junggenug

Das Leben ändern – auch wenn man keine 20 mehr ist


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Plan B und das Gesetz der Polarität

Ich habe zu arbeiten, aber ich kann nicht. Diese Eule macht mich verrückt!

Heute klappt sie einen Flügel nach hinten und den anderen nach vorn. Dann wechselt sie. Es sieht aus, so als würde sie tanzen. Eigentlich hält sie ihre Schwingen ja sonst meist still. Doch diesmal nicht. Wusch, wusch macht es immer wieder. Vor und zurück, vor und zurück.

Ich will nicht hinsehen, aber das klappt nicht. Also drehe ich betont langsam meinen Kopf zu ihr herum und schaue sie vorwurfsvoll an.

„Was?“, fragt sie mich mit Unschuldsmiene, während es weiter wusch, wusch rauscht.

Ich tue ihr den Gefallen und frage sie: „Was machst du da“?

„Qigong.“

Ich falle gleich vom Stuhl. „Das ist wohl Hochgeschwindigkeits-Qigong! Oder warum wedelst du wie wild mit den Armen?“

Sie hält beleidigt inne: „Als ich es langsam gemacht habe, da hast du nicht hergeschaut! Und außerdem heißt es bei Eulen Flügel!“

Ich brumme: „Sorry, ich wollte eigentlich arbeiten“.

„Aber ich wollte mich unterhalten“, mault sie.

„Das ist aber genau das Gegenteil von dem, was ich will. Ich muss mich konzentrieren und brauche Ruhe.“

Sie trippelt hin und her. „Du bist ganz schön groß“, meint sie dann vollkommen zusammenhangslos.

Ok, denke ich, sie gibt ja sowieso keine Ruhe: „Und du bist ganz schön klein“.

„Groß ist das Gegenteil von klein“, sinniert sie. Dann beginnt sie wieder ihre Flügel zu bewegen. Diesmal aber ganz langsam. „Sieh mal“, zwitschert sie ganz aufgeregt. „Einer ist hinten und einer ist vorn. Ich kann mit meinen Schwingen auch ein Gegenteil machen.“

„Toll“, meine Begeisterung hält sich in Grenzen.

„Hat denn alles ein Gegenteil?“, fragt sie. Irgendwas hat sie vor. Ich weiß nicht was, aber den Ausdruck in ihren Augen kenne ich inzwischen. Es ist vielleicht besser, wenn ich auf der Hut bin!

Bevor ich etwas erwidern kann, schlägt sie ein Spiel vor. Sie nennt es Gegenteilsuche. In Gedanken verabschiede ich mich von der Idee, dass ich heute noch zum Arbeiten komme und nicke resigniert.

Sie beginnt: „Nacht.“ Ich: „Tag“. Die Eule: „Schwarz“. Meine Antwort: „Weiß“. Und so geht das eine halbe Ewigkeit hin und her. Irgendwann sagt sie „Yin“. Und ich entgegne: „Yang“.

Die kleine weiße Kunststoffeule seufzt erleichtert: „Ich glaube, jetzt hast du es begriffen.“

„Was?“, frage ich verständnislos.

Sie schaut mich konsterniert an: „Na das Gesetz der Polarität“.

„Ach“, lautet mein leicht verstimmter Kommentar: „Das war schon wieder eine neue Lektion?“

Plan B legt noch ein bisschen mehr Beleidigtsein in ihren Blick. „Glaubst du etwa, ich halte dich mit Nichtigkeiten von der Arbeit ab?“

Ich lenke ein. „So war das nicht gemeint. Entschuldige. Aber sei so gut und erklär mir das noch ein bisschen genauer.“

„So wie ein Lehrer seiner Schülerin?“, fragt sie mit einem komischen Unterton nach.

Ich nicke und überlege, was sie nun schon wieder vorhaben könnte. Wenn sie so spricht, dann führt sie was im Schilde.

Sie trippelt ein wenig hin und her, setzt eine wichtige Mine auf und verkündet: „Sagen wir mal so: Ich habe das Wissen.“

Mir bleibt ja nichts anderes übrig, als wieder zu nicken.

„Ich bin klug“, tönt es daraufhin ziemlich überheblich von ihr.

Ha! Jetzt weiß ich was sie vorhat! „Jetzt werde mal nicht frech! Wenn du denkst, dass ich in diese Falle tappe, dann hast du dich geschnitten. Du bist klug und ich bin das Gegenteil! Das kannst du aber vergessen.“

Die Eule kichert. „Schade, hätte ja klappen können.“

Dann wird sie ernst: „Also, das Gesetz der Polarisation besagt nichts anderes, als dass von all dem, was wir irgendwie betrachten, bewerten oder wie auch immer ansehen, jeweils ein Gegenteil existiert. Hell und dunkel. Warm und kalt. Innen und außen. Man kann nicht etwas als schön bezeichnen, wenn man nicht eine Vorstellung davon hat, was hässlich ist.“

Ich wackle zustimmend mit dem Kopf. Wenn ich nur wüsste, wie das Wissen um diesen Gesetz mir im Leben weiterhelfen soll. Ich kann mir nicht vorstellen, wozu das gut ist.

