junggenug

Das Leben ändern – auch wenn man keine 20 mehr ist


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Achte auf deine Gedanken

Achtsamkeit ist eines der großen Schlagwörter unserer Zeit. Wir sollen:

  • Achtsam leben
  • Achtsam essen
  • Achtsam atmen
  • Achtsam schauen
  • Achtsam zuhören
  • Achtsam sprechen
  • Achtsam gehen
  • Achtsam fahren

Und natürlich auch achtsam denken.

Ist dir schon mal aufgefallen wie deine Gedanken deine Wahrnehmung beeinflussen?

  • Geh mal mit der Vorstellung durch den Tag, dass heute alles schief geht. Du wirst erstaunt sein, wie sehr deine Vorhersage zutrifft.
  • Mach dir mal klar, wie schlecht die Welt eigentlich ist. Du wirst ständig Mitteilungen und Nachrichten erhalten, die dich in dieser Sicht bestätigen.
  • Sei ehrlich, du schaffst es ja sowieso nicht, deine hochtrabenden Träume zu verwirklichen. Es ist echt besser, wenn du dir vornimmst kleinere Brötchen zu backen.

???

Wie fühlst du dich jetzt.

Nicht besonders toll. Oder?

Die Zeitschrift Focus veröffentlichte schon vor geraumer Zeit einen Artikel unter der Überschrift:

Gegen negative Gedanken: Starten Sie den Großputz in Ihrem Gehirn!

….. Mancher ist sich nicht einmal bewusst, wie viele negative Gedanken sich angesammelt haben. Es scheint so normal zu sein, dass wir gar nicht darüber nachdenken. Dies wäre nicht so wichtig, wenn die Gedanken keinen Einfluss auf unser Leben hätten. Doch Angst lähmt, Sorgen und Zweifel halten uns von neuen Erfahrungen ab und „nicht verzeihen können“ schadet immer nur uns selbst, nicht dem, den wir damit treffen oder bestrafen wollen. Vielmehr schaden wir uns, weil wir eine Last tragen, die in die Vergangenheit gehört und die Gegenwart trübt.“ (Quelle: Focus)

Hier geht es zum vollständigen Artikel:

http://www.focus.de/gesundheit/experten/buergel/angst-sorgen-und-zweifel-laehmen-uns-gegen-negative-gedanken-starten-sie-den-grossputz-in-ihrem-gehirn_id_3013957.html

Darum machen wir jetzt den Gegencheck zu den negativen Vorstellungen:

Hege doch einmal einen ganzen Tag lang nur gute und positive Gedanken.

  1. Erkläre dich zum Chef deiner Gedanken und bestimme zuerst einmal, dass du dich gut fühlst.
  2. Sei dankbar für alles was dir (an Schönem, Angenehmen, Überraschendem) wiederfährt.
  3. Geh aufrecht und stolz durchs Leben. (Unterschätze niemals den Einfluss der Körpersprache auf dein Wohlbefinden.)
  4. Nimm das Leben als Geschenk (Betrachte es nicht als Kampf sondern eher als ein Spiel)
  5. Mache Sachen die du gern machst. (Wenn du Arbeiten erledigen musst, die du nicht magst, dann freu dich, wenn du sie beendet hast, dass sie erledigt sind).
  6. Treffe dich mit netten Menschen.
  7. Sage (und denke) nur Gutes.
  8. Schreib am Abend auf, was der Tag an Positivem für dich bereitgehalten hat. (du wirst erstaunt sein, wie viel das war.)

Wie hast du dich gefühlt?

Und jetzt kommt der unvermeidliche Nachsatz von Pico Yver: “Es sind nicht die Erlebnisse die uns formen, sondern wie wir sie interpretieren.”

Du kannst das schon nicht mehr hören?

Na dann nehmen wir eben: „Nicht die Erlebnisse diktieren unsere Handlungsweisen, sondern die Schlussfolgerungen, die wir aus diesen Erlebnissen ziehen“ von Alfred Adler (österreichischer Arzt und Psychotherapeut).

Nina2


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3 Gründe warum Du authentisch sein solltest, wenn Du Erfolg haben willst

Ich bin neugierig. Auf andere Menschen, auf Bücher, auf Ideen. Darum gehe ich auch gern zu Vorträgen, Seminaren und anderen Veranstaltungen. Das ist oft sehr interessant und bringt manchmal erstaunliche Erkenntnisse.

