junggenug

Das Leben ändern – auch wenn man keine 20 mehr ist


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Plan B – von Schuld und Rückschlägen

Eigentlich sollte ich einen Textauftrag abarbeiten. Aber ich fühle mich wieder einmal beobachtet. Das kleine Ding auf meinem Schreibtisch starrt mich wie schon so oft aufdringlich an. Ich kann so nicht arbeiten!

Also gebe ich auf und frage gleich, was sie denn heute wieder von mir will.

Zufrieden, weil sie ihr Ziel erreicht hat, wackelt sie mit dem Kopf und fragt mit zuckersüßer Stimme: „Und?“ – Pause – „Wie geht es dir?“

„Wie soll es mir gehen? Gut natürlich. Ich bin gesund, habe genug Aufträge und mein Konto ist nicht leer.“

„Das meine ich nicht!“

Natürlich weiß ich, dass sie das nicht gemeint hat. Sie will wissen, wie das mit dem Verankern der positiven Glaubenssätze so funktioniert. „Ich arbeite daran“, ist meine ausweichende Antwort.

„Aha.“

Diese Besserwisserei geht mir schon lange auf die Nerven. Wie kann man nur so viel in ein einziges Wort legen. Obwohl AHA ist ja nicht mal ein Wort. Es ist ja nur ein… Wie nennt man sowas eigentlich?

Bevor ich mich näher mit dieser Problematik befassen kann, hakt sie schon nach: „Lenk nicht vom Thema ab. Sage mir, wie viele Perlen in deinem zweiten Glas sind. Unser letztes Gespräch ist ja schon eine Woche her. Also müssten es sieben sein, wenn du konsequent warst.“

„Es sind nicht sieben,“ maule ich.

„Wie viel?“ Plan B, die alte Nerv-Eule will es natürlich genau wissen.

Das ist mir jetzt doch peinlich. „Eine“, antworte ich leise und fasse es nicht, dass ich mich vor einer weißen Kunststofffigur schäme.

Keine Reaktion.

Trotzdem fange ich an mich zu verteidigen: „Ich musste drei Mal neu anfangen, weil ich immer keine Zeit hatte, die ganze Liste herunterzubeten.“

„Ach du Arme“, spottet sie.

„Kannst du glauben“, versichere ich ihr. „Das ist nicht meine Schuld. Ich wollte ja, aber die äußeren Umstände waren gegen mich.“

„Vollkommen klar! Du hast so viel zu tun, dass du nicht einmal 3 Minuten Zeit findest, um an deiner Zukunft zu arbeiten“, kommt es ziemlich höhnisch zurück.

Wenn sie das so sagt, dann komme ich mir ziemlich doof vor. Aber ich mag noch nicht kleinbeigeben. „Es war ja wirklich nicht meine Schuld. Da war …“

Sie unterbricht mich, indem sie den Schnabel ganz weit aufsperrt und würgt, ganz so also wollte sie sich übergeben. Sie wird doch nicht auf meinen Schreibtisch? Können Kunststoffeulen eigentlich kotzen?

„Können wir nicht“, lautet prompt die Antwort. „Aber das würde ich gerade gerne machen.“

Sie plustert sich auf und schüttelt sich theatralisch: „Wer ist schuld? Aber bedenke, bevor du etwas erwiderst – wem du die Schuld gibt’s, dem gibst du die Macht.“

Natürlich kenne ich diesen Satz. Und selbstverständlich hat sie Recht. Ich hätte die drei Minuten immer irgendwie erübrigen können, um mir meine neuen positiven Glaubenssätze einzutrichtern. Ich bin halt einfach nicht konsequent genug. Nie halte ich etwas bis zum Ende durch! Das ist mir schon so oft passiert, dass ich voller Enthusiasmus angefangen habe und dann…“

„Halt, halt, halt!“, schreit sie entrüstet dazwischen. „Merkst du nicht, was du da gerade machst?“

„Was mache ich denn?“ Ich habe keine Ahnung, warum sie sich so aufregt.

„Du betest dir gerade mal wieder negative Glaubenssätze herunter. Damit machst du ja alles wieder kaputt, was wir gerade aufbauen wollen.“ Dann setzt sie noch ein empörtes „Dummkopf“ hintendran.

Hat sie mich jetzt gerade beleidigt? Doch bevor ich mich aufrege, fällt mir ein, dass sie ja Recht hat. Ich bin tatsächlich wieder in mein altes negatives Verhaltensmuster gefallen. Ach du Sch …, denke ich noch.

„Ich sehe schon, wir haben noch viel Arbeit vor uns. Du hast wahrscheinlich keinen blassen Schimmer wie Leben funktioniert und welche Gesetzmäßigkeiten man beachten muss, wenn man etwas erreichen will.“

Das Leben läuft nach Gesetzmäßigkeiten ab, frage ich mich. Und warum weiß ich davon nichts? Da kann ich mich ja abstrampeln, wie ich will und bekomme nichts auf die Reihe, wenn ich keine Ahnung, habe wie was zusammenhängt.