Natürlich liest sie mal wieder meine Gedanken. „Das bedeutet, dass ein unangenehmer Aspekt in deinem Leben, irgendwo auch einen positiven Gegenpol hat.“

Ich puste skeptisch: „Wenn mein Konto leer ist, wo ist dann das positive Gegenstück?“

Sie schaut mich einfach nur an. In meinem Kopf rödelt es. Was soll das? Angenommen ich bin pleite, obwohl ich ständig arbeite. Was ist das Gute daran? Was wäre das Gegenteil? Wenn ich weniger arbeite, habe ich dann mehr Geld? Langsam formt sich da so eine Idee in meinem Kopf. Vielleicht habe ich die falschen Fragen gestellt und habe nicht tief genug gegraben.

Die kleine Eule nickt euphorisch.

Ich versuche, meine Überlegungen auszuformulieren. „Wenn ich an etwas Mangel leide, dann muss es irgendwo auch einen Überfluss geben.“ Dann hole ich erst einmal tief Luft.
„Betrachten wir das Ganze einmal vollkommen losgelöst von allen Emotionen. Diese beiden Pole bekommen ihren positiven beziehungsweise negativen Charakter durch meine Bewertung. Wenn ich das eine ablehne, dann sollte ich vielleicht das andere anstreben.“

Jetzt ist es an meinem Gegenüber, erneut zu nicken.

Zögerlich spreche ich weiter: „Kann das Positive an einer misslichen Lage auch darin bestehen, dass ich die Ursache dafür hinterfrage und beschließe daran etwas zu ändern?“

„Natürlich“, tönt sie. „Du musst nur die richtigen Fragen stellen.“

„Hmm“, brumme ich. „Du klingst wie Tepperwein.“

„Wer ist das?“

Ich stehe auf, laufe zum Bücherregal, nehme einen Band heraus und halte ihn der Eule unter den Schnabel. Sie liest laut „Kurt Tepperwein. Krise als Chance“, und fragt: „Hast du das Buch gelesen?“

Eigentlich wollte ich sie mit dem Buch nur verblüffen, aber nun druckse ich etwas herum. „Ich fand es nicht so gut.“

Wenn dieser kleine Kunststoffvogel Augenbrauen hätte, würde er diese jetzt hochziehen: „Dir war die Sache mit der Polarität nicht klar“.

Mir bleibt nichts anderes übrig, als zuzustimmen. Und als ob das noch nicht genug wäre, setzt mein Gegenüber noch einen drauf. „Weißt du, wie es bei uns Eulen heißt?“

Rhetorische Pause.-

„Die Krise des Eies, ist die Chance des Kükens.“

Manno – immer hat sie das letzte Wort!

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Bildquellenangabe: Carina Döring  / pixelio.de

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Plan B und das Gesetz der Vibration

Ich bin irritiert. Die Eule schaukelt hin und her. So wie ein Schilfrohr im Wind.

„Was machst du?“, frage ich, weil sie mich dabei auch noch provozierend anschaut.

„Ich will dir das dritte Gesetz erklären“, lautet die Antwort, während sie sich weiter wie ein Stehaufmännchen in der Endphase bewegt.

Ich sage nichts und bin genervt. Immer diese Ratespiele. Natürlich liest sie wieder einmal meine Gedanken. Sie bleibt stehen und legt den Kopf schief.

„Es geht um das Gesetz der Vibration.“

„Aha“, meine ich, obwohl ich wieder einmal nur Bahnhof verstehe. „Und dafür musst du so schwanken, als hättest du zu viel Weinbrandbohnen genascht.“ Während ich das sage, frage ich mich gleichzeitig, ob so eine Kunststofffigur überhaupt …

„Bleib beim Thema“, ermahnt sie mich. „Das Gesetz der Vibration besagt, dass alles um uns herum – und wir natürlich auch – aus Schwingungen besteht. Da kannst du jeden Physiker fragen, besser noch die Quantenphysiker. Das sind tolle Kerle. Wenn die bald einmal so nach und nach mit ihren Forschungsergebnissen herausrücken, dann wird sich vieles verändern.“ Plan B kommt direkt ins Schwärmen. Doch dann scheint sie sich selbst zur Ordnung zu rufen und kehrt zum Thema zurück.

„Also. Gehen wir davon aus, dass alles in Schwingung ist.“ Ich nicke, denn diese Erkenntnis ist mir nicht fremd. „Ein Gefühl, kann ebenfalls eine Schwingung sein.“ Wieder nicke ich, allerdings, etwas verhaltener. „Dein innerer Schwingungszustand beherrscht deine Gedanken.“ Sie schaut mich erwartungsvoll an.

Wahrscheinlich soll ich jetzt etwas sagen. „Wenn ich ein negatives Gefühl habe“, beginne ich zögernd. Zustimmend schaut sie mich an. „Dann hat das Einfluss auf meine Gedanken?“ Das ist mehr eine Frage als eine Aussage. Sie nickt eifrig. „Und dann schwingen meine Gedanken ins Negative“, schlussfolgere ich.