Neulich habe ich einer jungen Frau zugehört, die uns etwas über Öl erzählt hat. Vielleicht hast Du auch schon etwas von dieser amerikanischen Firma gehört, die rein natürliche Öle über den Direktvertrieb verkauft. Ehrlich gesagt, diese Art von Geschäftsmodell ist mir völlig schnuppe. Ich habe ein- oder zweimal versucht mit so einer „garantierten Methode“ reich zu werden – und es hat nicht geklappt. Es lag, so denke ich im Nachhinein, daran, dass ich nicht einhundertprozentig von den Produkten überzeugt war, die ich verkaufen sollte. Will ich Leute von etwas überzeugen, dann klappt das nur, wenn ich auch total hinter dieser Sache stehe. Sonst komme ich mir hohl und unglaubwürdig vor – und das schmälert meine Argumentation und meinen Einsatz. Daher waren meine Unternehmungen von vorn herein zum Scheitern verursacht. Um wirklich reich zu werden, muss man eben nicht nur Mitglied einer Community werden, sondern sich auch richtig in den Verkauf reinhängen.

Aber zurück zum Thema. Ich fand die Öle schon recht interessant. Für alles was mit Natur und Naturprodukten zusammenhängt, habe ich sowieso ein Faible. Gut – nun möchte man sagen, dass diese amerikanische Firma viel erzählen kann. Naturbasis hin und her. Nachprüfen kann ich das sowieso nicht. Das lassen wir mal außen vor.

Mein Interesse beschränkte sich jedoch nicht nur auf das Angebot, sondern auf die Vortragende. Das war eine junge Frau, die eigentlich im medizinischen Bereich arbeitet. Sie erzählte frank und frei, dass sie mit unserem Gesundheitssystem nicht zufrieden gewesen wäre und daher nach Alternativen gesucht hat. „Das ist mal ein überzeugender Ansatz!“ habe ich gedacht. (Zugegeben – ich liege mit unserem Gesundheitswesen seit Jahren im Clinch und freue mich immer wenn ich Gleichgesinnte treffe.) Voller Begeisterung hat die Vortragende, nennen wir sie der Einfachheit mal Denise, von den Erfolgen bei der Anwendung dieser Öle gesprochen. Als Beispiele wurden Mutter, Nichte und Schwester zitiert. Ist ja auch völlig legal und verständlich. Wenn ich etwas gut finde, dann versuche ich zuerst meine Lieben von der Richtigkeit dieser These zu überzeugen. (Da fällt mir gerade ein: Bei Qigong hat das wohl noch nicht geklappt. Ich bin immer noch die Einzige in unserer Familie, die das dauerhaft praktiziert. Wahrscheinlich habe ich bisher noch nicht genug argumentiert, obwohl ich tausendprozentig von der heilsamen Wirkung überzeugt bin.)

Bei Denise hatte das mit der Überzeugungsarbeit augenscheinlich besser geklappt. Sie machte auch durch und durch einen glaubhaften Eindruck. Immer wieder hörte ich die Worte Gesundheit und Eigenverantwortung. Das fällt bei mir natürlich auf fruchtbaren Boden. Ich war im Grunde genommen recht angetan. Von ihrem Vortrag und auch von den Ölen. Innerlich hatte ich schon den „Daumen hoch“ für „gefällt mir“ gezückt. Da fiel auf einmal dieser Satz, der alles zunichtemachte. „Wenn ich dann merke, dass ich zu oft zur Zigarette greife, dann nehme ich …“. Aber Hallo! Denise, die Verfechterin eines gesunden Lebensstils, raucht? Damit war ich raus! All das, was sie dank ihrer Ausführungen in mir ausgelöst hatte, war schlagartig verpufft. Es war wie ein Suffle zusammengefallen. Nach diesem unbewussten Geständnis war sie für mich unglaubwürdig geworden.

Was hat das mit Dir zu tun?

Falls Du in deinem Leben eine Baustelle hast, bei der es nicht so richtig vorwärts geht, dann überprüfe einmal, ob du dort auch wirklich authentisch bist. Warum klappt die Sache nicht so, wie Du es Dir vorstellst? Stehst Du einhundert Prozent dahinter? Bist Du glaubwürdig, in dem was Du tust? Oder lebst Du deine Idee nicht wirklich?

Stell Dir mal vor, Du wärst Dein Kunde, Dein Partner oder einfach jemand, der mit Dir gemeinsam etwas machen soll. Bist Du authentisch, wenn es um Dein Vorhaben, Deinen Plan oder Dein Geschäft geht? Wenn Du es ehrlich meinst, dann solltest Du die Dinge auch so Leben, „wie Du sie predigst.“

  • Wenn Du Dich verstellst, dann verraten Dich gerade oft die Kleinigkeiten.
  • Viele Menschen haben ein Gespür dafür, ob Du hinter Deinen Worten stehst oder ob sie nur leere Hülsen sind.
  • Gerade wenn es um die Themen Gesundheit, Ernährung, Sport und deren Alternativen geht solltest Du Dein Leben so einrichten, dass Du wirklich glaubwürdig bist.

