“

Wie ich diese Antwort hasse! Die bekomme ich, bei jedem zweiten Gespräch, mindestens einmal zu hören.

„Es sind mehrere Faktoren, die den Erfolg bringen. Es geht um Talent, Üben, Motivation und wie man die universellen Gesetze anwendet.“

„Aber ich kannte doch diese Gesetze vorher noch gar nicht!“, triumphiere ich. „Und trotzdem gebe ich zahlreiche Kurse in der Woche.“

Plan B verdreht die Augen. „Aber sie wirken doch immer. Hast du das vergessen?“

Ich sage jetzt besser nix.

„Es gibt, so sind die neuesten wissenschaftliche Erkenntnisse, drei Faktoren, die den Erfolg beeinflussen. Das ist das Können, die Möglichkeiten und das Wollen.“

Sie fängt wieder an, mit verschränkten Flügeln auf dem Schreibtisch auf und ab zu wandern. Daher weiß ich, dass jetzt ein längerer Vortrag kommt.

„Können definieren wir mal kurz, als etwas Talent und eine Menge Lernen und Üben. Dabei gehe ich jetzt außerdem davon aus, dass zum Ganzen dazukommt, dass man diese Sache von vornherein auch mag.
Als Möglichkeiten nehmen wir die Rahmenbedingungen und dein Handeln. Über die Umgebung haben wir ja schon gesprochen. Die macht schon etwas aus, ist aber lange nicht entscheidend. Auch deine Konditionierung fällt unter die Rahmenbedingungen. Nach deinem Erlebnis mit der Trampel-Bezeichnung, sahen deine Ambitionen, eine Tänzerin zu werden, nicht besonders gut aus. Beim Qigong dagegen war es anders. Zum Glück hat da niemand dazwischengefunkt. Das hatte von Anfang an eine Bedeutung für dich. Und genauso hast du darüber gedacht und davon gesprochen. Du hast dich im Laufe der Zeit immer weiter entwickelt. Und du hast dir vorgestellt, wie es ist, dein Wissen weiter zu geben. Erinnere dich: Kaum jemand hat hier gewusst, was Qigong ist, als du damit angefangen hast. Aber du hast die entsprechenden Schwingungen ausgesendet. Und nun gibst du in der Woche etliche Kurse.
Das Wollen ist schnell erklärt. Wenn man etwas wirklich, aus sich selbst heraus, will, dann braucht es keine Motivation von außen. Darüber können wir uns vielleicht ein anderes Mal intensiver unterhalten.
Für heute fasse ich zusammen: Erfolg hängt weniger von dem Talent ab, das du für eine Sache mitbringst, sondern viel mehr davon, wie du dich auf eine bestimmte Art und Weise verhältst.“

„Und so sind wir wieder bei den universellen Gesetzen“, stimme ich ohne Protest zu.

„Klaro. Darauf läuft es am Ende immer hinaus.“, sagt sie und zwinkert mir zu.

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