Jetzt hüpft sie begeistert auf und ab und schlägt mit den Flügeln! „Genau das ist es!“ Ein Glück, dass sie keine Federn verlieren kann. „Wenn du die negativen Schwingungen in deinem Inneren zulässt, dann werden sie deine Gedanken und schlussendlich dein Leben in diese Richtung hin beeinflussen.“

Sie beugt sich vor, als wolle sie mir ein Geheimnis verraten. „Das Gesetz der Vibration ist die Grundlage für das Gesetz der Anziehung. Menschen, Erlebnisse und Dinge zu denen du eine gleichartige Schwingung hast, die ziehst du an.“

Kokett klimpert sie mit den Augen. „Das ist wie mit uns beiden.“

Wie ist denn das jetzt wieder gemeint? Doch bevor ich nachfragen kann erklärt, sie mir: „Du hast dir Gedanken gemacht, wie du dein Wissen in eine Form bringst und komplettierst. Und ich habe mir Gedanken gemacht, wie ich mein Wissen an den Mann beiziehungsweise die Frau bringe. Und so sind wir zusammen gekommen.“

Ich schweige.

„Du brauchtest einen Plan B im Leben. Und hier bin ich!“

So, so. Ich brauchte. Und was ist mit ihr?

„Ich habe es doch schon am Anfang unserer Bekanntschaft gesagt“, kommt es nun recht kläglich zurück. „Mir war langweilig.“

Wahrscheinlich blicke ich immer noch skeptisch drein.

„Gut“, meint sie. „Anderes Beispiel. Als du mit deinen Kindern schwanger warst, hast du da nicht an jeder Ecke andere Schwangere und Mütter mit kleinen Kindern gesehen?“

Stimmt.

„Und jetzt? Es werden derzeit nicht weniger Frauen schwanger als damals. Aber du nimmst sie kaum war. Weil deine inneren Schwingungen nicht darauf ausgerichtet sind.“

Stimmt tatsächlich.

„Und wie oft ist es vorgekommen, wenn du ein Problem nicht als endgültig an sich betrachtet hast, sondern nach einer Lösung gesucht hast, dass du diese auch gefunden hast?“

Wie meint sie denn das jetzt wieder?

„Sag nicht, dass es nicht geht. Sondern stelle die Frage, wie du es am besten hinbekommst.“ Das ist bestimmt ein Zitat von so einem hochbezahlten Motivationstrainer. Aber Recht hat sie. Wenn man nach einer Lösung sucht, dann findet man sie. Wenn man von vorn herein die Einstellung hat, dass es nicht funktioniert und man es nicht beeinflussen kann, dann wird man seine Situation nicht ändern.

Sie grinst. „Du wolltest wissen, wie du es am besten angehst, deine Informationen für die Kursteilnehmer als eine Art lockeres Gespräch aufzubauen. Und dann kam ich.“

Als ich nicke, merke ich, dass sie mich wieder mal dort hat, wo sie mich hinhaben will. Aber ich kann ihr nicht einmal böse sein.

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Bildquellenangabe: S. Hofschlaeger  / pixelio.de


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Plan B und das Gesetz der Relativität

Wieder einmal starre ich die Eule an. Die tut ganz unschuldig.

„Hallo?“, melde ich mich, weil mir das langsam zu doof wird.

„Was?“, fragt sie zurück.

„Das nächste Gesetz“, fordere ich.

„Warum drängelst du so?“

„Weil ich es jetzt wissen will!“, platze ich patzig heraus.

„Immer langsam“, erwidert sie. „Alles ist relativ.“

Ich puste genervt: „Spare dir deine Allgemeinplätze“.

Anstatt, dass sie jetzt mit der zweiten universellen Gesetzmäßigkeit herausrückt, fragt sie scheinheilig: „Warum willst du das unbedingt wissen?“

„Weil es mich interessiert“, maule ich. „Du hast mir den Mund wässrig gemacht mit deinen Gesetzen und nun bin ich ganz heiß darauf zu erfahren, wie sie lauten und was sie bedeuten.“

„Und vorher war dir das egal?“

Bo, ey – die nervt! „Vorher habe ich doch gar nicht gewusst, dass es sowas gibt.“ Ich verdrehe die Augen. „Natürlich war mir das egal, da es für mich keine Bedeutung hatte.“

„Aber es gab sie.“ Plan B schaut mich provozierend an.

„Das will ich ja nicht abstreiten. Wenn es diese Dinge oder wie du das auch immer nennen willst gibt, dann will ich dir es halt glauben. Und nun ist es wichtig für mich, alles darüber zu erfahren.“
Beschwichtigend füge ich hinzu: „Ich habe schon so viel von dir gelernt, warum soll ich dir nicht vertrauen.“

„Du vertraust einer kleinen weißen Kunststoffeule, die sich Plan B nennt, auf deinem Schreibtisch steht und sprechen kann?“

Warte nur, denke ich mir. Nun werde ich sie mit ihren eigenen Waffen schlagen. „Alles ist relativ“, flöte ich mit gespitztem Mund.

Sie nickt nur und scheint ihre Antwort geradezu herauszuspucken. „Genau!“

Hä? Was soll denn das nun wieder?