Sonst wirkt es bei näherer Betrachtung wie

  • Ein Sportler, der raucht
  • Ein Vegetarier, der zu den Feiertagen Fleisch ist
  • Eine Ernährungsberaterin, die heimlich zu den Weight Watchern geht

Denn:
Unsere Überzeugungskraft steht und fällt mit unserer Glaubwürdigkeit.

 Ernst Ferstl – österreichischer Lehrer und Schriftsteller
(mehr von ihm auf www.gedanken.at)

Bildquellenangabe: Thomas Scholz / pixelio.de


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Wahrnehmen, ohne zu werten(?)

Wenn man eine Ausbildung als Qigong-Lehrer(in) macht, dann gehört logischerweise auch eine Portion Philosophie dazu. Das finde ich persönlich recht interessant, denn man stößt dabei ziemlich schnell auf die eigenen Baustellen. Eine Sache, die mir in der letzten Zeit nicht aus dem Kopf gegangen ist, betrifft das Werten.

Leider neigen wir dazu, alles und auch jeden in unseren Gedanken zu klassifizieren. Das ist gut, das nicht. Der Mensch ist doof, den mögen wir leiden. Ständig rattert unser „Gedankenaffe“, wie in die Chinesen manchmal nennen. Natürlich ist das irgendwie auch nötig und schon durch die Evolution bedingt. (Ja, ich weiß, die muss mal wieder  für alles herhalten.) Aber schließlich waren unsere Vorfahren gezwungen, bei jedweden Begegnungen der fremden Art, alles in Freund oder Feind einzuteilen. Im Endeffekt ging es dabei ums nackte Überleben. Kein Wunder, das dieses Gewichten so sehr in uns verankert ist. Wir tun es ganz unbewusst und ohne, dass wir uns dessen gewahr werden. Das ist jedenfalls so lange so, bis wir einmal Überlegungen über diesen Eigenschaft anstellen. Im Allgemeinen geht es bei unserem täglichen Leben nicht mehr um unsere bloße Existenz. Um solche Situationen mache ich mir auch keine Gedanken, da ist solche Wertung auch heute noch lebenswichtig. Interessanter sind dagegen die Gegebenheiten im Alltag. Ist unsere Einschätzung immer richtig? Und was macht sie eigentlich mit uns?

Der erste Eindruck lügt nicht – meint der Volksmund. Ich habe mich aber schon des Öfteren ertappt, dass vermeintlich unsympathische Menschen am Ende doch recht angenehme Zeitgenossen waren. Natürlich ging es auch anders herum. Leute, von denen ich gedacht habe, dass sie mit mir auf einer Wellenlänge liegen, haben sich später als Enttäuschung (für mich) herausgestellt. Wäre ich in beiden Situationen unvoreingenommen und ohne Wertung an die Bekanntschaft herangegangen, dann hätte ich mir einige emotionale Turbulenzen erspart. Diese Begegnungen waren natürlich nicht existenziell, haben mich aber gedanklich indes ziemlich heftig beschäftigt. Im Nachhinein denke ich mir, dass ich mit dieser Zeit doch etwas Besseres hätte anfangen können.

Wieviel Kraft und Energie uns dieses aber Werten wirklich kosten kann, habe ich vor kurzem erst am eigenen Leib erfahren. Internetseiten zu gestalten, ist schon seit langem eines meiner Hobbys. (Darum habe ich auch mehr als eine Webpräsenz, die ich immer mal wieder umstelle.) Unter anderem hatte ich mich vor Jahren einmal gemeldet, die Homepage eines Vereins, bei dem ich Mitglied bin, zu pflegen. Diese wurde nach dem damalig gängigen Look aufgebaut und immer nur dann aktualisiert, wenn eine entsprechende „Anweisung“ kam. Natürlich ändert sich alles: die Mode, der Zeitgeschmack und auch wie Websites aussehen können. Einige Male war auch die Rede davon, dass man mal ein neues Layout bräuchte, um wieder up-to-date zu sein. Aber wie das so ist, irgendwie wurde nichts daraus.

Nun gibt es immer mal wieder Förderprogramme, die den Vereinen unter die Arme greifen. Keine Ahnung, wie das alles zusammenhing, jedenfalls teilte der Vorsitzende mir mit, dass die Vereinsseite jetzt von richtigen Profis gepflegt werden würde. Da habe ich es noch geschafft, nicht weiter darüber nachzudenken. Vielleicht weil ich zu dieser Zeit gerade sehr beschäftigt war. Einige Wochen später erzählte man mir begeistert „dass die neue Seite, der Hammer wäre.“ Jetzt schlug mein Wertesystem erbarmungslos zu. Und im Kopf ratterten die Gedanken wie bei einer Maschine. Ich war beleidigt, gekränkt und sauer. Niemand hatte mir all die Jahre für meine (kostenlose) Arbeit gedankt. Nun war sie nichts mehr wert! Ergo war ich nichts mehr wert! Sollten sie doch mit ihrer Hammerseite glücklich werden!