„Sei nicht traurig“, tröstet mich die Eule. „Dafür hast du ja mich. Ich erkläre dir, wie die Welt funktioniert.“

Obwohl ich nicht weiß, ob mir diese Lösung gefällt, nicke ich ergeben. Außerdem nehme ich mir vor, dass ich in dieser Woche meine Perlen keinesfalls zurückschütten werde. Und wenn ich kurz vor Mitternacht noch einmal aufstehen muss. Vielleicht macht es auch Sinn, sich einen festen Termin am Tag für diese Übung zu reservieren? Dann müsste das doch zu packen sein.

„Bingo“, tönt es zur Bestätigung. Und ich bin tatsächlich froh, dass ich endlich einmal eine Anerkennung von Plan B bekommen habe.

2016-08-12 16.21.29

 

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Plan B – Positive Glaubenssätze verankern

Die Eule beobachtet mich. Ich fühle direkt, wie sie mich ansieht. Eine ganze Weile tue ich so, als ob ich es nicht bemerken würde. Dann halte ich es nicht mehr aus.

„Was ist?“, knurre ich.

„Hast du deine positiven Glaubenssätze aufgeschrieben?“

„Habe ich!“

„Und hast du sie dir laut vorgelesen?“

„Ja!“

„Jeden Tag?“ Nach einer kurzen Pause setzt sie hinzu: „Mindestens früh und abends?“

„Hab ich vergessen. Ich hab einfach so viel zu tun, da denke ich nicht immer daran“, kommt es trotzig von mir zurück.

„Du warst doch im Frühjahr auf diesem Seminar? Was hätte man dir dort bei dieser Antwort gesagt?“

Ich verdrehe die Augen: „Dass ich Geschichten erzähle“.

Das kleine weiße Ding zieht ein komisches Gesicht. Soweit Eulen aus Kunststoff eben ein Gesicht ziehen können. Eventuell bilde ich mir das alles nur ein. „Genau. Du erfindest Ausflüchte. Dann ist es dir vielleicht gar nicht wichtig, dein Leben zu verändern?“

„Doch“, sage ich prompt. Und dann noch: „Aber“.

„Aber was?“

„Naja, ich komme mir total bescheuert vor, wenn ich mir das laut vorlese. Und außerdem ist es auch richtig schwer, eine Gewohnheit daraus zu machen“, gebe ich zu.

„Dass die falschen Glaubenssätze, die du in zig Jahren angesammelt hast, nicht so einfach aus deinem Kopf verschwinden, das hatten wir ja schon. Egal ob du dir blöd vorkommst, oder nicht, da musst du jetzt durch.“ Sie wackelt ein bisschen mit dem Kopf. „Zeig mir mal dein Blatt, auf dem du die neuen Glaubenssätze aufgeschrieben hast.“

Ich hole ein ziemlich zerknittertes Papier hervor.

Sie sieht mich strafend an. „Na so macht das ja sowieso keinen Spaß.“

Was hat sie denn nun schon wieder, maule ich im Stillen und schaue auf meine Vorlage. Zugegeben, besonders schön sieht sie nicht aus. Ich habe da mehrmals was durchgestrichen und mir auch nicht viel Mühe mit der Schrift gegeben. Aber es sollte ja ohnehin nur zum Ablesen sein, schmolle ich vor mich hin.

„Das machst du jetzt schön noch einmal! Und mit schön, meine ich auch schön! Schönes Papier, schöne Schrift und auf die Rückseite noch einige schöne Bilder, die dir das Leben zeigen, das du einmal leben willst. So als Vision.“ Dann setzt sie noch dazu: „Das nennt man Visionsbord, auf Deutsch Traumtafel. Das wirst du dir auch noch jeden Tag ansehen.“

Bevor ich die Augen verdrehe, spricht sie weiter: „Niemand hat gesagt, dass Veränderungen leicht sind. Ich kann mich nur wiederholen. Du musst raus aus deiner Komfortzone und neue, andere Sachen machen. Andere Sachen denken. Und wenn du dir dabei komisch vorkommst, dann ist das ein Zeichen von deinem Unterbewusstsein, das nicht will, dass du etwas änderst. Es versucht, dich vor neuen Erfahrungen zu schützen.“

Weiß ich doch, denke ich bei mir.

„Ha!“, hakt sie sofort ein. „Weiß ich doch – dieser Satz ist tödlich.“

Das verstehe ich jetzt nicht.

Ich komme jedoch nicht dazu nachzufragen, da sprudelt sie schon die Erklärung heraus. „Wenn du es weißt und dich nicht daran hältst, dann heißt es doch nur, dass du es in Wirklichkeit nicht glaubst. Dein Wissen hat keine Auswirkung auf dein Leben, also wird es nichts verändern. Damit bleibt alles wie es ist. Wissen allein hilft gar nichts, du musst handeln. Das was du lernst musst du umsetzen, sonst ist es nutzlos.“

Die Eule plustert sich auf: „Das ist wie positiv denken und negativ handeln. Absolut tödlich für jede Veränderung.“

Ich muss zugeben, dass sie wieder einmal Recht hat. Also werde ich meine neuen, positiven Glaubenssätze auf schönem Papier mit schöner Schrift verewigen. Und ich werde mir auch so ein Visionsbord basteln, damit ich mir immer vor Augen halte, wo ich einmal hin will.

