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Das Leben ändern – auch wenn man keine 20 mehr ist


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Plan B und das „richtige Denken“

Irgendwas stimmt nicht mit der Eule. Sie sieht heute so anders aus. Gar nicht mehr so lebendig, denke ich mir. Obwohl ich mich bei diesem Gedanken frage, wie lebendig denn eine Plastefigur aussehen kann.

„Ist was?“, will ich von ihr wissen.

Sie wackelt mit dem Kopf. „Unsere Zeit ist um.“

„Was heißt das?“, hake ich nach.

Sie macht ein leicht verlegenes Gesicht: „Ich kann nicht unendlich mit dir schwätzen.“

„Warum nicht?“ Ich bin bestürzt. „Willst du mich jetzt etwa mit meinen Überlegungen alleine sitzen lassen?“

Die Eule schweigt.

„Das kannst du doch nicht machen! Ich habe mich an dich gewöhnt und an unsere Gespräche. Auch wenn du mich manchmal ganz schön genervt hast. Aber ich will nicht, dass das endet!“

Die kleine Figur schaut mich mit einem undefinierbaren Ausdruck an. „Du brauchst mich jetzt nicht mehr. Wir haben nur noch ein Gespräch und dann kommst du allein zurecht.“

„Komme ich nicht“, beharre ich bockig. Jetzt, wo ich mich so richtig an diese kleine Nervensäge gewöhnt habe, da will sie mich verlassen? Wer hat schon eine sprechende Dekofigur auf seinem Schreibtisch, mit der man philosophieren kann? Und außerdem habe ich sie ja doch irgendwie lieb gewonnen.

„Das ist aber süß“, meint sie.

„Du sollst nicht … „, will ich sie zurechtweisen. Aber ehrlich gesagt ist es mir lieber, wenn sie meine Gedanken liest, als wenn sie ganz aus meinem Leben verschwindet.

„Ich muss aber jetzt gehen“, beharrt sie. „Sonst wird das nix mit dir.“

„Was soll denn das heißen?“, empöre ich mich. „Ich habe eine ganze Menge von dir gelernt. Aber das ist doch noch längst nicht alles, was ich wissen will.“

Die Eule schweigt.

„Ich brauche dich!“, setze ich nachdrücklich hinzu.

„Genau das ist es!“, meint sie.

„Wie, jetzt?“, frage ich verständnislos.

„Du verlässt dich auf mich, aber das hindert dich, am selber denken. Darum muss ich mich jetzt zurückziehen.“ Sie hat schon wieder diesen Dozententon drauf und ich komme mir wie ein gescholtenes Schulkind vor.

„Es ist jetzt an der Zeit, dass du dich im richtigen Denken übst“, fährt sie fort. „Ich habe dir all die theoretischen Grundlagen beigebracht. Aber du hast sie noch nicht verinnerlicht. Weil ich deine Gedanken lesen kann, weiß ich, dass du oft noch denkst „die Eule hat gesagt“. Aber das ist nicht das, was man unter dem Begriff „richtiges Denken“ versteht. Es geht vielmehr darum, dass du dir all diese Erkenntnisse zu eigen machst und als deine eigene Wahrheit begreifst.“

„Aber“, will ich widersprechen. Doch sie schüttelt mit dem Kopf.

„Noch viel zu oft denkst du bei dir, dass ich dir das so und so erklärt habe. Du glaubst mir zwar, aber du hast das Ganze noch nicht verinnerlicht. Es ist noch nicht deins.

„Richtiges Denken“ bedeutet nicht, dass man darüber nachdenkt, wie es sein sollte, sondern dass man seine eigene Wahrheit denkt.“

„Und wie mache ich das?“, maule ich.

„Deine Gedanken, deine Emotionen und deine Handlungen formen den Erfolg deines Lebens. Sie sind der Stoff, der Erreichen der persönlichen Ziele führt. Solange du dich von den Umständen im Außen in deinem Denken beeinflussen lässt, denkst du nicht wirklich, sondern wirst du sozusagen gedacht.“

Ich schweige und so fährt sie fort.
„Du denkst, dass du ohne meine Hilfe nicht zurechtkommst. Also wird es so sein. Du verlässt dich auf mich als äußeren Faktor. Das ist zwar eine geistige Aktivität, aber nicht das richtige Denken, welches gewollte Ergebnisse schafft. Du kennst die Naturgesetze und weißt, wie du dich verhalten musst. Wenn du jetzt noch richtig denken lernst und es auch tust, dann kann dich nichts mehr aufhalten. Je mehr du übst, desto kraftvoller wird das Ganze. Die Ergebnisse bestätigen die Wahrheit deiner Gedanken und dadurch wird das „richtige Denken“ immer präziser und du gleichzeitig authentischer.“

Ich muss zugeben, dass ich mich schon ziemlich stark auf sie verlassen habe und meine eigene Denkweise noch nicht wirklich geändert habe. Es nützt wohl nichts, wenn man die Sachen weiß, man muss sie auch anwenden.

Plan B sagt nichts, aber strahlt mich an.

„Und wenn ich es kann, kommst du dann wieder?“

Sie schweigt immer noch, zwinkert mir aber mit einem Auge zu.
Und plötzlich ist sie nichts weiter als eine kleine weiße Plastikfigur, der man nicht ansieht, dass sie jemals sprechen konnte.

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