Merkst Du, was ich getan habe? Ich habe mich voll mit negativen Anschauungen gepumpt, die mir echt eine geraume Frist das Leben vergällt haben. Ich habe Zeit und Energie verschwendet, um mich mit Sachen zu beschäftigen, die ich eh nicht ändern kann – und die mich eigentlich nicht unmittelbar betreffen. (Als Ausgleich hätte ich ja mal wieder eine meiner eigenen Seiten umbauen können. Das wäre viel produktiver gewesen.)
Stattdessen habe ich gewertet. Hätte ich die neue Vereinshomepage einfach wohlwollend betrachtet und mir weiter keine Gedanken darüber gemacht, dann wäre ich einige Weile weniger unglücklich oder sauer gewesen. Sicher habe ich insgeheim wenigstens mal ein Dankeschön oder ein Händeschütteln erwartet.

Aber sind wir mal ehrlich: Hängt mein Seelenheil wirklich davon ab? Sollten meine Überlegungen tatsächlich stundenlang um eine Sache kreisen, nur weil sich jemand (aus meiner Sicht) gedankenlos geäußert hat? Wem räume ich hier denn mal wieder das Recht ein, über mein Leben zu bestimmen? Derjenige, der den Satz mit der Hammer-Seite zu mir gesagt hat, der kann sich garantiert nicht mehr daran erinnern. Und ich kaue tagelang darauf herum. Und das alles nur, weil ich es nicht geschafft habe, aus meinem Bewertungssystem auszusteigen.

Wie sieht es mit Dir aus? Was ist mit Deinen Wertungen? Stell Dir mal folgende Fragen:

  • Was trägst Du mit dir herum, weil Du es als „schlecht, böse oder negativ“ bewertet hast?
  • Wieviel Einfluss hat es auf Dein Leben, Deine Gedanken, Deine Empfindungen?
  • Kann Deine Wertung etwas an der Gesamtsituation ändern?
  • Wie würdest Du Dich fühlen, wenn Dir das Ganze „total egal“ wäre?

Das soll nun nicht heißen, dass Du Dich nicht mal ärgern kannst oder sauer sein darfst. Wir werden das Bewerten an sich, nicht so ohne weiteres aus unserem Leben streichen können. Wichtig ist, dass Du merkst was Du tust. Und vor allem was es mit dir tut.

Denn “Es sind nicht die Erlebnisse die uns formen, sondern wie wir sie interpretieren.” (Pico Iyer)

richtung


Ein Kommentar

Ergreife die Gelegenheit (wann wenn nicht jetzt)

In der letzten Woche hat mich dann auch noch Iris angerufen. Sie ist ebenfalls eine Freundin und arbeitet in einer Eventagentur. Dort ist sie Sekretärin und manchmal sogar Mädchen für alles. Bisher hatte ich eigentlich den Eindruck, dass sie ganz zufrieden mit ihrem Job ist. Und darum ging es zum Anfang unseres Gespräches auch gar nicht. Iris war total empört, weil ich ach so gemein zu Ramona gewesen bin. Schließlich hätte ich doch etwas Mitleid mit ihrer Situation zeigen können.

Mein Argument, dass Mitleid niemanden helfen würde, das ließ sie nicht gelten. Das war übrigens für eine ganze Zeit der letzte Satz, den ich während des Telefonats in ihren Redefluss einbringen konnte.

Überhaupt, könne ich so einen Situation nicht einschätzen. Ich hätte es ja einfach. Schließlich würde mir kein Chef im Nacken sitzen. Wer selbstständig ist, so wie ich, der könne gar nicht ermessen, wie anstrengend es sein kann, wenn man sich immer unterordnen und auf die Kollegen Rücksicht nehmen müsste. Ich könne da überhaupt nicht mitreden, weil ich es ja so gut habe.

Da musste ich dann doch etwas schlucken, denn die Selbstständigkeit als Ein-Frau-Unternehmen ist wahrlich kein Zuckerschlecken. Ich hab keine Ahnung mehr, wie oft ich mich in den letzten Jahren neu erfinden musste, um über die Runden zu kommen. Obwohl ich tief Luft holte um die Sache mal richtig zu stellen, kam ich einfach nicht dazu.