Aber wie schaffe ich es nur, dass ich mir das auch jeden Tag zu Gemüte führe?

„Um eine neue Gewohnheit zu etablieren, braucht es 21 Tage“, ertönt ihre Stimme.

Ich gebe es auf, mich zu beschweren, dass sie schon wieder meine Gedanken liest. Stattdessen frage ich sie, wie ich das angehen soll.

„Gehe in den Keller und hole zwei gleichgroße Schraubgläser, in die du gut mit der Hand hineinfassen kannst.“

Was wird denn das jetzt?

„Die stellst du an eine Stelle, an der du garantiert jeden Tag vorbei kommst. In das rechte Glas füllst du 21 Knöpfe, Perlen, Kieselsteine, Haselnüsse, Erbsen, Bohnen … was auch immer. Mindestens jedoch einundzwanzig Stück. Jeden Tag, an dem du deine Aufgabe erledigt hast, nimmst du eines der Teile von rechts und legst es in das linke Glas.“

Das leuchtet mir ein. „Und wenn ich es mal einen Tag vergesse, dann mache ich es am nächsten Tag doppelt. Stimmt’s?“ frage ich hoffnungsvoll.

„Falsch“, lautet die Antwort. „Wenn du es einen Tag vergisst, dann schüttest du den ganzen Inhalt des linken Glases zurück.“

„Auch am zwanzigsten Tag noch?“, will ich entgeistert wissen.

Die kleine weiße Eule mit Namen Plan B nickt.

Das wird hart, denke ich noch und mache mich trotzdem an die Arbeit.

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Bildquellenangabe: Timo Klostermeier  / pixelio.de


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Plan B – negative Glaubenssätze umwandeln

Ich setze mich ganz stolz mit meinem Zettel, auf dem zig negative Glaubenssätze stehen an den Schreibtisch, und schaue die weiße Eule erwartungsvoll an.

Die schüttelt mit dem Kopf.

„Was ist?“, frage ich sie.

„Ich wundere mich darüber, dass du dich so freust.“

„Warum nicht? Schließlich habe ich ein ganzes Blatt vollgeschrieben.“

„Das ist der Müll, der in deinem Kopf rum spukt und du bist stolz darauf?“
Verflixt und zugenäht. Natürlich hat sie wieder einmal Recht. Ich schaue auf einmal ganz anders auf mein Blatt Papier, auf dem sich lauter Sätze drängeln, die nicht gerade hilfreich sind, wenn man im Leben was bewirken will.

„Und was jetzt?“, frage ich kleinlaut.

„Jetzt musst du sie umwandeln und dein Unterbewusstsein neu programmieren.“

„Und wie funktioniert das?“

„Gib mir ein Beispiel von deinen Sätzen und ich zeige es dir“, verlangt sie.

Ich winde mich bei dem Vorschlag nicht wenig. Vom Prinzip her schreibe ich jeden Tag Sachen, die an die Öffentlichkeit gehen. Aber die meisten davon sind Fiktion. Soll ich jetzt hier mein Innerstes preisgeben? Meine Gedanken und Einstellungen ans Licht zu zerren und vor anderen auszubreiten, das geht mir doch zu weit.

Natürlich weiß dieses weiße Monster genau, was in mir vorgeht. Doch der erwartete Tadel bleibt aus. Stattdessen kommt sie mir mit Verständnis. „Lass uns einfach mal einen ziemlichen Allgemeinplatz nehmen, der bei vielen Menschen im Kopf sitzt.“

Da mir vor lauter Schreck nichts einfällt, schlägt sie „Geld allein macht auch nicht glücklich“ vor. Ich nicke.

„Was ist die Hauptaussage in diesem Satz?“, fordert sie mich auf.

„Geld macht nicht glücklich“, kommt es zögerlich von mir.

„Genau!“ Sie plustert sich auf. „Und glaubst du, dass jemand, der so etwas denkt, reich werden kann?“

Vorsichtig antworte ich: „Nö“.

Die Eule wirft sich in der Brust. „Genau. Dein Unterbewusstsein glaubt, was du denkst. Und wenn du denkst, dass Geld unglücklich macht, dann wird es alles tun, damit du glücklich bist.“ Rhetorische Pause. „Also wird dir das Geld durch die Finger rinnen und du wirst keine Gelegenheiten erkennen, die dich reich machen könnten.“

„Warum macht das blöde Unterbewusstsein sowas mit mir?“, frage ich entsetzt.

„Weil es dafür sorgt, dass es dir gut geht.“

„Aber es geht mir nicht gut, wenn ich ein leeres Konto habe!“

Die Eule wackelt mit dem Kopf. „Du denkst aber, dass Geld unglücklich macht. Und das nimmt ES für bare Münze.“ Jetzt kichert sie auch noch über ihren Wortwitz, dabei ist mir gar nicht zum Lachen.

„Was soll ich denn jetzt tun?“, frage ich sie ziemlich genervt.