Bevor ich mich beschweren kann, lässt sie sich zu einer Erklärung herab. „Das Gesetz der Relativität.“

Ich verstehe immer noch nicht. Und wahrscheinlich kann man mir das gut von meinem Gesicht ablesen, da braucht man nicht einmal Gedanken zu lesen.

Die Eule seufzt. „Das Gesetz der Relativität besagt, dass die Dinge erst dann eine Bedeutung haben, wenn wir Ihnen eine geben.“

Sicherlich schaue ich immer noch ungläubig drein.

„Sieh mich an“, fordert sie und setzt noch „Was siehst du?“ dazu.

„Eine Kunststofffigur, die wie eine weiße Eule aussieht.“

„Bin ich wichtig für dich?“

Zugegeben, mein „Ja“ kommt etwas zögerlich.

„Warum?“

„Weil du mir Sachen erklärst, die ich vorher nicht verstanden habe.“ Ich weiß immer noch nicht, worauf sie hinaus will.

„Und was bin ich für die anderen aus deiner Familie?“

Ich habe keine Ahnung, was ich jetzt sagen soll.

Sie wiederholt meinen Satz von vorhin: „Eine Kunststofffigur, die wie eine weiße Eule aussieht.“ Dann legt sie den Kopf schief und fragt noch: „Bin ich wichtig für die?“

Ich schüttele mit dem Kopf.

„Genau“, nickt sie. „Für die anderen habe ich keine Bedeutung. Für dich schon.“ Leicht kokett setzt sie hinzu „Hoffe ich doch.“

Ich glaube, ich weiß, was sie meint. Aber weil sie ja wieder mal verbotener Weise meine Gedanken liest, setzt sie noch zu einer Erklärung an. „Die Dinge sind erst dann gut oder schlecht, richtig oder falsch, groß oder klein, wenn wir sie von einem Bezugspunkt aus betrachten.“

Sie holt tief Luft. „Stell dir vor man baut einen großen Stausee. Dafür muss ein ganzes Dorf umgesiedelt werden. Das finden die Leute im Allgemeinen schrecklich. Die Fische und die Wasservögel haben aber eine ganz andere Meinung zu dem neu entstandenen Gewässer.“

Hm, denke ich mir. Wozu soll denn so ein Gesetz nütze sein?

Aber auch hier weiß die Eule eine Antwort. „Wenn du deinen Bezugspunkt veränderst, dann ist es dir möglich andere Seiten zu sehen. Ganz oft findet man in der Literatur als Erklärung den Satz, dass, wenn man seine Situation mit einer schlimmeren Lage vergleicht, man dann immer besser wegkommt. Das klingt jetzt ein bisschen profan, ist aber so.“

Ich muss kichern. „Du meinst, an deiner Stelle könnte hier ja etwas ganz anderes sitzen und mir die Welt erklären, als eine weiße Kunststoffeule?“

„Vielleicht eine lebendige Riesenratte mit langem ekligen Schwanz und gelben Zähnen?“, schlägt sie vor.

Ich schüttele mich. „Du hast mich wieder einmal überzeugt.“ Und dann glaube ich selber nicht, dass ich das tue. Ich kraule sie zwischen den Ohren.

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Bildquellenangabe: Rosel Eckstein  / pixelio.de


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Plan B und das Gesetz der immerwährenden Umwandlung

Diesmal bin ich es, die die Eule fordernd ansieht. Als sie nicht reagiert, melde ich mich von allein. „Du wolltest mir die Gesetzmäßigkeiten des Lebens erklären“, beschwere ich mich.

Sie brummt: „Ja, doch. Lass mich nachdenken“.

Schau an, denke ich, der kluge Vogel muss überlegen.

Beleidigt klappt sie den Schnabel auf: „Ich muss es ja schließlich so rüber bringen, dass du es auch verstehst. Wenn ich sage, dass das erste Gesetz, das Gesetz der immerwährenden Umwandlung heißt, weißt du noch lange nicht, was ich meine.“

Natürlich, jetzt bin ich wieder der Dummkopf.

„Und was heißt das nun?“, frage ich verstimmt.

„Dass sich immer alles umwandelt“, kommt die patzige Antwort.

„Klasse definiert“, höhne ich. „Du bist wie einer meiner Mathelehrer, der mir mal Fakultät mit Fakultät erklärt hat.“

„Haste wohl nicht begriffen?“, giftet sie zurück. „Mathe ist wohl nicht dein Ding? Kein Wunder, dass du immer noch so einen miesen Kontostand hast.“

Jetzt bin ich bedient und will gehen.

„Halt“, ruft sie da auf einmal mit ganz normaler Stimme. „Genau das war es doch!“

„Verstehe ich nicht.“

Der kleine weiße Kunststoffvogel macht ein wichtiges Gesicht. „Energie tendiert dazu, eine materielle Form anzunehmen.“

„Und was hat das mit unserer Diskussion über Mathe zu tun?“

„Die war doch ziemlich negativ, oder?“

„Ja“, brumme ich. „Aber ..?“

„Warte“, unterbricht sie mich. „Dieses Gespräch war die pure negative Energie. Darin stimmst du mir doch zu?“

Ich nicke.

„Und wie hast du dich gefühlt?“, fragt sie weiter.

„Ganz schön mies“, gebe ich zu.