Ohne Punkt und Komma erklärt mir Iris, dass ich es ja so schön hätte. Schließlich könne ich mir meine Arbeit aussuchen. Und was mir keinen Spaß machen würde, das bräuchte ich auch nicht zu tun. Ich konnte mein Argument, dass ich wenn ich nichts arbeite, auch kein Geld verdiene, ebenfalls nicht loswerden.

Stattdessen erklärte mir Iris immer noch weiter, wie gut ich es hätte. Sie zum Beispiel, würde lieber malen, als sich hinter ihrem Schreibtisch den ganzen Tag mit irgendwelchen Leuten herumzuärgern. Sie liebt es, sich Geschichten in Bildern vorzustellen. Wann immer sie etwas liest, dann sieht sie vor ihrem inneren Auge, was für ein Bild sie dazu malen könne. Irgendwann möchte sie mal die Zeichnungen zu einem richtigen Buch entwerfen. Das wäre ihr Traum. Doch stattdessen geht sie jeden Tag ins Büro und verrichtet Dinge, die nichts, aber auch gar nichts, mit Kreativität zu tun haben. Das wäre alles so frustrierend.

Und während sie seufzend innehält ergreife ich die Gelegenheit, um auch mal wieder etwas zu sagen. „Das trifft sich gut. Ich habe nämlich die Idee eines meiner eBooks als Druckausgabe herauszubringen. Du könntest es ja illustrieren. Ohne Bilder ist so ein Märchenbuch doch irgendwie unvollständig.“

Iris stutzt und schweigt dann. „Was ist?“ bohre ich. Ihre Antwort kommt erst zögernd und dann immer schneller: „Weiß du … eigentlich habe ich ja gar keine Zeit. Auf Arbeit ist gerade so viel los. Ich bin am Abend immer total kaputt. Und dann habe ich mich noch zu diesem Sport-Kurs angemeldet. Ich muss unbedingt etwas für meine Fitness tun. Jetzt passt es mir gerade gar nicht. Und so kurz vor Weihnachten …“ Sie seufzt: „Später gern. Also wenn Du noch etwas warten würdest, dann könnte ich vielleicht im Frühjahr.“

„Ist schon o.k.“ brumme ich. Ihre Frage, ob ich nun vielleicht sauer bin, verneine ich. Tatsächlich bin ich nicht sauer, denn ich hatte mir schon so etwas gedacht. Im Frühjahr, so vermute ich in Gedanken, da wird sie dann in den Garten gehen wollen. Im Sommer fährt sie an den See und im Herbst in die Pilze. Damit hat sich das Thema für mich erledigt.

Was hat das aber mit Dir zu tun?

Überleg mal.

Was wünscht sich Iris? Sie will die Bilder in einem richtigen Buch gestalten.

Und was biete ich ihr an? Sie soll mein Märchenbuch illustrieren. (Hey, es steht hier nicht zur Debatte, ob das ein richtiges Buch werden könnte). Selbstredend bin ich nicht die Autorin von „Harry Potter“ oder habe auch kein Epos wie „Herr der Ringe“ geschrieben. Aber es wäre für Iris ein erster Schritt in die Richtung „Ich erfülle meinen Traum“.

Ich kann nicht, heißt immer auch ein bisschen, ich will nicht!

Wie oft hast Du eigentlich schon eine Gelegenheit verstreichen lassen?

Denke mal darüber nach.

  • Was ist Dein Ziel?
  • Welcher noch so kleine Schritt führt in diese Richtung?
  • Mit welchen Argumenten hast Du Dich davor gedrückt?
  • Wie fühlst Du Dich, wenn Du daran denkst, was daraus hätte entstehen können?

Falls mal wieder ein passendes Angebot kommt, dann kann Dir nur raten: Ergreife die Gelegenheit (wann wenn nicht jetzt)!

 

P.S. Keine Sorge ich habe einen Illustrator für mein Märchenbuch.

 

gehtnicht


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Ein Plädoyer dafür, warum Du doch nett sein solltest

In vielen Ratgebern wird man immer wieder darauf hingewiesen, dass gerade frau nicht immer nett sein sollte. Nette Menschen werden ausgenutzt, heiß es da. Sie werden als harmoniesüchtig bezeichnet. Wer zu nett ist, der macht am Ende immer den Max, muss kleinbeigeben oder ist angeschmiert. Bedeutet das also, dass wir die Ellenbogen ausfahren und rücksichtslos durch Leben marschieren sollen?

Ich denke nicht, dass das der richtige Weg ist. Der besteht wie immer aus dem gesunden Maß der Dinge. Als alte Kräuterhexe halte ich es natürlich ganz salopp mit Paracelsus „Es kommt immer auf die Dosis an.“ Daher habe ich so meine Bedenken, wenn es darum geht, dass man heutzutage nicht mehr nett sein sollte.