„Du musst deine negativen Glaubenssätze auflösen und dein Unterbewusstsein umprogrammieren.“

„Und wie geht das?“

„Mach aus diesem negativen Satz einen positiven.“

„Geld macht glücklich“, kommt es ziemlich genervt von mir als Antwort. Als ob das so einfach wäre!

Die Eule verdreht die Augen. „Kannst du dir vielleicht ein bisschen mehr Mühe geben?“
Ich weiß nicht so wirklich, was sie von mir will. „Begründe es“, hilft sie mir auf die Sprünge.

Ich versuche es noch einmal. „Geld macht glücklich, weil ich damit viele gute Dinge erleben und auch in die Welt tragen kann. Ich brauchte mir keine Sorgen um unbezahlte Rechnungen machen und würde nur die Arbeiten übernehmen, die mir wirklich Spaß machen. Ich könnte die Tierheime unterstützen, anderen helfen. Und, und, und …“

„Geht doch.“ Sie nickt eifrig mit dem Kopf. „Und das machst du jetzt mit jedem deiner negativen Glaubenssätze. Bis du ein ganzes Blatt voller positiver Gedanken hast.“

„Und dann?“

„Dann liest du dir das jeden Tag mindestens einmal früh und einmal am Abend laut vor.“

„Du spinnst wohl!“, kommt es prompt von mir. Ich mache mich doch nicht zum Affen! Nicht mal vor mir selber.

„Wenn du dein Leben ändern willst, dann musst du das so machen. Wie willst du diese neuen Gedanken denn sonst in deinem Kopf festmachen? Da hilf nur ständiges Wiederholen, lautes Wiederholen. Solange bis du selbst ganz fest daran glaubst, was du dir da vorsagst.“

„Pffff“, töne ich ohne rechte Überzeugung.

„Wie alt bist du?“, fragt sie mich daraufhin. Das erscheint mir jetzt doch ziemlich aus dem Zusammenhang gerissen. Und außerdem weiß sie es ja.

„Ja, ich weiß es.“ Natürlich liest sie wieder meine Gedanken.

„Überlege doch mal“, mahnt sie mich. „Seit mehr als 50 Jahren schleppst du diesen Gedankenmüll mit dir herum. Glaubst du in echt, dass es reicht einige positive Affirmationen aufzuschreiben und dein Unterbewusstsein nimmt dir das ab? Da musst du schon stärkere Geschütze auffahren. Um deine Einstellung zu ändern gibt es keine andere Lösung als dich selbst umzuprogrammieren. Es gibt keinen Plan B.“ Sie kichert, „außer mir“.

Ich befürchte, sie hat Recht und ich muss da durch, wenn ich mein Leben umkrempeln will.

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Bildquellenangabe: Claudia Hautumm  / pixelio.de


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Plan B – Negative Glaubenssätze auffinden

Ich sitze am Schreibtisch und bearbeite einen Auftrag. Dabei kann ich regelrecht fühlen, wie mich dieser kleine Kunststoffvogle anstarrt. Nach einer Weile halte ich es nicht mehr aus und knurre: „Was ist?“

„Das weißt du ganz genau!“ kommt die patzige Antwort.

Natürlich weiß ich das, aber so schnelle gebe ich nicht klein bei. „Ich habe zu tun!“ Nach einem Schnaufer setze ich hinzu: „Ich muss ja schließlich Geld verdienen!“
Sofort merke ich, dass das ein fataler Fehler war. Jetzt hat sie mich!

„Genau das ist das Thema“, hakt das kleine weiße Ding ein. „Was denkst du über das Geldverdienen? Über das reich werden oder sein? Wie sind deine Glaubenssätze dazu?“
Bevor ich antworten kann, geht es schon weiter: „Und welche hindern dich daran wirklich reich zu werden?“

Die Arbeit, die ich mir ursprünglich vorgenommen habe, die kann ich wohl vergessen. Wie ich die Eule kenne, lässt sie nicht mehr locker. Dabei hatte ich schon gehofft, die Gespräche mit ihr wären einer temporären Überarbeitungsphase zu verdanken und bloße Einbildung. Weit gefehlt: Plan B, wie sie sich selber bezeichnet, spricht immer noch zu mir.

Während ich nach einer Antwort suche, plinkert sie mit ihren großen Augen. Es fehlt mir nur noch, dass sie auch noch anfängt, hin und her zu laufen, denke ich.