„Da hast du es“ spricht sie, während sie eifrig mit dem Kopf nickt.

???

„Denk nach“, fordert die Eule.

Ich überlege. Das Gespräch war die Energie, die hat sich in eine Art materielle Form umgewandelt, also in mein Gefühl. Ergo war das Negative, was ich zuerst nur gedacht habe, am Ende das, was real für mich wurde. Ob sie das meint?

„Bingo!“, tönt es von ihrem Platz.

„Ja, aber du hast mich wütend gemacht. Zählt das eigentlich?“

Die Antwort lässt nicht auf sich warten. „Es ist doch egal, wer dich wütend, traurig oder was auch immer macht. Das machst du doch ganz oft genug auch selber. Du sagst dir, dass du das nicht kannst, dass du nicht gut genug bist, dass du das nicht verdienst. Und lauter solche Sachen. Daraus entsteht ein Gefühl, mit dem du dann in die Welt gehst und, was noch viel schlimmer ist, mit dem du dich in der Welt bewegst.“

Ich schweige lieber erst einmal und lasse sie weiter reden.

„Die Gedanken und Bilder, die du in deinem Kopf trägst, werden in den meisten Fällen zu deiner Realität.“

Ich nicke verhalten.

„Deine Gedanken, die in unserem speziellen Fall, hinter den Worten waren, die du gesagt hast, sind Energie. Sie wandeln sich, da hast du mir zugestimmt, in Emotionen um. Und diese Emotionen beeinflussen deine Entscheidungen und damit dein Leben.“

Übertreibt sie jetzt nicht ein bisschen?

„Deine Gedanken haben dich wütend gemacht. Diese Emotion hat beinahe dafür gesorgt, dass du unser Gespräch abgebrochen hättest. Dann hättest du nie etwas vom Gesetz der immerwährenden Umwandlung erfahren. Und auch die anderen Gesetze würden dir unbekannt bleiben, wenn du deinem Frust, der durch deine Gedanken entstanden ist, nachgegeben hättest.“

Das klingt ziemlich kompliziert, aber wenn ich so richtig darüber nachdenke, dann hat dieses kleine weiße Dingsbums wohl wieder einmal Recht.

„Wieso nennst du mich in Gedanken „kleines weißes Dingsbums“? Ich habe dich immer noch nicht überzeugt, dass ich dir viel wichtigere Sachen beibringen kann, als du in all den Jahren in der Schule gelernt hast.“

„Doch, doch“, versichere ich schnell.

„Dann höre auf, so komisch über mich zu denken“, fordert sie. „Erst wenn ich an deinen Emotionen erkenne, dass du mir wirklich glaubst, wird sich dein Leben ändern.“

Immer hat sie das letzte Wort.

swarovski


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Plan B – von Schuld und Rückschlägen

Eigentlich sollte ich einen Textauftrag abarbeiten. Aber ich fühle mich wieder einmal beobachtet. Das kleine Ding auf meinem Schreibtisch starrt mich wie schon so oft aufdringlich an. Ich kann so nicht arbeiten!

Also gebe ich auf und frage gleich, was sie denn heute wieder von mir will.

Zufrieden, weil sie ihr Ziel erreicht hat, wackelt sie mit dem Kopf und fragt mit zuckersüßer Stimme: „Und?“ – Pause – „Wie geht es dir?“

„Wie soll es mir gehen? Gut natürlich. Ich bin gesund, habe genug Aufträge und mein Konto ist nicht leer.“

„Das meine ich nicht!“

Natürlich weiß ich, dass sie das nicht gemeint hat. Sie will wissen, wie das mit dem Verankern der positiven Glaubenssätze so funktioniert. „Ich arbeite daran“, ist meine ausweichende Antwort.

„Aha.“

Diese Besserwisserei geht mir schon lange auf die Nerven. Wie kann man nur so viel in ein einziges Wort legen. Obwohl AHA ist ja nicht mal ein Wort. Es ist ja nur ein… Wie nennt man sowas eigentlich?

Bevor ich mich näher mit dieser Problematik befassen kann, hakt sie schon nach: „Lenk nicht vom Thema ab. Sage mir, wie viele Perlen in deinem zweiten Glas sind. Unser letztes Gespräch ist ja schon eine Woche her. Also müssten es sieben sein, wenn du konsequent warst.“

„Es sind nicht sieben,“ maule ich.

„Wie viel?“ Plan B, die alte Nerv-Eule will es natürlich genau wissen.

Das ist mir jetzt doch peinlich. „Eine“, antworte ich leise und fasse es nicht, dass ich mich vor einer weißen Kunststofffigur schäme.

Keine Reaktion.

Trotzdem fange ich an mich zu verteidigen: „Ich musste drei Mal neu anfangen, weil ich immer keine Zeit hatte, die ganze Liste herunterzubeten.“

„Ach du Arme“, spottet sie.

„Kannst du glauben“, versichere ich ihr. „Das ist nicht meine Schuld. Ich wollte ja, aber die äußeren Umstände waren gegen mich.“

„Vollkommen klar! Du hast so viel zu tun, dass du nicht einmal 3 Minuten Zeit findest, um an deiner Zukunft zu arbeiten“, kommt es ziemlich höhnisch zurück.