Bringen uns solche Tipps wie:

  • Ich vermeide keine Konflikte mehr.
  • Wer immer nett ist, hat zu wenig Selbstwertgefühl.
  • Ich spreche sofort aus, wenn mich etwas stört.
  • Ich behalte meine Meinung nicht für mich.

wirklich weiter?

Was bedeutet nett sein eigentlich? Als Synonyme werden bei einer Recherche solche Worte wie lieb, liebenswürdig, angenehm, freundlich, liebenswert und sympathisch angeboten. Das klingt doch alles ganz angenehm. Wann also hat das NETTSEIN seine positive Seite verloren? Immerhin hat dieser Ausdruck laut wiktionary folgende Wurzeln: „Herkunft:   Spätmittelalterlich über das Niederrheinische und Niederländische aus dem französischen net = makellos, klar, fein, …, das seinerseits vom lateinischen nitidus = glänzend, schillernd, stattlich, schmuck herstammt.“

Wieso findet man im Internet eigentlich ständig Artikel mit den Überschriften:

  • Schluss mit Nettsein
  • Nettsein schadet der Karriere
  • Sind Sie zu nett?

Laut „Die Welt“ scheitern sogar die Beziehungen der NETTEN eher, als die der „weniger Netten : „So investieren zu nette Menschen früh und viel in die Beziehung – Zeit, Geld und Aufmerksamkeit. Aus vielen Studien ist bekannt, dass Investieren psychologisch vor allem einen Effekt hat: Es führt dazu, den Wert der Sache oder des Menschen, in den investiert wird, höher einzustufen.“(Zitat)

Irgendwas läuft da falsch!

Vielleicht ist unsere Vorstellung von NETT im Laufe der Zeit irgendwie ins Negative gerutscht.

NETTSEIN heißt nämlich nicht schwach zu sein. Es bedeutet keineswegs:

  • Sich alles gefallen zu lassen
  • Sich niemals zur Wehr zu setzen
  • Sich immer zurückzunehmen
  • Keine eigene Meinung zu vertreten

Stattdessen versuchen wir einmal herauszufinden, was NETTSEIN bedeuten könnte:

  • Jemanden ein Lächeln zu schenken
  • Jemanden spontan zu umarmen
  • Jemanden einfach mal so ein Geschenk zu machen
  • Jemanden zuzuhören
  • Jemanden Worte der Anerkennung zu geben

Das alles kann NETTSEIN bedeuten.

Und das Schöne daran ist, dass man dieses Quentchen Aufmerksamkeit, das man einem anderen Menschen spendet, nicht nur jemanden anders als Geschenk macht, sondern sich selber damit belohnt. Rainer Maria Rilke beschreibt das so: „Alle Kraft, die wir fortgeben, kommt erfahren und verwandelt wieder zu uns zurück.“

„Ein Jegliches hat seine Zeit“ steht in der Bibel (und singen die Puhdys)

Daher will ich es mal so formulieren:

Es gibt eine Zeit zum Stark sein und eine Zeit zum Nettsein. Wir sollten uns Gedanken über den Unterschied machen. Es liegt an uns, wann wir „wie“ sind. Und es ist auch unsere Entscheidung, zu wem wir nett sind. Somit kommt ein weiterer Aspekt zum Nettsein dazu. Zu wem sind wir denn im Allgemeinen nett?

Zu unserer Familie, den Freunden, Kollegen, Nachbarn…

Und zu uns? Wie sind wir zu uns selbst? Sind wir da auch nett? Oder kritisieren wir ständig an uns herum, finden uns langweilig und meinen, dass wir nichts auf die Reihe bekommen?

Wie würde jemand reagieren, wenn wir ihn mit den Vorwürfen konfrontieren, die wir uns oft selber machen? Der wäre sicher sauer auf uns!

Bevor wir also zum Rest der Welt nett sind, sollten wir erst einmal nett zu uns sein. Das hat eine ganze Menge Vorteile:

  • Es fühlt sich echt gut an, sich selbst einmal wohlwollende Aufmerksamkeit zu schenken.
  • Wir steigern unser Selbstwertgefühl.
  • Wir machen uns selber Mut.
  • Wir gewinnen Kraft und Energie, die wir sonst für negative Reflexionen verwendet hätten.
  • Wir können zu anderen nett sein, weil wir wissen was wir Wert sind und keine Angst haben müssen, dass man das NETTSEIN als Schwäche auslegen könnte

So können wir getrost auch dem Rest der Welt zeigen, dass wir eigentlich ganz NETT sind. Denn „Es sind nicht die Erlebnisse die uns formen, sondern wie wir sie interpretieren.“ (Pico Iyer)

nett


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Fünf Gründe um Ballast abzuwerfen

Ein altes Indianersprichwort lautet angeblich: „Wenn Du merkst, dass Du ein totes Pferd reitest, dann steige ab.“

Ich habe keine Ahnung, ob das wirklich ein Indianersprichwort ist oder ob sich das nur ein schlauer Mensch ausgedacht hat um die ganze Sache noch wirkungsvoller zu unterstreichen. Egal wie es ist, der Typ (oder die TypIn – man weiß es ja nicht) hatte recht.