„Schreiten.“

Ich schaue irritiert. „Eulen schreiten. Wir laufen nicht einfach so hin und her.“

„Ich habe dir gesagt, du sollst raus aus meinem Kopf!“ Jetzt werde ich wütend. „Wie soll ich denn nachdenken, wenn ich ständig das Gefühl habe, dass du meine Gedanken liest!“ Im Stillen setze ich hinzu: „Und wie soll ich feststellen, welche Glaubenssätze mich hindern und welche nicht?“

Sie ignoriert meinen Ausbruch und fährt ganz sachlich weiter fort: „Genau das ist die Frage. Zuerst einmal muss man herausfinden, welche Gedanken respektive Glaubenssätze hinderlich sind. Sonst weiß man ja nicht was man ändern soll.“
Natürlich hat sie wieder einmal Recht. Und sie drängelt. „Was denkst du über Geld? Und über den Wert deiner Arbeit.“

Naja, ich denke so einiges, was sicher nicht ganz hilfreich ist, wenn man wirklich reich werden will, gestehe ich mir ein. Da sind so Dinge, wie mit dem ohnehin schon niedrigen Preis runter gehen, weil man glaubt, dass der andere auch nicht so viel hat. Sich nicht richtig getrauen auch mal laut zu sagen, dass man für das Geld nicht arbeitet, weil man ja immer im Hinterkopf ha, dass man ja sonst gar nichts bekommt.

Ich ziehe inzwischen ein komisches Gesicht. Es ist mir irgendwie peinlich, die ganze Sache hier so auszubreiten. „Du weißt schon, dass das ein öffentlich einsehbarer Blogartikel ist?“, frage ich sie.

Erstaunlicherweise versteht sie mich und macht mir den Vorschlag all meine Gedanken zu diesem Thema für mich allein zu sortieren. Natürlich lässt die passende Arbeitsanweisung nicht auf sich warten.

„Du nimmst dir ein Blatt, mindestens A 4. Dort schreibst du oben als Überschrift „Was ich über Geld denke“. Darunter kommt eine Tabelle. Links eine große Spalte, die mehr als die Hälfte der Seite einnimmt. Da kommt der Glaubenssatz hin. Daneben kommen zwei kleinere Spalten. „Ist das hilfreich zum Reichwerden?“ Einmal JA und einmal NEIN. Und das füllst du aus. Das machst du dann auch noch auf einem anderen Blatt, das die Überschrift „Wie denke ich über meine Arbeit?“ bekommt. Für dich als Selbstständige ist das ganz wichtig. Später kommen wir dann noch zu solchen Themen wie Gesundheit, Freundschaft, Beziehung und so weiter.“ Sie schaut mich an, als ob sie wieder einmal Widerstand erwartet.

Ihr Vorschlag erscheint mir jedoch machbar. Also nicke ich und beginne gleich zu überlegen.

„Halt, warte!“ ruft sie und unterbricht mich. Einfach hat man es mit dieser Eule nicht. Da will man schon mal machen, was sie sagt und dann lässt sie mich nicht.
„Lass uns erst zusammen ein Beispiel ausprobieren, damit ich sehe, dass du es verstanden hast.“

Hält sie mich für blöd? Und außerdem ist mir die ganze Sache mit dem Geld so in der Öffentlichkeit doch, wie erwähnt, etwas peinlich. Es muss ja nicht jeder mitbekommen, was ich manchmal für kruse Gedanken habe. Das war mir vorher gar nicht aufgefallen. Dummerweise ist es ja so, dass mein Unterbewusstsein solchen Mist für bare Münze nimmt. Ich kann es drehen und wenden wie ich will, die Eule hat Recht. Ich muss herausfinden, an welchen Stellen im Leben ich mir selber im Weg stehe. Allerdings will ich das wirklich nicht in einem Blogartikel machen. Das geht mir dann doch zu weit.

Natürlich hat sie wieder meine Gedanken gelesen. „Jetzt mach dir keine Sorgen, das Thema mit dem Geld kannst du für dich allein klären. Ich trau dir schon zu, dass du dich da nicht selber über das Ohr haust. Wir können gern eine andere Sache als Beispiel verwenden.“

„Und was?“

Ich habe das Gefühl, dass sie grinst. Obwohl ich mir gar nicht sicher bin ob Eulen und insbesondere Kunststoffeulen grinsen können. „Wie wäre es mit Romantik?“
Verflixt! Ich erinnere mich; bevor sie auf meinem Schreibtisch zu stehen kam, saß sie etliche Jahre lang im Bücherregal. Natürlich genau auf dem Regalbrett mit den Liebesromanen. Kein Wunder das sie auf Romantik kommt. Aber was soll da schon passieren? Ich werfe ihr einen scheelen Blick zu und nicke.

Sie richtete sich auf und fragt mit Dozentenstimme: „Wieviel Romanik gibt es in deinem Leben“?

Das ist nicht fair! Die Frage hätte doch eigentlich lauten sollen: „Was denkst du über Romantik“?

Jetzt bin ich mir sicher, dass sie grinst! Aber ok. Ich kann wie aus der Pistole geschossen entgegnen. „Ich habe unzählige romantische Bücher und liebe Filme mit Happy End.“

„Falsche Antwort“, kommt es prompt.

„Wieviel Romanik gibt es in deinem Leben? Die Betonung liegt auf deinem Leben.“

„Mein Gott, Eule! Ich bin über fünfzig Jahre alt, habe zwei erwachsene Kinder und lebe schon ewig mit meinem Mann zusammen! Da bleibt die Romantik irgendwann auf der Strecke.“

„Denkst du das, weil das so ist? Oder ist das so, weil du das denkst?“

Verflixt! Da hat sie mich mal wieder kalt erwischt.