Wenn sie das so sagt, dann komme ich mir ziemlich doof vor. Aber ich mag noch nicht kleinbeigeben. „Es war ja wirklich nicht meine Schuld. Da war …“

Sie unterbricht mich, indem sie den Schnabel ganz weit aufsperrt und würgt, ganz so also wollte sie sich übergeben. Sie wird doch nicht auf meinen Schreibtisch? Können Kunststoffeulen eigentlich kotzen?

„Können wir nicht“, lautet prompt die Antwort. „Aber das würde ich gerade gerne machen.“

Sie plustert sich auf und schüttelt sich theatralisch: „Wer ist schuld? Aber bedenke, bevor du etwas erwiderst – wem du die Schuld gibt’s, dem gibst du die Macht.“

Natürlich kenne ich diesen Satz. Und selbstverständlich hat sie Recht. Ich hätte die drei Minuten immer irgendwie erübrigen können, um mir meine neuen positiven Glaubenssätze einzutrichtern. Ich bin halt einfach nicht konsequent genug. Nie halte ich etwas bis zum Ende durch! Das ist mir schon so oft passiert, dass ich voller Enthusiasmus angefangen habe und dann…“

„Halt, halt, halt!“, schreit sie entrüstet dazwischen. „Merkst du nicht, was du da gerade machst?“

„Was mache ich denn?“ Ich habe keine Ahnung, warum sie sich so aufregt.

„Du betest dir gerade mal wieder negative Glaubenssätze herunter. Damit machst du ja alles wieder kaputt, was wir gerade aufbauen wollen.“ Dann setzt sie noch ein empörtes „Dummkopf“ hintendran.

Hat sie mich jetzt gerade beleidigt? Doch bevor ich mich aufrege, fällt mir ein, dass sie ja Recht hat. Ich bin tatsächlich wieder in mein altes negatives Verhaltensmuster gefallen. Ach du Sch …, denke ich noch.

„Ich sehe schon, wir haben noch viel Arbeit vor uns. Du hast wahrscheinlich keinen blassen Schimmer wie Leben funktioniert und welche Gesetzmäßigkeiten man beachten muss, wenn man etwas erreichen will.“

Das Leben läuft nach Gesetzmäßigkeiten ab, frage ich mich. Und warum weiß ich davon nichts? Da kann ich mich ja abstrampeln, wie ich will und bekomme nichts auf die Reihe, wenn ich keine Ahnung, habe wie was zusammenhängt.

„Sei nicht traurig“, tröstet mich die Eule. „Dafür hast du ja mich. Ich erkläre dir, wie die Welt funktioniert.“

Obwohl ich nicht weiß, ob mir diese Lösung gefällt, nicke ich ergeben. Außerdem nehme ich mir vor, dass ich in dieser Woche meine Perlen keinesfalls zurückschütten werde. Und wenn ich kurz vor Mitternacht noch einmal aufstehen muss. Vielleicht macht es auch Sinn, sich einen festen Termin am Tag für diese Übung zu reservieren? Dann müsste das doch zu packen sein.

„Bingo“, tönt es zur Bestätigung. Und ich bin tatsächlich froh, dass ich endlich einmal eine Anerkennung von Plan B bekommen habe.

2016-08-12 16.21.29

 


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Plan B – Positive Glaubenssätze verankern

Die Eule beobachtet mich. Ich fühle direkt, wie sie mich ansieht. Eine ganze Weile tue ich so, als ob ich es nicht bemerken würde. Dann halte ich es nicht mehr aus.

„Was ist?“, knurre ich.

„Hast du deine positiven Glaubenssätze aufgeschrieben?“

„Habe ich!“

„Und hast du sie dir laut vorgelesen?“

„Ja!“

„Jeden Tag?“ Nach einer kurzen Pause setzt sie hinzu: „Mindestens früh und abends?“

„Hab ich vergessen. Ich hab einfach so viel zu tun, da denke ich nicht immer daran“, kommt es trotzig von mir zurück.

„Du warst doch im Frühjahr auf diesem Seminar? Was hätte man dir dort bei dieser Antwort gesagt?“

Ich verdrehe die Augen: „Dass ich Geschichten erzähle“.

Das kleine weiße Ding zieht ein komisches Gesicht. Soweit Eulen aus Kunststoff eben ein Gesicht ziehen können. Eventuell bilde ich mir das alles nur ein. „Genau. Du erfindest Ausflüchte. Dann ist es dir vielleicht gar nicht wichtig, dein Leben zu verändern?“

„Doch“, sage ich prompt. Und dann noch: „Aber“.

„Aber was?“

„Naja, ich komme mir total bescheuert vor, wenn ich mir das laut vorlese. Und außerdem ist es auch richtig schwer, eine Gewohnheit daraus zu machen“, gebe ich zu.

„Dass die falschen Glaubenssätze, die du in zig Jahren angesammelt hast, nicht so einfach aus deinem Kopf verschwinden, das hatten wir ja schon. Egal ob du dir blöd vorkommst, oder nicht, da musst du jetzt durch.“ Sie wackelt ein bisschen mit dem Kopf. „Zeig mir mal dein Blatt, auf dem du die neuen Glaubenssätze aufgeschrieben hast.“

Ich hole ein ziemlich zerknittertes Papier hervor.