Sind wir doch mal ehrlich: Wie oft hängen wir an Dingen, Gewohnheiten oder Freundschaften, die schon längst keinen Sinn mehr machen? Wir schleppen Zeugs im materiellen und auch im emotionalen Sinne mit uns herum, dass schon längst „gestorben“ ist. Da kommt so einiges zusammen.

Reden wir zuerst einmal von Dingen.
Mir hat mal ein kluger Mensch gesagt: Setze dich vor Deinen geschlossenen Schrank und schreibe auf, was alles drin ist. Wenn die Liste fertig ist, dann öffne die Türen und werfe das raus, was nicht auf dem Zettel steht. Das brauchst Du nämlich nicht!

Zugegeben, diese Methode ist etwas radikal. Und ich habe sie auch nicht angewendet. Aber allein schon der Gedanke ist spannend.

Zumindest sollte man ein- bis zweimal im Jahr seine Schränke durchforsten und all die Sachen, die man im letzten Jahr nicht gebraucht hat aussortieren. Wenn Du Dich nicht gleich trennen kannst, dann packe sie in eine Kiste und schreib das Datum der Aufräumaktion darauf. Hast Du diese Kiste auch im nächsten Jahr nicht geöffnet, dann kannst Du sie wirklich entsorgen. (Auf das Thema komme ich sicher später irgendwann noch einmal genauer zurück.)

Jetzt sind die Gewohnheiten dran.
Damit meine ich diesmal nicht solche Vorhaben wie weniger Essen, mehr Sport und endlich mit dem Rauchen aufzuhören. Mir geht es heute um Handlungen, die man macht, „weil man sie schon immer so macht“. In welchen Vereinen und Organisationen bist Du „nur drin“ ohne Dich wirklich zu engagieren? Wo bist Du nur zahlendes Mitglied? Im Fitnessclub? In irgendeinem Online-Portal? Du machst da nur so mit, ohne es wirklich zu nutzen? Weg damit! Du fährst immer an dieselbe Stelle in den Urlaub. (Weil du dich da auskennst.) Wag mal was Neues und fahr wo anders hin! Selbst den altbekannten Weg zur Arbeit, zu Deiner Freundin oder ins Lieblings-Café kann man verlassen und einmal ganz woanders langgehen. Du kaufst immer in denselben Geschäften ein? Geh mal woanders hin. Schau dir andere Angebote an. Du wirst erstaunt sein, was es außerhalb Deiner üblichen Kreise alles so zu entdecken gibt. Auch eingefahrene Gewohnheiten sind nämlich eine Art Ballast. Sie hindern Dich daran neue Erfahrungen zu machen.

Nun kommen wir zu den Freundschaften.
Das ist ein Thema, das doch etwas schmerzlich werden könnte. Wenn Du im Kopf die Liste Deiner Freundinnen und Freunde durchgehst, dann fallen Dir vielleicht einige Menschen ein, mit denen Dich nichts weiter als die Gewohnheit verbindet. Man hat sich im Laufe der Jahre auseinandergelebt und sieht sich nur noch zu den Geburtstagen. Und selbst da geht man mit dem Gefühl der Pflichterfüllung hin. Sei mal ehrlich: Ist das Leben nicht zu kostbar, um seine Zeit so zu vergeuden? Da ist es doch wohl besser, man lässt so eine Beziehung langsam ausgleiten.

Ich kann allerdings nicht behaupten, dass das so ganz einfach und selbstverständlich für beide Seiten sein muss. Vor einem Jahr bin ich nämlich auch mal „entfreundet“ worden. Das war für mich eine doch recht schmerzhafte Erfahrung. Mit Abstand betrachtet, war es eigentlich mein Ego, welches in Wirklichkeit gekränkt war. Da wollte jemand nicht mehr meine Freundin sein und hat mich kalt abserviert. Das schmerzt doch irgendwie. Im Nachhinein habe ich natürlich gewonnen. Das schlechte Gewissen, sich nicht genug um diese Freundschaft zu kümmern, und die Pflichttermine sind weggefallen. Wahrscheinlich hätte ich früher oder später auch einen Cut gemacht. Nur war die Andere schneller. Es ist in diesem Falle ähnlich wie am Ende in einer erloschenen Liebesbeziehung. Man hängt sich an der Frage auf: Wer hat hier wen verlassen? Obwohl es beide wollten.