Ich glaube, ich sollte mal alle Bereiche meines Lebens hinterfragen. Zumindest werde ich mal mit denen anfangen, wo ich ahne, dass mir da was fehlt.

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Plan B – Glaubst du, was du denkst oder denkst du, was du glaubst?

Zugegeben, ich quäle mich ein bisschen mit dem Thema Glaubenssätze herum. Ich würde ja gern solche klugen Sätze wie den von Catherine Ponder, die eine der bedeutendsten Lebenshilfe-Autorinnen Amerikas ist, schreiben: „Wenn sie es in ihren Gedanken halten können, dann können sie es auch in ihren Händen halten.“ Im Denken war ich schon immer gut, nur mit der Umsetzung hapert es.

Die Eule neben meinem Monitor kichert.

„Das ist nicht sehr hilfreich!“, maule ich.

Jetzt verdreht sie doch tatsächlich die Augen! „Merkst du nicht, was du gerade tust?“

„Ich zermartere mir den Kopf, wie ich das mit den Glaubenssätzen zu Papier bringen soll.“

„Aha.“

Das nervt schon wieder. Warum spricht dieses Ding fortwährend in Rätseln?

„Ich bin kein Ding und ich nerve nicht“, kommt prompt als Antwort. „Mein Name ist … “

„Plan B“, falle ich ihr ins Wort. „Und du willst mir nur helfen, meine Gedanken zu sortieren. Und das, obwohl du eigentlich nichts in meinem Kopf zu suchen hast.“

Sie ignoriert diesen Vorwurf und fährt in einem sachlicheren Ton fort: „Lies doch mal den letzten Satz, den du geschrieben hast, bevor da steht, das ich kichere.“

„Im Denken war ich schon immer gut, nur mit der Umsetzung hapert es“, zitiere ich mich selbst.

„Siehst du!“

„Was?“

„Na den Glaubenssatz“, kommt es leicht vorwurfsvoll zurück.

Tatsächlich. Da habe ich doch glatt von mir gedacht, dass ich zwar gute Ideen habe, sie aber nicht verwirklichen kann. Wenn ich diese Meinung von mir habe, benehme ich mich dann etwa auch so? Könnte es sein, dass mein Unterbewusstsein sagt: „Klasse Einfall, aber mache es lieber nicht, denn du wirst es sowieso nicht erfolgreich zu Ende bringen“? Das ist ja absolut kontraproduktiv.

Ich muss das jetzt mal zusammenfassen. Wenn mein Unterbewusstsein der Ansicht ist, dass ich mein Vorhaben nicht gebacken bekomme, dann wird es mich wahrscheinlich unbewusst so steuern, dass ich entweder gar nicht anfange oder beim kleinsten Hindernis aufgebe.

Vorsichtig schiele ich zu der kleinen weißen Eule hin. Sie nickt. „Und das ist in allen Bereichen des Lebens so. Wie denkst du über Geld, Erfolg, Wissen, Arbeit, Kreativität, Reichtum, Begabung ….?“

Bevor ich antworten kann, fährt sie fort: „Bleiben wir beim Geld. Den Ausspruch, dass Geld nicht wichtig ist, den hört man meistens von Leuten, die pleite sind.“

Jetzt werfe ich ihr einen scheelen Blick zu. Meint sie etwa mich? Ich bin nicht pleite!
„Aber auch nicht gerade reich. Oder wieso hört man dann von dir den blöden Spruch, dass am Ende des Geldes noch Monat übrig ist?“

„Das ist doch nur so dahin gesagt“, maule ich.

Plan B wackelt mit dem Kopf. „Sag es nur oft genug, dann wird es zur Wahrheit.“

Bevor ich ein Gegenargument finde, wirft sie mir den Begriff selbsterfüllende Prophezeiung an den Kopf. Da kann ich nun wirklich nichts dagegen sagen. Wir kennen alle solche Situationen, in denen man denkt, dass man auf keinen Fall kleckern, stolpern, sich verhaspeln oder ähnliches tun soll – und genau das passiert. Und auch nur, weil dieses blöde Unterbewusstsein kein NICHT kennt. Wenn ich mir vornehme, dass dieses und jenes nicht passieren soll, dann läuft meine innere Programmierung genau auf das Gegenteil hinaus.

Man sollte also unbedingt aufpassen, was man denkt, denke ich.

Aber wieso denke ich überhaupt derlei negative Sachen? Sind das meine Erfahrungen oder habe ich das einfach übernommen?

Wie haben meine Eltern, meine Familie über Geld gedacht? Habe ich ihre Einstellung unbedarft kopiert?

In welchen Schulfächern haben mich die Lehrer bestärkt und wo hat man mich ausgebremst? Welchen Einfluss hat das auf das Bild, welches ich von mir habe?
Bin ich so, wie ich mich sehe, oder bin ich ganz anders?

Habe ich es zugelassen, dass ich denke, das und das kann ich nicht, weil man mir das irgendwann einmal an den Kopf geworfen hat?