Sie sieht mich strafend an. „Na so macht das ja sowieso keinen Spaß.“

Was hat sie denn nun schon wieder, maule ich im Stillen und schaue auf meine Vorlage. Zugegeben, besonders schön sieht sie nicht aus. Ich habe da mehrmals was durchgestrichen und mir auch nicht viel Mühe mit der Schrift gegeben. Aber es sollte ja ohnehin nur zum Ablesen sein, schmolle ich vor mich hin.

„Das machst du jetzt schön noch einmal! Und mit schön, meine ich auch schön! Schönes Papier, schöne Schrift und auf die Rückseite noch einige schöne Bilder, die dir das Leben zeigen, das du einmal leben willst. So als Vision.“ Dann setzt sie noch dazu: „Das nennt man Visionsbord, auf Deutsch Traumtafel. Das wirst du dir auch noch jeden Tag ansehen.“

Bevor ich die Augen verdrehe, spricht sie weiter: „Niemand hat gesagt, dass Veränderungen leicht sind. Ich kann mich nur wiederholen. Du musst raus aus deiner Komfortzone und neue, andere Sachen machen. Andere Sachen denken. Und wenn du dir dabei komisch vorkommst, dann ist das ein Zeichen von deinem Unterbewusstsein, das nicht will, dass du etwas änderst. Es versucht, dich vor neuen Erfahrungen zu schützen.“

Weiß ich doch, denke ich bei mir.

„Ha!“, hakt sie sofort ein. „Weiß ich doch – dieser Satz ist tödlich.“

Das verstehe ich jetzt nicht.

Ich komme jedoch nicht dazu nachzufragen, da sprudelt sie schon die Erklärung heraus. „Wenn du es weißt und dich nicht daran hältst, dann heißt es doch nur, dass du es in Wirklichkeit nicht glaubst. Dein Wissen hat keine Auswirkung auf dein Leben, also wird es nichts verändern. Damit bleibt alles wie es ist. Wissen allein hilft gar nichts, du musst handeln. Das was du lernst musst du umsetzen, sonst ist es nutzlos.“

Die Eule plustert sich auf: „Das ist wie positiv denken und negativ handeln. Absolut tödlich für jede Veränderung.“

Ich muss zugeben, dass sie wieder einmal Recht hat. Also werde ich meine neuen, positiven Glaubenssätze auf schönem Papier mit schöner Schrift verewigen. Und ich werde mir auch so ein Visionsbord basteln, damit ich mir immer vor Augen halte, wo ich einmal hin will.

Aber wie schaffe ich es nur, dass ich mir das auch jeden Tag zu Gemüte führe?

„Um eine neue Gewohnheit zu etablieren, braucht es 21 Tage“, ertönt ihre Stimme.

Ich gebe es auf, mich zu beschweren, dass sie schon wieder meine Gedanken liest. Stattdessen frage ich sie, wie ich das angehen soll.

„Gehe in den Keller und hole zwei gleichgroße Schraubgläser, in die du gut mit der Hand hineinfassen kannst.“

Was wird denn das jetzt?

„Die stellst du an eine Stelle, an der du garantiert jeden Tag vorbei kommst. In das rechte Glas füllst du 21 Knöpfe, Perlen, Kieselsteine, Haselnüsse, Erbsen, Bohnen … was auch immer. Mindestens jedoch einundzwanzig Stück. Jeden Tag, an dem du deine Aufgabe erledigt hast, nimmst du eines der Teile von rechts und legst es in das linke Glas.“

Das leuchtet mir ein. „Und wenn ich es mal einen Tag vergesse, dann mache ich es am nächsten Tag doppelt. Stimmt’s?“ frage ich hoffnungsvoll.

„Falsch“, lautet die Antwort. „Wenn du es einen Tag vergisst, dann schüttest du den ganzen Inhalt des linken Glases zurück.“

„Auch am zwanzigsten Tag noch?“, will ich entgeistert wissen.

Die kleine weiße Eule mit Namen Plan B nickt.

Das wird hart, denke ich noch und mache mich trotzdem an die Arbeit.

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Bildquellenangabe: Timo Klostermeier  / pixelio.de


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Plan B – negative Glaubenssätze umwandeln

Ich setze mich ganz stolz mit meinem Zettel, auf dem zig negative Glaubenssätze stehen an den Schreibtisch, und schaue die weiße Eule erwartungsvoll an.

Die schüttelt mit dem Kopf.

„Was ist?“, frage ich sie.

„Ich wundere mich darüber, dass du dich so freust.“

„Warum nicht? Schließlich habe ich ein ganzes Blatt vollgeschrieben.“

„Das ist der Müll, der in deinem Kopf rum spukt und du bist stolz darauf?“
Verflixt und zugenäht. Natürlich hat sie wieder einmal Recht. Ich schaue auf einmal ganz anders auf mein Blatt Papier, auf dem sich lauter Sätze drängeln, die nicht gerade hilfreich sind, wenn man im Leben was bewirken will.

„Und was jetzt?“, frage ich kleinlaut.