Warum erzähle ich das hier?

Weil ich nicht die Illusion erwecken will, dass Ballast abzuwerfen immer einfach ist.

  • Es kann schmerzhaft sein (egal für wen auch immer).
  • Es erfordert Mut (neue Wege zu gehen)
  • Es erfordert Kraft (sich aufzuraffen um etwas zu ändern)
  • Es erfordert Entscheidungen (was wichtig und unwichtig ist)
  • Es erfordert Entschlossenheit (die Dinge bis zum Ende durchzuziehen – beispielsweise nicht noch mal in die Kisten, mit den vor einem Jahr ausgesonderten Sachen zu schauen.)

Ballast abwerfen hat aber auch viele Vorteile:

  • Es schafft Platz (im Schrank, im Telefonbuch, im Herzen)
  • Es spart Geld (keine Beiträge oder Kosten für Sachen, die wir nicht nutzen)
  • Es spart Zeit (etliche Pflichttermine fallen weg)
  • Es bringt neue Erfahrungen (an anderen Orten, in anderen Situationen)
  • Man fühlt sich leichter und freier (weil es sich anfühlt, als hätte man sich wirklich eine Last von den Schultern gleiten lassen)

Probier es aus!

PferdBildquellenangabe: Rainer Sturm / pixelio.de


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Was Leonardo da Vinci mit dem inneren Schweinehund zu tun hat

Wenn man etwas schaffen will, dann ist das A und O dabei, dass man sich an seinen Plan hält und sich nicht vom Inneren Schweinehund davon abhalten lässt. Dieser Typ hat nämlich den perfiden Vorsatz, dass er uns genau dort haben (oder lassen) will, wo wir gerade sind. Veränderungen sind ihm ein echter Greul.

Seit ich „Günter, der innere Schweinehund“ von Stefan Frädrich und Timo Wuerz in den Händen hatte, habe ich eine ganz neue Beziehung zu meiner persönlichen Entwicklungsbremse. Meine Hemmvorrichtung heißt übrigens Norbert. Der ist manchmal ziemlich dick und auch ganz schön ausgekocht. Er hat sich nämlich etwas ganz perfides einfallen lassen. Und zwar nachdem ich die Sache mit der Bequemlichkeit mit ihm ausdiskutiert habe. (Es gibt nämlich jetzt feste Auszeiten zum Lesen und Faulenzen. Dann fällt das unter Erholung und Regeneration. Das muss auch mal sein – und wird so geplant, dass es gut passt und kein schlechtes Gewissen macht).

Er will mich jetzt immer zum Prokrastinieren überreden. Was das ist? Das ist der Fachausdruck für die Aufschieberitis. Die kennen wir ja wohl alle. Und Wikipedia erklärt uns den Begriff auch noch mal ausführlich.

Also Norbert schafft es schon immer wieder mal, dass ich dieses und jenes tue, statt mich um meinen ganz persönlichen Plan zu kümmern. Er bringt mich dazu, irgendetwas Unwichtiges zu erledigen und mich an vollkommen belanglosen Sachen festzuspielen. „Du musst jetzt erst noch das machen, bevor …“ flüstert er mir ins Ohr. Das Schlimme ist, dass ich trotz jahrelanger Übung im Umgang mit meinem Inneren Schweinehund manchmal doch noch auf ihn hereinfalle. Am meisten zieht sein Argument: „Der große Leonardo da Vinci war auch ein richtiger Prokrastinator. Da bist Du doch in bester Gesellschaft.“ Der hatte tatsächlich viele unvollendete Werke und etliche seiner Vorhaben halbfertig liegen gelassen.

In so einer Situation hilf nur Eines. Oder besser gesagt, da helfen zwei Sachen. Zuerst einmal bekommt Norbert einen kräftigen Tritt in den Hintern! Das passiert, indem ich schon mal erkenne, was da gerade wieder abläuft. Mit der Erleuchtung kommt dann auch die Möglichkeit etwas gegen diese unbefriedigende Situation zu tun. Getreu dem Motto: „Gefahr erkannt, Gefahr gebannt!“

Jetzt hilft es die Gedanken zu sammeln und sich zu überlegen was wirklich wichtig ist. Was will ich – und wie erreiche ich das? Mit einem konkreten Plan kann man selbst den trickreichsten Inneren Schweinehund außer Gefecht setzen.

Die einfachste Form ist eine simple To-Do-Liste. Gegen die hat Norbert gewöhnlich keine Argumente mehr. Und wenn er mir mal wieder mit da Vinci kommt, dann sag ich ihm, er soll mal warten, bis ich so bekannt bin wie dieser.

mano