Ich grübele weiter. Könnte das bedeuten, wenn jemand will, dass ich etwas so und so als Wahrheit akzeptiere, dann muss er nur lange genug auf mich einreden. Habe ich denn gar keine Wahl?

„Jetzt muss ich einschreiten“ stoppt die kleine weiße Eule meinen Gedankenstrom. „Du bist schon auf dem richtigen Weg. Aber du vergisst, das Bewusstsein. Das ist wie ein Pförtner, der vor dem Unterbewusstsein sitzt. Bevor du dich mit so einem Glaubenssatz identifizierst, kannst natürlich entscheiden, ob er wahr oder falsch ist. Befindet sich das Ding einmal in deinem Unterbewusstsein, dann steuert er dich, ohne dass es dir groß auffällt.“

Als ich resigniert seufze, fährt sie fort. „Aber wenn man seine hinderlichen Glaubenssätze kennt und sich deren Wirkung bewusst ist, dann kann man sie auch wieder löschen. Besonders schwer ist das mit solchen aus der Kindheit. Damals hat man ja vieles, was die Erwachsenen gesagt haben, ungefragt übernommen. Wenn man älter ist, Erfahrung und einiges an Selbstbewusstsein besitzt, dann hinterfragt man Sachen und lässt sich auch nicht so schnell etwas einreden.“

Das leuchtet mir ein. Nun muss ich nur noch herausfinden, wie die Glaubenssätze lauten, die mich ausbremsen und wie ich sie löschen und umwandeln kann.

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Bildquellenangabe:        RainerSturm  / pixelio.de


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Plan B – die weiße Eule und ich

Genaugenommen ist der Plan B eine Alternative, falls der ursprüngliche Plan nicht gelingen sollte. Es passiert im Leben schon ziemlich oft, dass wir einen solchen brauchen. Mein ganz persönlicher Plan B manifestiert sich in Form einer sprechenden Eule, die als weiße Dekofigur auf meinem Schreibtisch sitzt.

Ich wollte doch eigentlich nur mein erlerntes Wissen aufbereiten und einen Einsteiger-Kurs für Leute, die ihr Leben ändern wollen, kreieren. Das was daraus entsteht, wird jedoch wohl mein eigenes Leben umkrempeln.

 


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Plan B – Komfortzone und Glaubenssätze

Ja, also die Komfortzone, denke ich.

Das ist so eine Sache. Da will man nicht raus. Man hat Angst sie zu verlassen, denke ich weiter.

Von der kleinen weißen Eule, die neben meinem Monitor sitzt, kommt immer noch keine Reaktion. Vielleicht habe ich mir nur eingebildet, dass sie sprechen kann?

„Du hast gesagt, dass ich nichts in deinem Kopf verloren habe!“, tönt es nun doch endlich aus ihrer Richtung.

„Hast du aber jetzt doch!“, werfe ich ihr eingeschnappt vor.

„Naja, wenn du mit solchen Allgemeinplätzen kommst! Wie willst du denn deine Teilnehmer überzeugen, wenn du solches Zeug laberst“, wirft sie mir vor.

„Ich labere nicht, ich stimme mich aufs Thema ein“, verteidige ich mich.

„Verrate lieber, wie man es schafft, die Grenzen der Komfortzone zu überwinden. Schließlich gibt es immer einen Plan B.“

Habe ich das jetzt richtig gehört und sie kichert? Da sitzt diese Deko-Eule auf meinem Schreibtisch und macht mir Vorschriften, wie ich mein nächstes Seminar aufbauen soll. Und als wenn das noch nicht genug wäre, treibt sie auch noch Wortspielereien mit ihrem Namen. Wer hat schon einmal davon gehört, dass eine Eule Plan B heißt? Das ist doch bescheuert!

„Ist es nicht!“ Ihre Stimme klingt etwas beleidigt. „Ich bin Plan B, mit dessen Hilfe du endlich aus dem Mustopf kommst. Alleine schaffst du es ja nicht!“

Bevor ich antworten kann, fährt sie fort. „Du liest und lernst. Und lernst und liest. Das reicht nicht! Du musst dein Wissen auch anwenden!“

„Willst du Wandel, dann handel!“, deklamiert der weiße Wichtigtuer weiter.

Und das Schlimme ist, die kleine Figur hat auch noch Recht. Ich werfe ihr ziemlich scheele Blicke zu. Handeln, machen, tun, realisieren, durchführen – alles so Worte, die etwas mit Veränderung zu tun haben. Weiß ich ja!

„Genau, das ist dein Problem“, hakt sie hier wieder ein. Wahrscheinlich hat sie total vergessen, dass sie sich aus meinen Gedanken heraushalten soll.

