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Das Leben ändern – auch wenn man keine 20 mehr ist


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Respekt

Im Radio singt Joe Cocker „Respect yourself“. Ich wackle mit dem Kopf im Takt der Musik und denke mir: Recht hat er, der Mann. Wer soll mich denn respektieren, wenn ich es nicht tue? Während ich noch so vor mich hin tänzle, fällt mir ein, dass das Wort Respekt in unserm Sprachgebrauch kaum noch vorkommt.

Man bezeichnet sich vielleicht als Fan von Jemandem. Gurus haben Anhänger, Blogger haben Follower. Aber wer hat eigentlich meinen Respekt? Eventuell der Dalai Lama? Und wenn, warum?

Vielleicht muss ich erst wieder einmal nachgraben, was das Wort Respekt bedeutet. Diesmal schaue ich nicht zuerst bei Wikipedia nach, sondern hole mein altes „Petri Fremdwörterbuch“ aus dem Schrank. Leider kann ich nicht so richtig herausfinden, wann es gedruckt wurde. Aber es ist schon recht alt, denn die Schrift erscheint noch in „alten Buchstaben“. Zu Respekt erklärt man mir: Rücksicht, Achtung, Ehrerbietung, Verehrung, Ehrfurcht. Das klingt eigentlich logisch. Zumindest mit einigen Synonymen kann ich etwas anfangen.

Da wäre zuerst einmal die Rücksicht. Oft genug nimmt man ja auf andere Leute Rücksicht. Heute nehme ich mal auf mich Rücksicht. Wenn ich müde bin, dann lege ich mich hin und schlafe. Wenn ich traurig bin … dann esse ich eine Tafel Schokolade. An diesem Punkt glaube ich, dass das mit der Rücksicht doch nicht ganz so gemeint ist.

Ich versuche es lieber noch einmal von vorn. Rücksicht besteht eigentlich aus zwei Wortteilen. Zuerst kommt das RÜCK. Das hängt sicher mit zurück zusammen und ist daher ja irgendwie nach hinten, zur Vergangenheit hin, gerichtet. Und SICHT kommt von sehen. Da bin ich mir jetzt aber ganz sicher. Wenn ich das zusammenbastle, dann ergibt sich für mich folgendes Bild: Ich sehe nach hinten, erinnere mich an meine Lebensgeschichte und kann so erkennen, warum ich jetzt in der Gegenwart so und nicht anders bin. Das leuchtet ein.

Muss ich jetzt so bleiben wie ich bin, nur weil mir in meinem Leben dieses oder jenes passiert ist? Oder liegt es viel eher daran, wie ich zurücksehe? Wie ich das Vergangene bewerte? Ich kann es als gute oder schlechte Erfahrung ablegen oder ständig als Entschuldigung mit mir herumtragen. Wie meine Rücksicht aussieht, das kann ich immer wieder neu definieren. Interessant.

Kommen wir zur Achtung. Ich glaube das ist einfacher. Wenn ich auf etwas achte, dann bin ich aufmerksam. Ich soll mir also Aufmerksamkeit schenken. Vielleicht mehr als bisher? Ich schätze, da geht noch was. Meist dreht sich unsere Aufmerksamkeit ja eh um andere Menschen, irgendwelche Dinge oder um …. Also: Ab jetzt mehr Aufmerksamkeit für die eigenen Belange!

Ehrerbietung. Na das ist ja auch so ein Wort aus dem vorigen Jahrhundert! Zum Glück besteht es wieder aus zwei Teilen. EHRE und BIETEN. Wenn ich etwas biete, also anbiete (vielleicht meinen Gästen), dann gebe ich es freiwillig. Aber wie ist das mit der Ehre? Was ist das? Eigentlich ist das doch vollkommen überholt. Jetzt muss ich doch wieder zu Wikipedia. Das ist mein Glück denn dort finde ich „Ehre bedeutet in etwa Achtungswürdigkeit oder „verdienter Achtungsanspruch“.“ Na diese Erklärung gefällt mir aber. Wenn ich das mit meinen vorherigen Gedanken zusammenbringe, dann folgt daraus, dass ich mir meine Aufmerksamkeit doch eigentlich verdient habe. Ich muss sie mir nur freiwillig zugestehen.

Bleiben noch Verehrung und Ehrfurcht. Das sind beides recht komische Wörter.

Dabei ist das mit der Verehrung gar nicht so schlimm. Wikipedia meint: „Eine Verehrung ist eine ehrerbietige Liebe. Vergleichbare Begriffe sind „(mit Liebe verbundene) Hochschätzung“ oder „Bewunderung“. In diesen Zusammenhängen ist ein Verehrer ein „Bewunderer“, aber auch ein „Liebhaber“.“ Da kann man doch wohl mitgehen. Man darf ja wohl schon mal sein eigener Bewunderer sein.

Bei der Ehrfurcht bekomme ich nun aber doch Bedenken. Schließlich steckt da das Wort Furcht mit drin. Ich will mich nicht fürchten und breche jetzt meine Überlegungen ab. Im Radio laufen inzwischen eh schon seit geraumer Zeit andere Lieder. Die Musik ist nicht schlecht, aber der englische Text rauscht nur so an meinem Ohr vorbei. Warum nur hat mich bloß diese eine Zeile mit „respect yourself“ zu solchen Gedankengängen verführt? Respekt, Joe Cocker!

Achtung

Bildquellenangabe:        Dieter Schütz / pixelio.de


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