junggenug

Das Leben ändern – auch wenn man keine 20 mehr ist


Hinterlasse einen Kommentar

Ein Plädoyer dafür, warum Du doch nett sein solltest

In vielen Ratgebern wird man immer wieder darauf hingewiesen, dass gerade frau nicht immer nett sein sollte. Nette Menschen werden ausgenutzt, heiß es da. Sie werden als harmoniesüchtig bezeichnet. Wer zu nett ist, der macht am Ende immer den Max, muss kleinbeigeben oder ist angeschmiert. Bedeutet das also, dass wir die Ellenbogen ausfahren und rücksichtslos durch Leben marschieren sollen?

Ich denke nicht, dass das der richtige Weg ist. Der besteht wie immer aus dem gesunden Maß der Dinge. Als alte Kräuterhexe halte ich es natürlich ganz salopp mit Paracelsus „Es kommt immer auf die Dosis an.“ Daher habe ich so meine Bedenken, wenn es darum geht, dass man heutzutage nicht mehr nett sein sollte.

Bringen uns solche Tipps wie:

  • Ich vermeide keine Konflikte mehr.
  • Wer immer nett ist, hat zu wenig Selbstwertgefühl.
  • Ich spreche sofort aus, wenn mich etwas stört.
  • Ich behalte meine Meinung nicht für mich.

wirklich weiter?

Was bedeutet nett sein eigentlich? Als Synonyme werden bei einer Recherche solche Worte wie lieb, liebenswürdig, angenehm, freundlich, liebenswert und sympathisch angeboten. Das klingt doch alles ganz angenehm. Wann also hat das NETTSEIN seine positive Seite verloren? Immerhin hat dieser Ausdruck laut wiktionary folgende Wurzeln: „Herkunft:   Spätmittelalterlich über das Niederrheinische und Niederländische aus dem französischen net = makellos, klar, fein, …, das seinerseits vom lateinischen nitidus = glänzend, schillernd, stattlich, schmuck herstammt.“

Wieso findet man im Internet eigentlich ständig Artikel mit den Überschriften:

  • Schluss mit Nettsein
  • Nettsein schadet der Karriere
  • Sind Sie zu nett?

Laut „Die Welt“ scheitern sogar die Beziehungen der NETTEN eher, als die der „weniger Netten : „So investieren zu nette Menschen früh und viel in die Beziehung – Zeit, Geld und Aufmerksamkeit. Aus vielen Studien ist bekannt, dass Investieren psychologisch vor allem einen Effekt hat: Es führt dazu, den Wert der Sache oder des Menschen, in den investiert wird, höher einzustufen.“(Zitat)

Irgendwas läuft da falsch!

Vielleicht ist unsere Vorstellung von NETT im Laufe der Zeit irgendwie ins Negative gerutscht.

NETTSEIN heißt nämlich nicht schwach zu sein. Es bedeutet keineswegs:

  • Sich alles gefallen zu lassen
  • Sich niemals zur Wehr zu setzen
  • Sich immer zurückzunehmen
  • Keine eigene Meinung zu vertreten

Stattdessen versuchen wir einmal herauszufinden, was NETTSEIN bedeuten könnte:

  • Jemanden ein Lächeln zu schenken
  • Jemanden spontan zu umarmen
  • Jemanden einfach mal so ein Geschenk zu machen
  • Jemanden zuzuhören
  • Jemanden Worte der Anerkennung zu geben

Das alles kann NETTSEIN bedeuten.

Und das Schöne daran ist, dass man dieses Quentchen Aufmerksamkeit, das man einem anderen Menschen spendet, nicht nur jemanden anders als Geschenk macht, sondern sich selber damit belohnt. Rainer Maria Rilke beschreibt das so: „Alle Kraft, die wir fortgeben, kommt erfahren und verwandelt wieder zu uns zurück.“

„Ein Jegliches hat seine Zeit“ steht in der Bibel (und singen die Puhdys)

Daher will ich es mal so formulieren:

Es gibt eine Zeit zum Stark sein und eine Zeit zum Nettsein. Wir sollten uns Gedanken über den Unterschied machen. Es liegt an uns, wann wir „wie“ sind. Und es ist auch unsere Entscheidung, zu wem wir nett sind. Somit kommt ein weiterer Aspekt zum Nettsein dazu. Zu wem sind wir denn im Allgemeinen nett?

Zu unserer Familie, den Freunden, Kollegen, Nachbarn…

Und zu uns? Wie sind wir zu uns selbst? Sind wir da auch nett? Oder kritisieren wir ständig an uns herum, finden uns langweilig und meinen, dass wir nichts auf die Reihe bekommen?

Wie würde jemand reagieren, wenn wir ihn mit den Vorwürfen konfrontieren, die wir uns oft selber machen? Der wäre sicher sauer auf uns!

Bevor wir also zum Rest der Welt nett sind, sollten wir erst einmal nett zu uns sein. Das hat eine ganze Menge Vorteile:

  • Es fühlt sich echt gut an, sich selbst einmal wohlwollende Aufmerksamkeit zu schenken.
  • Wir steigern unser Selbstwertgefühl.
  • Wir machen uns selber Mut.
  • Wir gewinnen Kraft und Energie, die wir sonst für negative Reflexionen verwendet hätten.
  • Wir können zu anderen nett sein, weil wir wissen was wir Wert sind und keine Angst haben müssen, dass man das NETTSEIN als Schwäche auslegen könnte

So können wir getrost auch dem Rest der Welt zeigen, dass wir eigentlich ganz NETT sind. Denn „Es sind nicht die Erlebnisse die uns formen, sondern wie wir sie interpretieren.“ (Pico Iyer)

nett

Advertisements