„Sobald du denkst, dass du es ja eh schon weißt, suggeriert dir dein Unterbewusstsein, dass dieses Wissen dich nicht weiterbringt und es also auch keinen wirklichen Nutzen hat.“ Die Eule macht eine rhetorische Pause, bevor sie mit eindringlicher Stimme weiter spricht: „Das Wissen allein nützt nichts. Du musst es auch Anwenden. Sonst hast du all diese Bücher umsonst gelesen, die Seminare umsonst besucht und du wirst am Ende nichts an deinem Leben ändern. Ohne Handlung ist das Gelernte nichts wert. Du musst es umsetzen. Das bedeutet, dass du etwas anders machen musst, als bisher. Damit musst du deine Komfortzone verlassen.“

Ich denke gerade, dass sie wirklich Recht hat, da wird sie wieder witzig. „Um deine derzeitige Situation in eine bessere zu verwandeln, brauchst du einen Plan B. Du brauchst mich.“

Warum brauche ich sie? Eigentlich bin ich doch dabei ein Script für ein Seminar zu entwicken. Niemand hat geagt, dass ich mit meinem momentanen Leben nicht zu frieden bin. Vielleicht etwas mehr Freizeit. Und das finanzielle Polster könnte auch etwas dicker sein. Und dann wären da noch … Als ich merke, wohin meine Gedanken driften, rufe ichmich schnell zur Ordnung. Schließlich kann die Eule Genaken lesen und ich will nicht, dass wir hier konkret über mich reden. Sie soll auf keinen Fall den Eindruck bekommen, dass ich einen Plan B brauche. Ihr »du brauchst mich« kann sie für sich behalten.

Ich will mich aber jetzt nicht streiten, sondern übergehe diese Bemerkung einfach. Stattdessen frage ich sie, ob sie mir einen Rat geben kann, was ich jetzt als nächstes in mein Script aufnehmen sollte.

Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen. „Da gibt es zwei Dinge, die du deinen Teilnehmern erklären solltest. Einmal natürlich wie sie es schaffen, die Komfortzone zu verlassen. Zum anderen, warum sie denn eigentlich in dieser Sache stecken, in der sie stecken.“

Nun überlegt sie doch kurz: “Du solltest nicht noch unbedingt weiter erklären, was diese Komfortzone ist, sondern mit welchen Gedanken und Vorstellungen man es sich darin bequem gemacht hat.“

„Meinst du die Glaubenssätze?“, frage ich verunsichert.

„Genau!“

Bevor ich nachdenken kann, spricht sie schon weiter: „Was denkst du über dich? Bist du ein Pechvogel oder kannst du alles erreichen? Verdienst du ein tolles Leben oder glaubst du, dass dir das nicht zusteht? Was denkst du über Reichtum und Erfolg? Wie sind die Leute in deiner Umgebung drauf? Sind die alle so wie du? Und wollend die vielleicht, dass du so bleibst, wie du bist?“

Ich würde das jetzt wirklich gern überdenken, aber ich bekomme keine Pause dafür. „Du kennst doch sicher den Satz: »Das Leben eines Menschen ist das, was seine Gedanken ausmachen« von Marc Aurel? Und wie ich dich einschätze hast du auch bei Wikipedia nachgesehen, wann der alte Römer lebte und was er sonst noch so gemacht hat.“

„Stimmt“, brumme ich.

„Du kennst diesen Satz?“

„Ja.“

„Du weißt, was er bedeutet?“

„Na klar weiß ich es!“

„Dummkopf!“ kommt als Entgegnung.

„Warum beleidigst du mich?“, frage ich verstimmt.

„Ich beleidige dich nicht, ich provoziere“, lautet die Antwort. „Wir hatten ja schon festgestellt, dass der Satz »weiß ich doch schon« nicht gerade sehr hilfreich ist. Wenn du weißt, dass dein Denken dein Leben ausmacht, warum denkst du dann nicht etwas besseres?“

???

Die Eule seufzt: „Vielleicht sollten wir wirklich anders anfangen. Bevor wir die Komfortzone verlassen, müssen wir darüber reden, wie du über das Leben denkst. Was glaubst du, wie es ist? Wie es funktioniert? Welche Gesetzmäßigkeiten es gibt? Und warum du in dieser Situation bist, in der du jetzt bist?“

Wir schweigen beide, dann fährt sie fort: „Wir suchen zuerst einmal nach den Glaubenssätzen, die dein Leben bestimmen. Und dann schauen wir nach, woher die stammen. Vielleicht sind die gar nicht alle von dir? Vielleicht hast du sie einfach so übernommen? Von deinen Eltern, deinen Lehrern, aus missverstandenen Konstellationen? Vielleicht hat man dir manche Sachen eingeredet, um dich klein zu halten?“

Jetzt muss ich grinsen. Schließlich bin ich hier der erklärte Anhänger von Verschwörungstheorien. Ich habe so manchmal die Vorstellung, dass man uns ganz schön manipuliert. Bei diesem Gedanken werde ich wieder ernst. Was wenn die Eule Recht hat? Ich schüttele den Kopf. Wer hat denn was davon, wenn ich nicht der tollste Hecht im Karpfenteich werde? Die anderen Karpfen? Vielleicht? Norbert, mein innerer Schweinhund, der mich am liebsten in meiner Komfortzone einmauern würde? Na der auf alle Fälle.

Ich sollte also wirklich zuerst einmal herausfinden, was ich denke und warum.

Von dem kleinen weißen Quälgeist neben meinem Monitor kommt kein Ton. Ich bin also tatsächlich auf der richtigen Fährte.

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