„Jetzt musst du sie umwandeln und dein Unterbewusstsein neu programmieren.“

„Und wie funktioniert das?“

„Gib mir ein Beispiel von deinen Sätzen und ich zeige es dir“, verlangt sie.

Ich winde mich bei dem Vorschlag nicht wenig. Vom Prinzip her schreibe ich jeden Tag Sachen, die an die Öffentlichkeit gehen. Aber die meisten davon sind Fiktion. Soll ich jetzt hier mein Innerstes preisgeben? Meine Gedanken und Einstellungen ans Licht zu zerren und vor anderen auszubreiten, das geht mir doch zu weit.

Natürlich weiß dieses weiße Monster genau, was in mir vorgeht. Doch der erwartete Tadel bleibt aus. Stattdessen kommt sie mir mit Verständnis. „Lass uns einfach mal einen ziemlichen Allgemeinplatz nehmen, der bei vielen Menschen im Kopf sitzt.“

Da mir vor lauter Schreck nichts einfällt, schlägt sie „Geld allein macht auch nicht glücklich“ vor. Ich nicke.

„Was ist die Hauptaussage in diesem Satz?“, fordert sie mich auf.

„Geld macht nicht glücklich“, kommt es zögerlich von mir.

„Genau!“ Sie plustert sich auf. „Und glaubst du, dass jemand, der so etwas denkt, reich werden kann?“

Vorsichtig antworte ich: „Nö“.

Die Eule wirft sich in der Brust. „Genau. Dein Unterbewusstsein glaubt, was du denkst. Und wenn du denkst, dass Geld unglücklich macht, dann wird es alles tun, damit du glücklich bist.“ Rhetorische Pause. „Also wird dir das Geld durch die Finger rinnen und du wirst keine Gelegenheiten erkennen, die dich reich machen könnten.“

„Warum macht das blöde Unterbewusstsein sowas mit mir?“, frage ich entsetzt.

„Weil es dafür sorgt, dass es dir gut geht.“

„Aber es geht mir nicht gut, wenn ich ein leeres Konto habe!“

Die Eule wackelt mit dem Kopf. „Du denkst aber, dass Geld unglücklich macht. Und das nimmt ES für bare Münze.“ Jetzt kichert sie auch noch über ihren Wortwitz, dabei ist mir gar nicht zum Lachen.

„Was soll ich denn jetzt tun?“, frage ich sie ziemlich genervt.

„Du musst deine negativen Glaubenssätze auflösen und dein Unterbewusstsein umprogrammieren.“

„Und wie geht das?“

„Mach aus diesem negativen Satz einen positiven.“

„Geld macht glücklich“, kommt es ziemlich genervt von mir als Antwort. Als ob das so einfach wäre!

Die Eule verdreht die Augen. „Kannst du dir vielleicht ein bisschen mehr Mühe geben?“
Ich weiß nicht so wirklich, was sie von mir will. „Begründe es“, hilft sie mir auf die Sprünge.

Ich versuche es noch einmal. „Geld macht glücklich, weil ich damit viele gute Dinge erleben und auch in die Welt tragen kann. Ich brauchte mir keine Sorgen um unbezahlte Rechnungen machen und würde nur die Arbeiten übernehmen, die mir wirklich Spaß machen. Ich könnte die Tierheime unterstützen, anderen helfen. Und, und, und …“

„Geht doch.“ Sie nickt eifrig mit dem Kopf. „Und das machst du jetzt mit jedem deiner negativen Glaubenssätze. Bis du ein ganzes Blatt voller positiver Gedanken hast.“

„Und dann?“

„Dann liest du dir das jeden Tag mindestens einmal früh und einmal am Abend laut vor.“

„Du spinnst wohl!“, kommt es prompt von mir. Ich mache mich doch nicht zum Affen! Nicht mal vor mir selber.

„Wenn du dein Leben ändern willst, dann musst du das so machen. Wie willst du diese neuen Gedanken denn sonst in deinem Kopf festmachen? Da hilf nur ständiges Wiederholen, lautes Wiederholen. Solange bis du selbst ganz fest daran glaubst, was du dir da vorsagst.“

„Pffff“, töne ich ohne rechte Überzeugung.

„Wie alt bist du?“, fragt sie mich daraufhin. Das erscheint mir jetzt doch ziemlich aus dem Zusammenhang gerissen. Und außerdem weiß sie es ja.

„Ja, ich weiß es.“ Natürlich liest sie wieder meine Gedanken.

„Überlege doch mal“, mahnt sie mich. „Seit mehr als 50 Jahren schleppst du diesen Gedankenmüll mit dir herum. Glaubst du in echt, dass es reicht einige positive Affirmationen aufzuschreiben und dein Unterbewusstsein nimmt dir das ab? Da musst du schon stärkere Geschütze auffahren. Um deine Einstellung zu ändern gibt es keine andere Lösung als dich selbst umzuprogrammieren. Es gibt keinen Plan B.“ Sie kichert, „außer mir“.

Ich befürchte, sie hat Recht und ich muss da durch, wenn ich mein Leben umkrempeln will.

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Bildquellenangabe: Claudia Hautumm  / pixelio.de