junggenug

Das Leben ändern – auch wenn man keine 20 mehr ist

Plan B und das Unterbewusstsein

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„Wie ist das nun mit dem Unterbewusstsein?“, drängele ich.

Plan B seufzt.

Ich lasse nicht locker. „Du hast mir bisher immer alles so erklärt, dass ich es verstanden habe.“ Ich schaue erwartungsvoll zu der kleinen Plastikfigur.

Die zuckt resigniert mit den Schultern. „Wenn wir davon ausgehen, dass dein Bewusstsein der Wächter am Tor ist, dann ist das Bewusstsein … “ Sie zögert.

Ich versuche einzuspringen: „Der Schatz? Der Drache? Die Prinzessin?“

Die Eule schüttelt den Kopf. „Sagen wir mal, der Garten.“

„Garten?“, zweifle ich. „Was wächst denn da?“

Die Eule nickt. „Genau, ein Garten! Dass was der Wächter durchlässt, fällt als Samen in den Graten.“

Sie fängt an, mit auf dem Rücken verschränkten Flügeln, auf und ab zu gehen. Mir ist sofort klar, jetzt kommt ein längerer Monolog. „Das Unterbewusstsein übernimmt die vom Bewusstsein übermittelten Informationen. Es kann sie bei Bedarf wieder abrufen und weiterverarbeiten. Dabei arbeitet es völlig wertfrei. Es kümmert sich nicht darum, ob das, was es bekommen hat, richtig oder nützlich ist. Um zum Garten zurückzukehren: Es ist ihm vollkommen egal, ob das Unkraut ist, verwertbares Gemüse oder schöne Blumen. Es werkelt immer im Hintergrund und lässt das Wachsen, worauf du deine Aufmerksamkeit lenkst. Wenn du jetzt glaubst, dass dir immer alles schief geht, dann hat es nichts Besseres zu tun, als die Pflanze „Mir geht alles schief“, zu wässern, zu hegen und zur vollen Größe erblühen zu lassen. Drehen sich deine bewussten Gedanken um ein Problem, dann wird das auch im Unterbewusstsein wachsen.“

„Ach du heiliges Kanonenrohr“, sage ich. Da habe ich gerade noch rechtzeitig die Kurve bekommen, bevor ich das Sch-Wort gebrauche. „Ich kann doch nicht die ganze Zeit denken: Alles wird gut, alles wird gut. Trallalala.“

„Du musst dem Wächter die richtigen Samen geben.“ Die Eule grinst. Ich verstehe bis heute nicht, wie man mit einem Schnabel grinsen kann, aber es ist so. „Lass die richtigen Gedanken durch. Denke nicht in Problemen, sondern in Lösungen.“

???

„Wenn du aufhörst, dein Problem als solches anzusehen, sondern als Herausforderung, die einer Lösung bedarf, wird sich dein Unterbewusstsein darauf konzentrieren. Mache dir einen groben Plan, sozusagen als Samen und lasse den im Garten wachsen. Ein Beispiel, wie sowas funktionieren kann, ist das Cluster-Verfahren.“

Jetzt bin ich vollkommen irritiert und das sieht sie mir auch an.

„Sagen wir mal, du willst deine Freunde zum Grillen einladen und möchtest das Ganze optimal vorbereiten. Dann nimmst du ein Blatt und schreibst in die Mitte das Wort Grillen. Darum ziehst du einen Kreis. Dann schreibst du rundherum, was die im Moment so einfällt. Essen, Trinken, Kohle, Stühle … Keine Ahnung, was da noch dazu gehört, denn ich grille selten.“ Sie grinst schon wieder. „Um jedes dieser Worte machst du wieder einen Kreis, den du durch Linien mit der Mitte verbindest. Zu jedem der kleinen Kreise machst du weitere Notizen. Dabei verfährst du immer nach dieser Methode. Das Wort im Kreis ist der Samen und das Unterbewusstsein lässt ihn wachsen.“

Ich bin verblüfft. „Geht das mit allem so einfach?“

Plan B verdreht die Augen. „Das war doch jetzt nur ein Beispiel, um dir die Sache zu verdeutlichen. Aber im Prinzip kann man das schon so sehen. Wenn du in die Mitte „Reich werden“ schreibst, dann bekommst du sicher einige interessante Vorschläge.“

Die Eule wackelt amüsiert mit dem Kopf. „Einmal aufschreiben reicht natürlich nicht. Der Wächter muss aufpassen und nachlegen, damit im Garten das wächst, was du willst.“

Wie, um es sich selber noch einmal zu bestätigen, nickt sie mit dem Kopf. „Wenn dein Bewusstsein wirklich etwas vorhat, dann wird das Unterbewusstsein alles darauf ausrichten, um ans Ziel zu kommen. Dein Denken, Fühlen und Handeln werden in diese Richtung gehen.“

„Ist ja krass!“, werfe ich beeindruckt ein und überlege, was ich mir denn so vorstellen könnte.

Plan B holt mich gleich wieder von meiner Wolke herunter. „Hey, du musst es schon ernst meinen! Glaub ja nicht, dass der Wächter doof ist. Der lässt nichts durch, wovon du nicht selber überzeugt bist.“

Nach einer kurzen Pause meint sie. „Als Nächstes unterhalten wir uns wohl mal über das Denken.“

„Hallo? Na klar kann ich denken!“

„Aber denkst du das Richtige?“, will sie wissen, macht ein hochmütiges Gesicht und schließt die Augen. Das ist das Signal für mich: Heute bekomme ich nichts mehr aus ihr heraus. Wahrscheinlich muss sie selber erst mal überlegen, wie sie das formuliert, frohlocke ich ohne Worte. Und auf einmal bin ich gar nicht mehr so sauer, dass sie meine Gedanken lesen kann, denn ich sehe, wie sie den Schnabel zukneift, um nicht darauf zu antworten.

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